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Nestlé-Video
06.06.2019

Kritik an Nestlé-Video: Julia Klöckner reagiert auf Shitstorm im Netz

Die CDU-Landwirtschaftsministerin verteidigt ihr Video mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch nach heftiger Kritik.
Foto: Britta Pedersen, dpa (Archiv)

Julia Klöckner wendet sich nach Kritik an ihrem Video für Nestlé auf Twitter "an die Hatespeaker". Foodwatch wirft ihr derweil zu große Nähe zu Unternehmen vor.

Das Bundesagrarministerium hat das umstrittene Video von Ministerin Julia Klöckner und einem Nestlé-Manager erneut verteidigt - setzt sich aber auch intern damit auseinander. "Ja, man tauscht sich darüber aus", sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Berlin auf die Frage, ob es im Haus eine Debatte um das Video gebe. Zur Umsetzung der Strategie für weniger Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln gehöre aber auch, "mit allen Beteiligten zu sprechen", auch mit Unternehmen. Wenn diese sich verpflichteten, ihre Produkte zu ändern, sei das ein Erfolg - und darum sei es gegangen. 

Ärger um Nestlé-Video: Klöckner bezeichnet Kritiker als "Hatespeaker"

In dem am Montag veröffentlichten Video würdigt Klöckner Nestlé dafür, dass es den Zucker-, Salz und Fettgehalt seiner Lebensmittel reduziert habe. Hintergrund ist eine vom Kabinett verabschiedete "Reduktions- und Innovationsstrategie", die Vereinbarungen auf freiwilliger Basis mit den Herstellern vorsieht. Für den Kampf gegen Übergewicht sollen viele Fertigprodukte so bis 2025 neue Rezepturen bekommen. 

Klöckner steht dabei mit Nestlés Deutschland-Chef Marc-Aurel Boersch vor der Kamera. Nach der Veröffentlichung hatte sich ein Shitstorm über die CDU-Politikerin ergossen, auch Bundespolitiker beteiligten sich an der Kritik. Klöckner wurde vorgeworfen, für Nestlé zu werben und sich von der Industrie vereinnahmen zu lassen.

Die Ministerin verteidigte ihr Vorgehen und bezeichnete auf Twitter Kritiker als "Hatespeaker". Dies habe sich nicht etwa auf Journalisten bezogen, erklärte die Sprecherin des Ministeriums auf Nachfrage, sondern sei an diejenigen gerichtet, die die Ministerin online als "Konzernhure" bezeichnet hätten. 

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Die Medienanstalt Berlin Brandenburg hatte angekündigt, den Fall zu prüfen. Man nehme Kontakt mit dem Ministerium auf, sagte die Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies darauf, dass Vertreter der Bundesregierung sich immer wieder mit Vertretern von Unternehmen treffen und gemeinsam äußern - "auch in der analogen, nicht-digitalen Welt", sagte er. "Darin ist nicht Werbung zu sehen."

Foodwatch wirft Klöckner zu große Nähe zu Unternehmen vor

Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch hat Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) wegen des Videos mit dem Nestlé-Manager Boersch zu große Nähe zu Lebensmittelunternehmen vorgeworfen. Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker sagte in einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit der ARD: "Nestlé hat gerade im Bereich Kinderlebensmittel ein völlig unausgewogenes überzuckertes Sortiment." 

Rücker sagte weiter: "In einer solchen Situation erwarte ich von einer Ministerin, dass sie sich nicht gemein macht mit den Interessen der Unternehmen, dass sie nicht die Unternehmen bewirbt, sondern dass sie vor allem klar macht, dass sie die Aufgabe hat, dieses Problem zu lösen." Und wenn die Unternehmen nicht mitzögen gehe das dann eben auch nur gegen die Interessen der Unternehmen. Und das wird mir nicht deutlich. Da ist viel zu viel Nähe im Spiel." (dpa)

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