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Schweden
15.08.2018

Jugendliche zünden 100 Autos an

Auch auf dem Frölunda-Platz in Göteborg wurden Autos angezündet.
Foto: Foto: Adam Ihse, TT News Agency, AP, dpa

Systematisch wurden rund 100 Autos in Brand gesteckt. Welches Motiv die Täter haben und wie der Staat antworten will.

Einige Straßenzüge in Göteborg und weiteren Städten glichen in der Nacht auf Dienstag einer Kriegszone. Überall stiegen Flammen von brennenden Autos in den schwedischen Nachthimmel. Etwa 100 Autos wurden in der Nacht von Jugendlichen angezündet und größtenteils fast gänzlich zerstört. Die meisten Autobrände wurden im westschwedischen Göteborg gezählt. Auch in den nahegelegen Orten Falkenberg, Trollhättan, Lysekil und Alafors brannten Autos. In Trollhättan sollen Jugendliche zudem Steine auf ausrückende Polizisten geworfen haben. Die meisten Verdächtigen sind im fortgeschrittenen Teenageralter oder in den frühen Zwanzigern.

Furcht vor weiteren Ausschreitungen

„Das sind junge Burschen. Sie sind kriminell und scheinen das völlig ohne Grund getan zu haben. Sie haben sich vor allem die Autos ihrer Nachbarn vorgenommen, einfach weil sie es spaßig fanden“, sagte Dan Windt, Polizeichef für Südgöteborg dem Sender Radio Schweden. Mehrere Jugendliche wurden identifiziert. Weil sie teils noch minderjährig waren, wurden sie und ihre Eltern nur verhört. Immerhin zwei Verdächtige wurden festgenommen. Nach einem jungen Mann wird zudem gefahndet. Es wird befürchtet, dass es zu weiteren Ausschreitungen kommt. Die Polizei sei aber darauf vorbereitet.

Die Szenen wirken gespenstisch: Das Handyvideo einer Privatperson in Göteborg zeigt, wie sieben Männer, in Schwarz gekleidet und vermummt, in aller Ruhe von brennenden Autos weggehen. In einem anderen Video sieht man, wie eine vermummte Gruppe systematisch von Auto zu Auto geht und die Fahrzeuge anzündet. Schon früher hatte es ähnliche Attacken gegeben – vor allem in Stadtteilen mit hohen Einwandereranteilen. Aber nie waren die Täter so systematisch vorgegangen. Nie hatte es so viele zerstörte Autos gegeben. Die Aktion soll über soziale Netzwerke zentral koordiniert worden sein.

„Was zum Teufel macht Ihr da?“

„Ich bin richtig wütend. Was zum Teufel macht Ihr da? Wir brauchen noch mehr Ressourcen, um das zu bekämpfen“, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven im Radio Schweden und wandte sich direkt an die Jugendlichen: „Ihr zerstört euer Leben und das eurer Eltern, der Nachbarn. Da muss die Gesellschaft steinhart antworten“, sagte er.

Bislang ist unbekannt, ob es sich bei den Tätern um Migranten handelt. Schwedische Medien und die Polizei informieren nicht darüber. Bei Straftaten soll die ethnische Herkunft der Täter keine Rolle spielen – so lautet die Devise. Integration und Sicherheit zählen derzeit in Schweden zu den zentralen Wahlkampfthemen. Davon profitieren vor allem die ausländerfeindlichen Schwedendemokraten, die in Umfragen mit über 20 Prozent inzwischen zweitstärkste Kraft im Lande sind.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Die verstehen nicht, was sie da Menschen antun“, sagt der ältere Göteborger Nuno Mendoza und schaut auf sein total ausgebranntes Auto. „Ich fahre damit, um meiner Mutter zu helfen. Das ist so verdammt unnötig gewesen“, sagt er.

Bei den Automodellen machten die Täter keine Unterschiede. Zu den 100 zerstörten Autos zählten sowohl teure Schlitten wie auch Kleinwagen. Die Polizei kündigte an, ihre Präsenz in den betroffenen Gebieten in den kommenden Tagen deutlich zu verstärken. Zudem sollen Sozialarbeiter eingesetzt werden.

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