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Musik

21.08.2017

Warum ist ausgerechnet "Despacito" der größte Sommerhit aller Zeiten?

Goldketten-Rapper Daddy Yankee (links) assistiert Luis Fonsi im größten Videohit zum internationalen Sommerhit.
Bild: Universal

Auf Youtube über 3,3 Milliarden Mal angesehen, in den deutschen Charts wochenlang auf Platz 1: Warum bricht ausgerechnet das Trallala von „Despacito“ alle Rekorde?

Der sonnige Süden ist da und die Eingängigkeit des Ohrwurms, beschwingte Leichtigkeit und heißes Tanzen, freudiges Flirten und der Sex – alles drin also, was ein Sommerhit braucht. Wie es früher schon mit Kaoma bei ihrem „Lambada“, mit Inner Circle bei ihrem Reggae „Sweat“, mit Bellini bei „Samba de Janeiro“ oder mit Lou Bega bei „Mambo Nr. 5“ war: Mit dem netten Luis Fonsi, seinem nett rappenden Kumpel Daddy Yankee und deren nettem Song „Despacito“ lernt die Welt nun 2017 eben den puerto-ricanischen Reggaeton tanzen. Diesmal eben arg reibungsintensiv, sehr lasziv. Liegt es daran?

Und hatte uns vergangenes Jahr Imany noch aufgefordert, uns auszuziehen („Don’t Be So Shy“) – in „Despacito“, das es titelgemäß ja eigentlich ein bisschen langsam angehen lassen will, heißt es gleich: „Ich will, dass du meinem Mund deine Lieblingsstellen zeigst. / Lass mich deine gefährlichen Zonen überschreiten / Bis du schreist und deinen Nachnamen vergisst /  … Werden wir es an einem Strand in Puerto Rico machen, / Bis die Wellen ,Ach, du Heiliger!‘ rufen, /  …“ Liegt es daran? Oder was macht diesen Song zum größten aller Sommerhits?

„Despacito“ die 17. Woche auf Platz 1 in Deutschland

Allein bei uns: Luis Fonsi und Daddy Yankee waren die 17. Woche auf Platz 1 in Deutschland, und noch kein Abstieg deutet sich an – ein Bereich, den bislang nur in den Fünfzigern mal Freddy Quinn oder Margot Eskens erreichten. „Despacito“ aber schafft das international, in den USA steht sogar eine zweite Version an der Spitze, erweitert um Justin Bieber. Insgesamt führt das dazu, dass das unspektakuläre Video zum Song (Posen an Küste und Sonne, dazu Dorf und Menschen, natürlich Mann und Frau, jedenfalls Tanzen und Lachen, schließlich Club und Party) inzwischen über 3,3 Milliarden Mal auf Youtube angesehen wurde – Weltrekord!

Video: LuisFonsiVEVO

Aber nein, an der Laszivität liegt das nicht. Denn Rihanna hat mit Drake im Video zu „Work“ noch heißer getanzt, und schon Inner Circle sangen: „Girl, I want to make you sweat…, and if you cry out, I’m gonna push it some more“ … Es liegt vielmehr an dreierlei.

  1. Die Youtube-Kurven schießen ohnehin immer mehr in die Sterne. Es ist bald drei Jahre her, dass die Wirklichkeit alle Grenzen sprengte. Mit dem „Gangnam Style“ des Südkoreaners Psy stieß der Klick-Zähler an die Grenze, weil sich kein Techniker hatte vorstellen können, dass eine höhere Zahl nötig sein könnte als 2147483647. Heute ist bereits ein Dutzend Videos jenseits dieser damals erweiterten Grenze. Nicht von ungefähr. Denn mehr als je zuvor steigert die Plattform Youtube den Effekt der Potenzierung von Aufmerksamkeit. Abermillionen weltweit hören hier ihre Musik, schauen Kino-Trailer und Comedy  – und wenn etwas im Trend liegt, werden sie alle darauf hingewiesen. Man klickt halt mal rein. Kostet ja alles nix. Auch wenn man zum Dauerhörer wird. Und so steigen die Fieberkurven schneller und weiter. Die neue Grenze liegt nun bei der astronomischen, kaum aussprechbaren Zahl 9223372036854775808 – erreichbar höchstens mit dauerklickenden Robotern. Über die geht immerhin heute schon das Gerücht, sie könnten bei der Schaffung von Trends eine Rolle spielen.
     
  2. Beschwingte Latino-Musik hat in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Mit Stars wie Enrique Iglesias und der zu ihren Wurzeln zurückgekehrten Shakira ging es über den Exilanten-Verstärker USA in die Welt. Songs wie „Ai Se Eu Te Pego“ von Michel Teló wurden auch bei uns Radiohits, mit Alvaro Soler hat sogar die Schlagerszene zu dieser Klangfarbe gefunden. Luis Fonsi und Daddy Yankee haben längst einen guten Namen in der Szene – und nun eben einen Volltreffer, der sich durch Kooperationen wie nun mit Justin Bieber zum Wohle aller Partner noch mal verstärkt.
     
  3. Es ist halt einfach ein nettes Lied, das gute, sommerliche Laune macht. Dass damit nicht alles erklärt ist, versteht sich. Es bleibt das Geheimnis, was einen Popsong grundsätzlich zu einem Hit macht. Noch. Denn irgendein Algorithmus wird auch das noch lüften …
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