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Beim Wintersport darf die Klimadebatte nicht aufhören

Beim Wintersport darf die Klimadebatte nicht aufhören
Kommentar Von Milan Sako
30.11.2019

Die Gletscher schmelzen, das Klima wird wärmer. Die Branche setzt weiter auf Spaß im Schnee. Und offenbar machen sich nur wenige Touristen Gedanken darüber.

Wiesen statt Winterlandschaften, Steine statt Schnee, Geröll statt Gletschern – Winter gibt es gefühlt nur noch auf Werbefotos. Irgendwann wird er kommen. Doch die bange Frage lautet: Wie viel Schnee und Minusgrade wird die kalte Jahreszeit bringen? Angesichts des Klimawandels muss die Frage erlaubt sein, wie zeitgemäß Wintersport noch ist. Zumindest wenn die Basis so aufwendig gelegt werden muss. Kann ich es mit meinem ökologischen Gewissen verantworten, mit Kunstschnee präparierte Hänge herunterzuwedeln oder boarden zu gehen in Skigebieten, in denen Berggipfel weggesprengt wurden, um sie zu einer Mega-Super-Riesen-Skischaukel zu verbinden?

Der Klimawandel ist den meisten Wintersportlern egal

Den meisten Wintersportlern ist es auf gut Bayerisch „wurscht“. Die Spaßgesellschaft will sich in malerischer Bergkulisse austoben. So lassen sich jedenfalls die Ergebnisse einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München von vor wenigen Jahren interpretieren. Untersucht wurde, ob Skifahrer angesichts von Klimawandel und Schneemangel zu einer Verhaltensänderung bereit sind. Die Resultate sind ernüchternd. In beiden Jahren stellte die „Destination Switcher“ die größte Gruppe. Das sind die Skifahrer, die im Zweifelsfall in ein höher gelegenes, schneesicheres Skigebiet ausweichen, um ihrem Hobby zu frönen. Die zweitgrößte Gruppe stellten die „Hardcore Skifahrer“, die es nicht stört, grüne Hänge auf einem weißen Kunstschneeband herunterzuwedeln. Beide Gruppen zusammen machten in den Untersuchungen 80 Prozent aus.

Der Mehrheit ist egal, dass Berghänge mit Millionenaufwand präpariert, beschneit und gewalzt werden, bevor der Spaß im Schnee beginnen kann. Wintersport zu verteufeln kann jedoch nicht das Ziel sein. Viele Alpenregionen leben vom Tourismus, der den Bewohnern ihr Einkommen garantiert.

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Der Trend geht zu häufigeren und dafür kürzeren Winterurlauben. Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der Ankünfte stark zugenommen, während die Verweildauer sinkt.

Ein Winter mit einer langlebigen Schneedecke auch im Flachland ist die absolute Ausnahme

Ziel muss es sein, die Interessen von Naturschutz, Landschaftspflege und Tourismus in Einklang zu bringen. Kosten-Nutzen-Rechnungen aufzustellen, ist nicht verboten. Konkret: Wie viele neue Liftanlagen und Schneekanonen machen wirklich Sinn?

Entscheidend ist die Frage, wie viel Winter uns in den Alpen bleibt. Die Konsequenzen haben die Tourismus-Manager längst gezogen und bieten ein schneefreies Alternativprogramm an. Der dramatische Rückzug der Gletscher ist nur ein Indiz für die globale Erwärmung. Winter mit langen Kältephasen und einer langlebigen Schneedecke bis ins Flachland sind in unseren Breiten seit Jahren die absolute Ausnahme.

Skiverband legt Saisonauftakt immer in den Oktober- das passt nicht

Die Tourismusbranche verkauft dagegen weiterhin den Wintertraum in Weiß. Alljährlich legt der Ski-Weltverband Fis den Saisonauftakt auf Ende Oktober, obwohl die nächsten Alpen-Rennen erst Mitte Dezember starten. Sportlich passt der Auftakt auf dem Rettenbachgletscher von Sölden nicht in den Rhythmus der Skiprofis. Darum geht es nicht. Sondern darum, bei den Winterkunden den Reiz zu setzen: Es geht wieder los. Taugen Ski und Anzug noch?

In dieses Bild passen die Ski-Openings, die in diesen Tagen die Ski-Destinationen zelebrieren. Musikgrößen heizen dem jungen Zielpublikum am Berg ein. Doch nicht jedem Wintertouristen gefällt die Gabalierisierung des Ski-Tourismus mit Dauergedudel und Après-Ski bis zum Umfallen. Einen Berg mit einem halben Dutzend Liften oder präparierte Loipen in stillen Wäldern schätzen gerade nicht mehr ganz junge Gäste. Wintersport mit Köpfchen und Seele – das wäre ein (Winter-)Traum.

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02.12.2019

Aufgrund der aktuellen Klimadebatte habe ich mir auch harte Ziele gesetzt und gebe mir eine Restskilaufzeit bis 2038!

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30.11.2019

Wenn ich so die Bilder von den Pisten anseh, kommt mir der Gedanke, Freitag Klimademo, Samstag, Sonntag auf die Pisten in die Berge, so ist die Doppelmoral, der jungen Generation.

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30.11.2019

Was für ein undifferenzierter , unbewiesener, pauschalierter Beitrag, Peter G.

Was sehen sie auf den Bildern? Kennen sie diese Menschen? Waren da welche auf den "Klimademos" dabei?
Vielleicht sind das Menschen aus Haushalten, denen es schlichtweg nur um ihren eigenen Spass geht?
Menschen, die eher ihren Weltbild entsprechen? (Au, da hab ich jetzt aber pauschaliert...?



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30.11.2019

Zu teuer, nur möglich im Massentourismus mit zumachen, die Landschaft zu genießen ist kaum möglich. Ich hab die Skier an den Nagel gehängt. Tagesausflüge und im Schnee spazieren gehen, ist auch viel schöner.

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30.11.2019

Aus diesen Gründen habe ich vor über 20 Jahren das Skifahren aufgegeben.
Aber das es noch so viel pervertierter wird, hätte ich nicht gedacht....

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30.11.2019

Ja es ist grenzwertig, auch von den Preisen her.

Aber wenn man dann an einem strahlenden Wintertag nachdem es zuvor drei Tage geschneit hat (vllt. wenn man Glück hat in der Vorsaison, in der noch nicht ganz so viel los ist), auf dem Gipfel in 2.500 m Höhe steht, das Panorama vor sich, den frischen Pulverschnee unter den Brettern, die eiskalte klare Luft in der Nase, an dick überzuckerten Tannen vorbeischwingt, dann weiß man, dass es nichts Schöneres gibt.

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