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23.01.2019

Höcke gerät ins Visier

Wie groß ist der Einfluss von Björn Höcke innerhalb der AfD?
Bild: dpa

Der Vorwurf lautet: Verachtung der Bundesrepublik

Er ist eine der größten Reizfiguren, die die AfD aufzubieten hat: rechtsextrem und provokant. Nun gerät Björn Höcke, Thüringer Landeschef, mit seinem rechtsnationalen „Flügel“ der AfD ins Visier des Verfassungsschutzes. Die Behörde hält es für möglich, dass Höckes Gruppierung bereits Einfluss auf den Kurs der gesamten Partei genommen hat. Es sei zu befürchten, dass diese Strömung mit ihren „mutmaßlich verfassungswidrigen Einwirkungsversuchen auf die Gesamtpartei schon erste Erfolge erzielt hat“, heißt es im Gutachten des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) zur AfD.

Höcke hatte die Gruppierung, die sich selbst Flügel nennt, 2015 gegründet. Das Bundesamt hält in seinem Gutachten fest, der „Flügel“ habe auch „Verbindungen zu bekannten rechtsextremistischen Organisationen; maßgebliche Mitglieder, einschließlich der Führungsfigur Höcke, haben sich in der Vergangenheit auch schon selbst für rechtsextremistische Organisationen betätigt“. Nach seiner Analyse von Textpassagen des 2018 erschienenen Buches „Nie zweimal in denselben Fluss, Björn Höcke im Gespräch mit Sebastian Henning“ bilanziert der Inlandsgeheimdienst: „Nicht der Nationalsozialismus selbst, sondern die Niederlage von 1945 scheint für Höcke die eigentliche Katastrophe zu sein.“

Das BfV hatte die AfD in der vergangenen Woche als Ganzes zum „Prüffall“ erklärt und nimmt sie damit stärker unter die Lupe. Noch genauer hinschauen will die Behörde beim rechtsnationalen „Flügel“ und der Nachwuchsorganisation Junge Alternative: Sie wurden zum Verdachtsfall erklärt. Von einem Verdachtsfall spricht der Verfassungsschutz, wenn nach seiner Auffassung „hinreichend gewichtige Anhaltspunkte“ dafür vorliegen, „dass es sich um eine extremistische Bestrebung handelt“. Beim Verdachtsfall greift ein weiterreichendes Instrumentarium als beim Prüffall. Allerdings liegt auch der Verdachtsfall unterhalb der Schwelle einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz mit nachrichtendienstlichen Mitteln.

In dem Gutachten heißt es: „In aller Klarheit formuliert Höcke, wie wenig es ihm um einen bloßen Wechsel der Regierung und herrschenden Politik geht, wie sehr ihm das ganze System und die im Wettbewerb stehenden Parteien verhasst sind und wie offensichtlich das Feindbild Merkel lediglich eine Chiffre für die Verachtung der Bundesrepublik insgesamt ist.“

Höcke sagte auf Anfrage, er könne sich nicht zu einem Gutachten äußern, das ihm nicht vorliege. Es sei eine „Farce“, dass einige Medien Einblick in das Dokument hätten nehmen können, die AfD aber nicht. BfV-Präsident Thomas Haldenwang will heute mit den Verfassungsschutz-Ämtern der Länder über die AfD reden. Man wolle darüber sprechen, „wie wir diese Entscheidung in Zukunft ausfüllen werden, wer welche Aufgaben wahrnimmt“. (dpa)

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