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Baby an Board

20.07.2010

Eine Flugreise mit einem Kleinkind ist unproblematisch

Mit den Kindern per Flugzeug in den Urlaub. Bild: dpa
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Mit den Kindern per Flugzeug in den Urlaub. Bild: dpa

Große Bedenken entstehen bei Eltern junger Kinder, ob sie mit ihnen in den Urlaub fliegen können. Doch diese Angst ist zum großen Teil unbegründet. Unklar ist jedoch, wie gut die Kleinen in der Maschine geschützt sind. Von Sonja Krell

Mit kleinen Kindern fliegen - davor schrecken die meisten Eltern zurück. Denn Reisen mit Baby bedeutet Stress und jede Menge Unwägbarkeiten. Zwar stellen sich die Fluggesellschaften zunehmend auf die jüngsten Fluggäste ein. Doch einheitliche Regelungen fehlen - vor allem in puncto Sicherheit.

Ab welchem Alter ist es unbedenklich, mit einem Baby zu fliegen?

Ein Neugeborenes darf nach einer Woche fliegen. "Jedes gesunde Kind kann fliegen", sagt Flugmediziner Torsten Pollmann aus Dortmund. Wenn möglich, sollten Eltern ihrem Nachwuchs in den ersten sechs Wochen aber keinen Flug zumuten, da sie in dieser Zeit sehr anfällig für Bakterien sind. Am besten vor dem Flug den Kinderarzt aufsuchen.

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Gibt es gesundheitliche Risiken?

Ein Flug sollte vermieden werden, wenn das Kind eine Erkältung, Husten oder eine Mittelohrentzündung hat. Je kleiner, desto schwerer tut sich ein Kind mit dem Druckausgleich bei Start und Landung. Babys hilft es, an der Brust oder am Schnuller zu saugen, ältere Kinder können Kaugummi kauen. Flugmediziner Pollmann rät, eine halbe Stunde vor Start und Landung Nasentropfen zu geben.

Welchen Platz im Flieger sollte man für Säuglinge wählen?

Bei den meisten Fluggesellschaften lassen sich spezielle Betten für Säuglinge bestellen. Die Lufthansa stellt Babybettchen etwa auf Langstreckenflügen kostenlos zur Verfügung. Sie werden an der Wand vor der ersten Eltern-Kind-Sitzreihe eingehängt. Frühzeitig reservieren, da diese Plätze begrenzt sind. Laut Öko-Test sind diese Betten aber nur bis zu einer Größe von 65 Zentimetern oder neun Kilo Körpergewicht geeignet. Für das Fliegen mit größeren Kindern empfiehlt Flugmediziner Pollmann: "Die Sitze im vorderen Teil der Maschine oder über den Tragflächen sind die ruhigsten."

Ab welchem Alter müssen Kleinkinder angeschnallt werden? Und wie?

Seit 2008 müssen auch Kinder unter zwei Jahren in Flugzeugen angeschnallt werden. So will es eine EU-Verordnung. Entweder sitzen die Kinder auf einem eigenen Platz im Kindersitz - dieser Sitz muss allerdings separat gebucht werden. Oder sie fliegen auf dem Schoß der Eltern mit - gesichert durch einen zusätzlichen Gurt (Loop-Belt), der mit einer Schlaufe am Beckengurt des Erwachsenen festgezurrt wird. Vor 2008 war dieser Gurt in deutschen Flugzeugen verboten, nach EU-Verordnung ist er nun wieder erlaubt und kommt auch bei zahlreichen Airlines zum Einsatz, etwa bei der Lufthansa.

Laut TÜV Rheinland sind diese Gurte im Ernstfall aber ein tödliches Risiko für Kinder. Wie Crashtests gezeigt hätten, schneide der Gurt, der die gleiche Abmessung wie bei Erwachsenen habe, tief in die Weichteile ein. "Schwerste innere Verletzungen können die Folge sein", sagt TÜV-Flugsicherheitsexperte Martin Sperber. Hinzu komme, dass das Kind im Notfall zum Airbag für den Erwachsenen werde. Wenn die Insassen bei Turbulenzen nach vorne geschleudert werden, pralle die Mutter auf das an ihr festgeschnallte Kind.

