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Paraguay

11.05.2015

Stiefvater soll Zehnjährige vergewaltigt haben: Darf sie abtreiben?

Schlimmer Verdacht: Eine Zehnjährige soll nach einer Vergewaltigung durch ihren Stiefvater ein Kind erwarten.
Bild: Boris Roessler/Symbolbild (dpa)

Der Stiefvater und mutmaßliche Vergewaltiger einer Zehnjährigen wurde nach zweiwöchiger Flucht in Paraguay festgenommen. Nun debattiert das erzkatholische Land über eine Abtreibung.

Nach zwei Wochen auf der Flucht ist in Paraguay der Mann gefasst worden, der seine zehn Jahre alte Stieftochter geschwängert haben soll. Wie die Polizei des südamerikanischen Landes am Samstag mitteilte, wurde der 42-Jährige in Caazapá festgenommen, etwa 300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Asunción.

Der Mann beteuerte, er sei unschuldig und bereit, alle Untersuchungen mitzumachen, um seine Unschuld zu beweisen. Die Mutter des Mädchens befindet sich wegen des Verdachts auf Komplizenschaft ebenfalls in Haft. Seine Frau habe ihn zu Unrecht angeschwärzt, sagte der 42-Jährige.

Das im fünften Monat schwangere Mädchen hatte ausgesagt, von seinem Stiefvater geschwängert worden zu sein. Die Behörden verweigern der Zehnjährigen die Abtreibung. Die Gesetze in Paraguay erlauben eine Abtreibung bis zur 20. Schwangerschaftswoche und das auch nur, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

Zehnjähriges Mädchen in Paraguay schwanger: Diskussion um Abtreibung

Die katholische Kirche wendet sich gegen den Eingriff: "Einige wollen Abtreibungen legalisieren; den Mord an einem Unschuldigen, der noch am Heranwachsen ist", sagte Bischof Giménez. "Und dann gibt es die andere Seite, die den Eingriff ablehnt."

Amnesty International startete eine Kampagne, damit dem Mädchen die Abtreibung doch noch ermöglicht wird. Das Mädchen, das vor der Schwangerschaft nur 34 Kilogramm gewogen habe, sei in Gefahr, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf das soziale Problem des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in dem südamerikanischen Land. Amtlichen Statistiken zufolge ist der Missbrauch einer der häufigsten Gründe dafür, warum so viele minderjährige Mädchen in Paraguay schwanger werden. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef bringen in dem Land jeden Tag zwei Mädchen im Alter von zehn bis 14 Jahren ein Kind zur Welt.

Großvater soll Elfjährige geschwängert haben

Ein ähnlicher Sachverhalt sorgt derzeit in Uruguay für Schlagzeilen. Dort hat der Fall eines elfjährigen Mädchens, das mutmaßlich vom Großvater seiner Halbschwester geschwängert wurde, eine Kontroverse ausgelöst. Seine Eltern wollen, dass es abtreibt, es selbst weigert sich. Die Elfjährige ist den Ärzten zufolge in der 16. Woche schwanger, lernbehindert und geistig leicht zurückgeblieben. Die Konsequenzen ihrer Weigerung könne sie nicht überblicken. Die Behörden streiten nun über das weitere Vorgehen, da das Gesetz einen Schwangerschaftsabbruch nur bis zur zwölften Woche und bei Vergewaltigung bis zur 14. Woche erlaubt.

Wie am vergangenen Donnerstag bekannt wurde, hatte der 41-jährige Großvater der Halbschwester die Elfjährige während seiner häufigen Besuche im Haus der Familie missbraucht und geschwängert. Er wurde inzwischen festgenommen und wegen Vergewaltigung angeklagt. Das Mädchen steht seit vier Wochen in einem Kinderkrankenhaus von Montevideo unter Beobachtung. Nach Angaben eines Krankenhaussprechers ist es völlig gesund.

Laut der Leiterin des nationalen Kinder- und Jugendinstituts (Inau), Marisa Lindner, könnten die Behörden eine Abtreibung zulassen, wenn sie feststellen, dass die Gesundheit der Elfjährigen gefährdet ist. Dagegen sieht die Leiterin der Inau-Gesundheitsabteilung, Monica Silva, keine rechtliche Handhabe, da das Leben von Mutter und Kind nicht in Gefahr sei. AZ/AFP

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