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Interview mit der Grünen-Politikerin

31.01.2012

Claudia Roth: Nur "Opium" in der Handtasche, keine Waffe

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Der Waffenlobby-Verein "prolegal" hatte auf seiner Internetseite verbreitet, Teil der Handtaschen-Ausstattung der Grünen-Politikerin Claudia Roth sei eine Pistole vom Typ Walther PPK.

Ein Waffenlobby-Verein wirft der Grünen-Politikerin Claudia Roth vor, eine Waffe in der Handtasche zu tragen. Jetzt verrät Roth Überraschendes über den Inhalt ihrer Tasche.

Frau Roth, sind Sie James Bond-Fan? Sie und 007 sollen ja die gleiche Waffe tragen...

Claudia Roth: James Bond ist großartig, vor allem die alten Filme. Ein echter Gentleman in jeder Lebenslage. Nur dass die Waffenlobby aus mir gleich ein „Bond-Girl“ mit scharfer Waffe machen will, das schießt doch deutlich übers Ziel hinaus.

Der Waffenlobby-Verein "prolegal" hatte auf seiner Internetseite verbreitet, Teil Ihrer Handtaschen-Ausstattung sei eine Pistole vom Typ Walther PPK. Was sagen Sie dazu?

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Roth: Das ist natürlich ein Schmarrn. Die einzige scharfe Waffe, die ich in meiner Handtasche jemals hatte, war „Opium“, ein sagenhaftes Parfüm von Yves Saint Laurent. Mittlerweile habe ich aber etwas abgerüstet, nämlich auf „Terre d’Hermès“. Dass die Waffenlobbyisten bei ihrer Falschmeldung nicht besonders viel Gehirnschmalz aufgewendet haben, zeigte mir auch eine Mail, die ich danach von einem Waffenexperten bekommen habe. Der hat mir nämlich ausführlich erklärt, dass an diesen Behauptungen schon deswegen nichts dran sein könnte, weil so eine James-Bond-Waffe zur Selbstverteidigung in einer Handtasche völlig ungeeignet sei. Für diesen Zweck würde er doch zu anderen Waffentypen raten ..... Aber Spaß beiseite. Die ganze Geschichte hat einen ernsten und traurigen Hintergrund: Der Waffenlobby bin ich schon länger ein Dorn im Auge, weil ich mich klar für die Abrüstung von Privatpersonen einsetze. Ich will keine tödlichen Schusswaffen in den Privathaushalten unseres Landes. Die Knarren müssen endlich raus aus den Wohnungen. Und auch kein Sportschütze braucht gefährliche Waffen für die Ausübung seines Sports. Diese Forderung ist auch eine klare Konsequenz aus dem furchtbaren Amoklauf von Winnenden. Wir müssen alles tun, damit sich so etwas nicht wiederholt.

Wie kam der Verein darauf? Die Rede war von einer Polizeikontrolle im Jahr 2010, bei der die Waffe entdeckt und Sie einen Waffenschein vorgelegt haben sollen. Was ist dran an dieser Behauptung?

Roth: Wie dieser Waffenlobby-Verein darauf kam, müssen Sie ihn selbst fragen. Es ist offenkundig ein perfider Versuch, im Internet mit haltlosen Behauptungen ein Gerücht zu streuen – in der Hoffnung, es könne sich verselbstständigen und den betroffenen Menschen sozusagen im Selbstlauf diffamieren. Das ist eine Methode, auf die einige Gruppierungen verstärkt zurückgreifen. Allerdings muss ich auch sagen, dass sich andere Waffenlobby-Vereine in einem Brief an mich sofort von dieser Kampagne distanziert haben.

Was haben Sie gedacht, als Sie die Meldung zum ersten Mal gelesen haben? Sie sollen ja bereits rechtliche Schritte gegen "prolegal" eingeleitet haben...

Roth: Als erstes habe ich bei der Vorstellung, irgendjemand könnte dieser kruden Lügenstory Glauben schenken, herzhaft gelacht. Und natürlich führte die Meldung auch zu einiger Belustigung bei meinen grünen Freundinnen und Freunden. Aber leider muss man auch so einen Unsinn ernst nehmen, weil er dann ja gleich weite Kreis zieht im Netz. Deshalb sind wir auch schnell juristisch dagegen vorgegangen. Und da die Waffennarren keinerlei Beleg für ihre fadenscheinigen Behauptungen hatten, mussten sie diese auch sofort von der Seite nehmen. Außerdem verlangen wir eine Richtigstellung.

Diverse Schützenvereine haben Sie bereits zum munteren Sportschießen eingeladen. Wann sehen wir Claudia Roth am Schießstand?

Roth: Sicher nie, das ist nicht meine Welt. Aber Sportschützen müssen ihren Sport ja nun wirklich nicht mit hochgefährlichen Schusswaffentypen ausüben, dafür hat mir noch niemand einen triftigen Grund nennen können. Wir brauchen keine tödlichen Schusswaffen im Sport und auch keine millionenfache Hochrüstung zu Hause. Stefan Drescher

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