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US-Vorwahlen

11.02.2020

Nächste Vorwahl in New Hampshire: Sanders gegen Buttigieg

Der demokratische Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, Bernie Sanders, wirbt um Stimmen.
Bild: Andrew Harnik, AP/dpa

Lange galt der linke Senator Bernie Sanders als Favorit - doch der gemäßigte Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg legt seit Tagen in den Umfragen zu. Ein überraschender Ausgang hätte bundesweit Signalwirkung.

Von wegen: Die Größe ist gleichgültig. “Gestern Abend hat Senator Sanders mit 1981 Teilnehmern den stärksten Zulauf aller Kandidaten gehabt”, meldete die Kampagne des linken US-Präsidentschaftsbewerbers Bernie Sanders am Montag stolz. Wenige Stunden später machte sein Konkurrent Pete Buttigieg eine andere Rechnung auf: “Danke an mehr als 5000 Menschen, die in Nashua, Dover, Salem und Londonderry zu uns gekommen sind und der Nation zeigen, wie eine Bewegung für den Wechsel aussieht.”

US-Vorwahlen: In New Hampshire wird am Dienstagabend ausgezählt

Bislang sind das nur Kraftmeiereien. Richtig ausgezählt wird erst am heutigen Dienstagabend in New Hampshire – und dieses Mal hoffentlich zügig und korrekt. Dann wird das politisch interessierte Amerika gebannt auf den verschneiten Bundesstaat schauen, der als zweiter seine Delegierten für den demokratischen Parteikonvent im Juli wählt. Rein rechnerisch wäre das Ereignis nicht sonderlich bemerkenswert: Für die Nominierung zum Trump-Herausforderer sind 1990 Delegierten-Stimmen erforderlich. In New Hampshire sind gerade einmal 24 Plätze zu vergeben.

Doch oftmals setzen die frühen Vorwahlen einen entscheidenden Trend. Und der chaotische Caucus von Iowa hat mächtig Bewegung in das Kandidatenfeld gebracht. Der einstige Favorit Joe Biden ist heftig ins Straucheln geraten. Am Montag wurde er in einer nationalen Umfrage der Quinnipiac-Universität erstmals vom linken Senator Bernie Sanders überholt. Die gemäßigt-linke Senatorin Elizabeth Warren verliert nach ihrem Höhenflug vom Herbst nun massiv an Boden. Und mit dem 38-jährigen Ex-Kleinstadtbürgermeister Pete Buttigieg drängt ein Außenseiter nach ganz vorn.

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“Wir haben einen Schlag bekommen”, gestand der frühere Obama-Stellvertreter Biden nach dem Iowa-Caucus und setzte vorsichtshalber schon hinzu: “Vielleicht bekommen wir noch einen Schlag in New Hampshire.” Der 77-Jährige hat zuletzt viel versucht, um das Ruder herumzureißen. Er hat sogar entgegen seinem allgemeinen Appell zur Versöhnung einen ziemlich bösen Werbespot geschaltet, in dem er sich über die Unerfahrenheit von Buttigieg mokiert. Doch ist fraglich, ob das hilft. Wer Biden in diesen Tagen erlebt, der sieht einen freundlichen, zugewandten Opa, der viel von der Vergangenheit erzählt und seine frühere Dynamik verloren zu haben scheint.

Joe Biden verliert in Umfragen deutlich

Im Durchschnitt der Umfragen für New Hampshire ist er nach Berechnungen der Webseite RealClearPolitics innerhalb von einer Woche von 17,5 auf elf Prozent und damit den vierten oder fünften Platz gefallen. Der Neuengland-Staat, der an die Heimat von Bernie Sanders angrenzt und schon 2016 nicht für Hillary Clinton, sondern für den linken Senator stimmte, ist kein einfaches Terrain für den moderaten Ex-Vizepräsidenten. Biden setzt daher ganz auf die in knapp zwei Wochen anstehenden Vorwahlen in South Carolina mit seinem hohen schwarzen Bevölkerungsanteil, wo er deutlich vorne liegt. Trotzdem wäre ein Absturz auf elf Prozent für ihn eine Demütigung und würde seine ohnehin finanziell notleidende Kampagne möglicherweise in Existenznot bringen.

Für Bernie Sanders auf der anderen Seite ist der Sieg in New Hampshire im Grunde schon eingepreist. Seit Wochen liegt der knorrige Sozialist im “Granit-Staat” vorne. Nach jüngsten Umfragen könnte Sanders auf rund 28 Prozent der Stimmen kommen. Das dürfte das Partei-Establishment nach dem starken Iowa-Ergebnis des Senators weiter in Unruhe versetzen. Die Demokraten sind nämlich ziemlich genau gespalten zwischen Linken und Moderaten, und die letzte Gruppe ist überzeugt, dass ein 78-Jähriger, der das politische System revolutionieren, die Steuern erhöhen und eine staatliche Bürgerversicherung einführen will, keine Chance gegen Präsident Donald Trump hat.

Pete Buttigieg bietet sich als moderate Alternative an

Als moderate Alternative bietet sich nun Buttigieg an, der in New Hampshire laut Umfragen binnen einer Woche um fast acht Punkte auf rund 21 Prozent hochgeschossen ist. Der eloquente 38-jährige schwule Harvard-Absolvent und Miltärveteran bietet nicht nur altersmäßig und kulturell einen scharfen Kontrast zum grantelnden Sanders. Auch die Unterstützer unterscheiden sich stark. Während Buttigieg vor allem bei älteren Wählern und Frauen gut ankommt, ist die Sanders-Basis überwiegend männlich und bemerkenswert jung. Die Unterstützer sind sich in etwa so herzlich zugetan wie die Fans von Borussia Dortmund und FC Schalke 04.

Seitdem Buttigieg in Iowa nach dem bisherigen Auszählungsstand einen Delegiertensitz mehr als der Senator geholt hat, haben ihm fanatische Sanders-Anhänger im Netz einen bösen Spitznamen verpasst: “Mayor Cheat” (Betrüger-Bürgermeister). Sollte es in New Hampshire zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten kommen, dürften die Spannungen noch deutlich stärker werden.

Pete Buttigieg spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung.
Bild: Andrew Harnik, AP/dpa

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