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Klimagipfel: Die Industrienationen müssen endlich Ernst machen

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Kommentar Von Bernhard Junginger
16.12.2018

Solange der Kampf gegen die Erderwärmung eine freiwillige Sache bleibt, passiert zu wenig. Warum die Ergebnisse des UN-Klimagipfels in Kattowitz trotzdem Hoffnung machen.

In ihrem zerstörerischen Hang zu klimaschädlichem Verhalten gleichen viele Staaten der Welt Alkoholsüchtigen, die nicht nur sich selbst zugrunde richten, sondern andere gleich mit. Mit dem Weltklimagipfel ist gerade wieder eine emotionale Selbsthilfegruppensitzung zu Ende gegangen. Doch im Gegensatz zu früheren Treffen, die nur noch mehr heiße Luft produziert haben, könnte Kattowitz tatsächlich einen echten Meilenstein markieren. Denn die Beteiligten des Dramas haben sich etwas unerhört Wichtiges versprochen: Künftig regelmäßig und nach verbindlichen Kriterien Rechenschaft abzulegen über ihre jeweiligen Klimaschutz-Anstrengungen.

Immerhin: 196 Länder haben sich in Kattowitz zusammengerauft

Es wäre leicht und gäbe auch gute Gründe, die Ergebnisse der Konferenz in Polen als unzureichend und zu wenig verbindlich abzutun. Vom jüngsten Klimagipfel aber geht ein bemerkenswerter Hoffnungsschimmer aus. In einer Zeit, in der die Idee der internationalen Zusammenarbeit durch heftige Ausbrüche nationaler Egoismen bedroht wird, haben sich 196 Länder zusammengerauft. Und auf einen gemeinsamen und durchaus konkreten 133 Seiten starken Fahrplan für den weltweiten Klimaschutz geeinigt.

Das ist alles andere als selbstverständlich angesichts der gegensätzlichen Interessen der Akteure, die im schlesischen Kohlerevier aufeinandergetroffen sind. Als da sind die schwersten der Klima-Alkoholiker, die Industrienationen, mit ihrem gewaltigen Durst nach Energie verantwortlich für den Großteil der Probleme. Darunter Deutschland. Die Schwellenländer, die ihnen auf dem Pfad des Verderbens folgen, beim Ausstoß von Treibhausgasen munter aufholen. Die Entwicklungsländer des Südens, die Ärmsten der Armen, die die Folgen am heftigsten spüren.

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Dass die ungebremste Verbrennung von Kohle und Erdöl zwar kurzfristig billig erscheint, letztlich aber die ganze Welt viel zu teuer zu stehen kommt, leugnen nur noch wenige Klimaschutz-Ignoranten. Zu denen dummerweise mit Donald Trump der Präsident der mächtigsten Nation der Erde gehört. Der gebärdet sich wie ein harter Trinker, der sich noch damit brüstet, wie viel Whisky er verträgt. Zum Glück gibt es aber auch in den USA viele Stimmen, die das Offensichtliche akzeptieren: Wenn keine Kehrtwende gelingt, werden die Folgen dramatisch sein. Katastrophale Wetterereignisse, ein Anstieg des Meeresspiegels, unbewohnbare Landstriche, Hungersnöte, Fluchtbewegungen, möglicherweise Krieg – die Vorboten dafür sind nicht zu übersehen.

UN-Klimakonferenz in Kattowitz: Es klingt wie bei den anonymen Alkoholikern

Trotzdem ist es – wie bei allen Süchten – schwer, aus der zerstörerischen Abwärtsspirale auszusteigen. Schwer, aber nicht unmöglich. In der Suchttherapie gibt es erprobte Pfade, die aus der Abhängigkeit führen können. Erster Schritt ist stets die Selbsterkenntnis. „Ich heiße Bob und bin ein Alkoholiker“ – so klingt das bei den Anonymen Alkoholikern. Beim Weltklimagipfel in Paris haben sich die Nationen der Erde vor drei Jahren ihr Klima-Problem eingestanden. Doch es sind zu wenige Taten gefolgt. Auch Deutschland, das sich unter einer vermeintlichen „Klimakanzlerin“ als Musterschüler gebärdete, ist deutlich hinter den selbst gesteckten Zielen zurückgeblieben. Der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen etwa ist noch gestiegen. Vom Ziel, eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, ist die Bundesregierung meilenweit entfernt, der Kohleausstieg lässt auf sich warten.

Nach Kattowitz heißt es, endlich Ernst machen im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe. Nur wenn aus der Selbstverpflichtung einzelner Staaten eine echte Gruppendynamik entsteht, gibt es vielleicht doch noch Hoffnung, den Klima-Teufelskreis zu durchbrechen.

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