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Welttag des Fernsehens

21.11.2017

Wie Netflix und Co. das klassische Fernsehen ablösen wollen

Netflix statt TV: Immer mehr junge Menschen bevorzugen Streaming-Dienste.
Bild: Alexander Heinl, dpa (Symbol)

Heute ist der Welttag des Fernsehens. Geht es nach Streaming-Anbietern, wird dieser möglichst bald zum Gedenktag. Was Netflix, Amazon und DAZN und andere Anbieter vorhaben.

Wie lange gibt es das klassische Fernsehen noch? Eine provokante, vermutlich verfrühte Frage. Das klassische, lineare Fernsehen ist längst nicht abgelöst. Und doch: Die Branche hat mit Problemen zu kämpfen. ProsiebenSat.1 etwa beklagt sinkende Zuschauer-Zahlen. Die Konkurrenz kommt zunehmend aus dem Internet. Und Netflix und Co. haben immer größere Pläne.

Eine Übersicht zum Welttag des Fernsehens heute am 21. November - der, wenn es nach den Streaming-Anbietern geht, in Zukunft höchstens noch nostalgische Gefühle hervorrufen wird.

Was planen Amazon und Netflix?

Bereits dieses Jahr hat Netflix gezeigt, wo die Reise hingehen soll: Der Marktführer unter den Streaming-Anbietern will stärker auf eigene Produktionen setzen. Ende September hatte Netflix 109 Millionen zahlende Nutzer. Mehrere Millionen dürften seitdem schon dazu gekommen sein. Sieben bis acht Milliarden Dollar will Netflix 2018 investieren - hauptsächlich in die Produktion neuer Serien, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten. Das nötige Kleingeld für diese Pläne holt sich Netflix über erhöhte Abo-Gebühren wieder rein.

Die Nutzerzahl von Amazon Video kann nur schwer geschätzt werden. Analysten gehen davon aus, dass der Konzern zwar 65 Millionen zahlende Prime-Kunden hat, einige von ihnen dürften aber hauptsächlich schnell Pakete bekommen wollen.

Vor Kurzem kursierte ein Gerücht im Netz: Amazon wolle eine gratis Version seines Video-Diensts anbieten. Mit Werbung solle sich dieser finanzieren. So könne der Konzern seine Reichweite vergrößern, mutmaßten Stimmen. Gegenüber dem Technikmagazin The Verge dementierte ein Sprecher aber solche Gerüchte. Man habe keine Pläne in diese Richtung.

Stattdessen ist auch bei Amazon ein Trend hin zu selbst produzierten Serien zu erkennen. Zugpferd sind große Namen - so wird die Vorgeschichte zu "Herr der Ringe" verfilmt.

Noch einen anderen Vorteil haben die Streaming-Anbieter gegenüber dem linearen Fernsehen: Sie können Vorschläge liefern, Zuschauer gezielt auf einzelne Serien aufmerksam machen. Inzwischen lenkt die Software bei Netflix stark die Entscheidungen der Zuschauer. Nach aktuellen Zahlen werden 80 Prozent der Sendungen auf Basis von Empfehlungen durch den Netflix-Algorithmus geschaut.

Bleibt es bei zwei großen Streaming-Anbietern?

Wohl kaum. Disney hat als erster großer Medienkonzern angekündigt, seine Filme und Produktionen künftig direkt in einem eigenen Streaming-Portal zu zeigen. Im zweiten Halbjahr 2019 soll der Dienst starten und Serien von "Star Wars", "Die Monster AG" oder "High School Musical" zeigen, kündigte Disney-Chef Robert Iger an. Der monatliche Abo-Preis werde zunächst unter dem von Netflix liegen, weil man auch weniger Inhalte im Angebot haben werde.

Auch das Silicon Valley mischt neuerdings stärker mit: Google rüstet seinen Videodienst Youtube zunehmend mit Abo-Modellen und professionell produzierten Exklusivinhalten hoch. Facebook und Apple planen laut US-Medien Milliarden-Investitionen in exklusive Video-Inhalte

Welttag des Fernsehens: Wer überträgt in Zukunft Sport?

Vor allem beim Fußball greifen die Streaming-Anbieter das lineare Fernsehen an. Netflix und Amazon halten sich bislang (mit Ausnahmen) raus. Ein besonders großes Angebot hat DAZN aufzubieten: Unter anderem die englische, spanische und italienische Liga wird nur noch im Internet übertragen - wie auch erstmals alle WM-Qualifikationsspiele, bis auf die der deutschen Mannschaft. Zudem zeigt DAZN Zusammenfassungen der Bundesliga.

Kommendes Jahr macht DAZN vor allem dem Bezahlsender Sky weiter Druck. Ab Sommer 2018 zeigt der Streaming-Anbieter alle Spiele der Europa League sowie wohl einen großen Teil der Spiele der Champions League (hier mehr dazu). Auch die Bundesliga ist ein Stück weit ins Internet abgewandert - die Freitagsspiele werden vom Eurosport Player gezeigt (hier mehr zur Bundesliga-Übertragung).

Das Free-TV geht ab dem Sommer 2018 weitgehend leer aus. Nur noch vereinzelt werden Spiele der Vereins-Wettbewerbe für alle empfangbar übertragen. Immerhin bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft sieht das in naher Zukunft noch anders aus: Erst kürzlich haben sich ARD und ZDF die Rechte für die DFB-Spiele der UEFA Nations League gesichert. mst-/dpa

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