Welches Anschnallsystem empfehlen Flugexperten?

Das Luftfahrtbundesamt (LBA) fordert einen eigenen Sitzplatz für Kinder unter zwei Jahren - verbunden mit einem entsprechenden Rückhaltesystem. So könnten die Kleinen etwa in einem Auto-Kindersitz angeschnallt werden. Problem: Nicht jeder Kindersitz eignet sich für jeden Flugzeugsitz. Zulässig sind Sitze mit dem Label von TÜV Rheinland "For Use in Aircraft".

Welcher Kindersitz ist bei welcher Airline zugelassen?

Das Luftfahrtbundesamt rät Eltern, direkt mit der Airline Kontakt aufzunehmen und sich zu erkundigen, welche Kindersitze dort zugelassen sind. Der Bundesverband Deutscher Fluggesellschaften hat eine entsprechende Liste zugelassener Kindersitze zusammengestellt (www.bdf.aero), derzeit arbeitet TÜV Rheinland eine umfassende, aktualisierte Auflistung aus. Voraussetzung für den Kindersitz ist jedoch ein eigener Sitzplatz, der rechtzeitig reserviert werden muss. Der Preis entspricht meist dem Kindertarif, variiert aber je nach Airline. "Eltern sollten bereit sein, für die Sicherheit ihrer Kinder zu zahlen", appelliert Cornelia Cramer vom LBA.

Gibt es neuere Lösungen?

Ein Internetshop (kinder-reisen-sicher.de) vertreibt neuartige Lösungen, etwa einen aufblasbaren Sitz für Flugzeug und Auto, geeignet für Kinder zwischen neun Monaten und sieben Jahren. Problem: Verfügbar ist nur die abgespeckte Variante ohne Überdruckventil (119 Euro). Die TÜV-geprüfte Variante (Luftikid Duo, ca. 149 Euro), die auch bei Druckverlust in der Kabine sicher ist, wird derzeit nicht mehr hergestellt. Alternativ wird ein höhenverstellbares Hosenträgergurtsystem für Kinder von ein bis vier Jahren angeboten, das für jeden Flugzeugsitz geeignet ist (86 Euro). Der TÜV Rheinland bewertet auch dieses System kritisch, weil der Beckengurt ebenfalls in den Bauch einschneide.

Ab welchem Alter hat mein Kind ein Recht auf einen eigenen Sitzplatz?

Erst ab zwei Jahren besteht Anspruch auf einen Sitzplatz. Dabei schnallen sich die Kinder mit dem normalen Gurt an. Experten sehen auch diese Variante kritisch, da die Abmessungen der Gurte auf Erwachsene eingestellt sind.

Gibt es spezielle Kindertarife?

Ja, diese gelten meist für Kinder zwischen zwei und elf Jahren. Je nach Airline beträgt die Ermäßigung zwischen 25 und 50 Prozent des normalen Tarifs. Achtung: Manche Fluggesellschaften berechnen aber den vollen Satz an Steuern und Gebühren. Bei Easyjet und Ryanair zahlen auch Kinder den vollen Preis. Meist gibt es auch Freigepäck für Kleinkinder. Die Lufthansa etwa gewährt auf Mittelstrecken zehn Kilo. Kinderwagen und Buggys können bei vielen Airlines kostenlos mitgenommen werden.

Was gilt es sonst zu beachten?

Familien sollten den bequemen Vorabend-Check-in nutzen. Meist können sie auch vor anderen Passagieren einsteigen. Malhefte, Spielzeug und Kopfhörer mitnehmen, außerdem ein Kissen und was sonst zum Schlafen nötig ist. Gläschen nicht vergessen! Babynahrung fällt nicht unter die Beschränkung für Flüssigkeiten. Von Sonja Krell

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