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E-Bikes

02.08.2017

Gesundheitsexpertin klärt auf: Sind E-Bikes gesund oder gefährlich?

Kurz mal zum Bäcker oder in die Stadt: Viele lieben die Mobilität, die E-Bikes bieten.
Bild: Tobias Hase, dpa

Mit E-Bikes sind Senioren länger mobil. Auch Jüngere lieben das Radeln mit Motor. Die Allgäuer Wissenschaftlerin Petra Heinle erklärt, warum Fahrtrainings sinnvoll wären.

Frau Heinle, Sie arbeiten an einer Studie zur Mobilität von Menschen über 75. Was genau untersuchen Sie?

Petra Heinle: Ich beschäftige mich damit, wie sich das Mobiliätsverhalten von Menschen über 75 Jahren verändert, gerade in einer so ländlichen und touristisch geprägten Region wie dem Oberallgäu. Meine Annahme ist, dass Menschen in diesem Alter weniger Auto fahren. Dazu kommt im Allgäu das Problem, dass der öffentliche Nahverkehr wenig ausgebaut ist. In diesem Kontext stellte sich die Frage, wie ein Seniorenfahrrad mit drei Rädern, bei dem ein Elektromotor die Muskelkraft unterstützt, die aktive Mobilität der Menschen aufrecht erhalten kann.

Welche Auswirkungen hat es auf die Gesundheit älterer Menschen, wenn sie mit E-Bikes unterwegs sind?

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Heinle: Ein Beispiel ist die Muskelkraft, die gestärkt wird, weil sich die Menschen wieder mehr bewegen. Viele Senioren sind nur noch kurze Strecken zu Fuß unterwegs, zum Teil mit Hilfe eines Rollators. Außerdem können die Senioren ein Stück Lebensqualität und Unabhängigkeit zurückgewinnen. Viele würden irgendwann mit dem Radfahren aufhören und durch das Pedelec können sie noch einige Jahre länger fahren. Eine Gefahr sehe ich aber darin, dass man den Punkt nicht erkennt, an dem man sich eingestehen müsste, dass es mit einem Pedelec auch nicht mehr geht.

Mit E-Bikes passieren mehr Unfälle

Verglichen mit einem normalen Fahrrad passieren mit Pedelecs mehr Unfälle. Woran liegt das?

Heinle: Ich vermute, dass es weniger etwas mit dem Alter zu tun hat als mit dem Pedelec an sich. Pedelecs sind schneller und ziehen beim Anfahren manchmal extrem schnell an. Außerdem kann man insgesamt schneller fahren, was immer mit einer Gefahr verbunden ist. Und sie kippen eher um, weil sie schwerer sind als normale Fahrräder. Hinzu kommt, dass man im Straßenverkehr generell mehr Rücksicht aufeinander nehmen müsste. Bisher steht das Auto noch zu sehr im Vordergrund.

Anders als für ein Mofa braucht man für ein Pedelec keinen Führerschein. Was halten Sie davon?

Heinle: Ein Führerschein geht vielleicht zu weit, aber ein verbindliches Fahrtraining wäre meiner Meinung nach sinnvoll. Denn es ist ein anderes Fahren, man muss auf bestimmte Dinge mehr achten.

Petra Heinle ist Gesundheitsexpertin und lebt im Allgäu.
Bild: Petra Heinle

Mit welchen gesundheitlichen Einschränkungen sollte man überdenken, ob man noch geeignet ist, E-Bike zu fahren?

Heinle: Wer mit Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen zu kämpfen hat, sollte generell nicht mehr Fahrrad oder E-Bike fahren. Gerade in Kurven oder in tieferen Kiesstellen kann es schnell passieren, dass das Rad nicht mehr in Griff zu bekommen ist. Wenn die Seh- und Hörstärke abnimmt und man sich auf einem Fahrrad oder Pedelec nicht mehr sicher fühlt oder sich nicht mehr gut auf den Verkehr konzentrieren kann, wäre es sinnvoll, nicht mehr Fahrrad zu fahren.

Wäre dann der Umstieg auf ein dreirädriges E-Bike denkbar?

Heinle: Absolut. Vorteil dieser Dreiräder ist es, dass sie nicht kippen. Außerdem haben manche Räder einen richtigen Sitz statt eines Sattels und einen sehr guten Einstieg. Deshalb sind sie auch geeignet für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Wer aber kaum noch laufen kann oder sehr schlecht hört oder sieht, für den wird es auch mit einem Dreirad schwierig. Möglich wäre dann aber ein betreutes Fahren mit einem geeigneten Tandem.

Ältere Menschen haben oft Angst im Straßenverkehr

Welche Probleme haben Senioren ganz allgemein im Straßenverkehr?

Heinle: Während der Arbeit an der Studie haben wir festgestellt, dass Senioren, die lange überhaupt nicht mehr Fahrrad gefahren sind, sich schwer tun, auf ein Dreirad aufzusteigen. Die Betroffenen wissen auch nicht mehr, wie der Straßenverkehr funktioniert. In Gesprächen hat sich außerdem herausgestellt, dass ältere Menschen Angst haben, dass man im Straßenverkehr nicht genügend Rücksicht auf sie nimmt. Wenn Autos mit 50 Stundenkilometern unterwegs sind, trauen sich alte Menschen oft nicht mehr auf die Straße – auch nicht zu Fuß.

Welche Möglichkeiten haben Senioren, die im Umgang mit dem Fahrrad unsicher sind?

Heinle: Eine Idee für die Zukunft wäre, dass Städte, Gemeinden und Pflegeeinrichtungen Seniorenfahrräder oder Fahrräder für ein betreutes Fahren bereithalten und entsprechende Trainings anbieten. Gut wäre es auch, wenn Senioren die Räder mieten könnten, weil die Anschaffung für den Einzelnen doch sehr teuer ist. In Schwaben ist im Zeitraum von 2012 bis 2030 mit einem Zuwachs von 140000 Menschen über 60 Jahren zu rechnen, auch durch Zuzug. Das liegt daran, dass die Region für Senioren attraktiv und touristisch geprägt ist. Vielleicht muss man gerade hier deswegen die Infrastruktur besonders auf die Bedürfnisse älterer Menschen anpassen.

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