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Deutschlands Standortnachteil: Seine Manager

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Kommentar Von Gregor Peter Schmitz
11.04.2018

Die Fälle VW und Deutsche Bank zeigen, wie wenig Vertrauen und Respekt Wirtschaftsbosse bei den Bürgern genießen. Das kann für uns alle sehr teuer werden.

Volkswagen ist der größte Autobauer der Welt, 230 Milliarden Euro Umsatz, 642.000 Mitarbeiter. Die Deutsche Bank ist die führende Bank der viertgrößten Volkswirtschaft der Erde. Beide Institutionen haben gerade ihre Führungsspitze ausgetauscht – und sie taten dies mit der Professionalität von Kegelvereinen. Wobei der Vergleich sehr unfair ist, denn die allermeisten Kegelvereine sind ordentlich geführt.

Bei der Deutschen Bank hingegen wurde erst öffentlich bekannt, dass der Chefposten quer durch Europa angeboten wurde. Als sich partout niemand fand, der ihn übernehmen wollte, musste einer ran, der zuvor als nicht bereit galt, aber halt jetzt bereit sein muss. Der Aufsichtsratschef, den so gut wie alle für die Misere verantwortlich machen, durfte übrigens bleiben.

Bei Volkswagen fiel (endlich) auf, dass das Gejammere von Vorstandschef Matthias Müller über die angeblichen Zumutungen seines Jobs bei rund zehn Millionen Euro Jahresgehalt vielleicht etwas übertrieben sind. Man ersetzte den Amtsmüden durch einen motivierter wirkenden Kollegen, der allerdings auch schon in einem Alter ist, in dem Manager in Rente gehen dürfen. Der Aufsichtsratsvorsitzende, tief verstrickt in den Diesel-Skandal, bleibt aber im Amt, man kennt das Prinzip mittlerweile.

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Die Bild-Zeitung druckte das Foto eines grinsenden Herrn Müller, daneben stand „Der geilste Rauswurf aller Zeiten“ – weil auf den Topmanager daheim acht Porsche warteten, eine neue Freundin und 30 Millionen Euro Rente.

Natürlich ist das derber Boulevard, etwas ungerecht ist es auch, die Zahlen stimmen ja bei Volkswagen. Aber Boulevard ist immer nah dran an Volkes Stimme, und dieser Befund ist besorgniserregend: Respekt für und Vertrauen in die deutsche Wirtschaft und deren Manager-Elite sind offenbar so gut wie verschwunden. Dieser Prozess dauert schon länger an, Stichwort: Nieten in Nadelstreifen. Aber bei VW und Deutsche Bank – beide angeblich „systemrelevant“ – ist er besonders drastisch zu spüren.

Die Verantwortung wird viel zu gerne outgesourct

Dieser Frust speist sich aus mehreren Quellen. Zu nennen ist das Gefühl, die gehaltsmäßig galaktisch enteilten Manager seien Unternehmer vor allem in eigener Sache. VW-Vorstände mochten auf dem Höhepunkt der Diesel-Krise nicht auf Boni verzichten, für Investmentbanker der Deutschen Bank war jeder Tag ohne Zulage ein verlorener Tag. Und Autoboss Müller hat noch vor kurzem die Frage, ob fünf Millionen Euro Jahresgehalt vielleicht auch reichten, mit einem Verweis auf die DDR abgebügelt.

Gleichzeitig wächst der Eindruck, dass Verantwortung in deutschen Chefetagen allzu gerne outgesourct wird. Weil die Regierung die Autobauer juristisch nicht zur Diesel-Nachrüstung zwingen kann, werden sie die wohl verweigern, trotz Milliardengewinnen.

Zudem rufen die sonst so auf Staatsferne bedachten Bosse mit Vorliebe nach Staatshilfe, wenn die Zukunft kompliziert zu werden droht, etwa durch Digitalisierung oder Elektroautos. Die seltsame „E-Auto-Prämie“ haben die Autokonzerne etwa erst hinter den Kulissen lautstark erstritten und dann still und leise eingestrichen.

Standorte leiden, wenn das Vertrauen in Institutionen schwindet, – vor allem in einem Wirtschaftssystem, das so auf Kooperation angelegt ist wie unseres. Politik und Medien gelten hierzulande schon länger als „Lügensystem“. Unsere florierende Wirtschaft aber genoss lange einen Vertrauensvorschuss.

Doch der, zeigen Umfragen, gilt mittlerweile eher abstrakt für die Mitarbeiter. Es gilt aber offenbar immer weniger für Topmanager.

Das ist, gerade mit Blick auf die Zeit nach dem aktuellen Boom, ein echtes Standortproblem.

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