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Rassismus
01.08.2018

Übergriffe auf Ausländer häufen sich in Italien

Heizt er die Stimmung gegen Migranten so stark an, dass sie in Gewalt umschlägt? Innenminister Salvini in einem Flüchtlingslager.
Foto: Costantino, dpa (Archiv)

Eine dunkelhäutige Sportlerin wird angegriffen, ein Marokkaner stirbt nach einer Verfolgungsjagd. Wie der Rassismus in Italien eskaliert.

Zehn Monate lang war Daisy Osakue nicht in Italien. Die Diskuswerferin, die ab 9. August an der Leichtathletik-EM teilnehmen will, studiert Rechtswissenschaften in Texas. Seit ein paar Wochen ist sie zurück in Turin und bereitet sich auf den Wettbewerb vor. Doch nicht ihre sportlichen Ambitionen haben sie in die Schlagzeilen gebracht, sondern ein Vorfall nahe ihrer Wohnung bei Turin.

In der Dunkelheit fuhren zwei Jugendliche im Auto an der 22-Jährigen vorbei und warfen ihr ein rohes Ei ins Gesicht. Osakue trug eine Hornhautverletzung am linken Auge davon. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Übergriffen in den vergangenen Wochen. Die dunkelhäutige Leichtathletin erkennt Italien nicht wieder: „Nach meiner Rückkehr habe ich ein verändertes Land angetroffen. Es ist traurig, aber man spürt die Anspannung.“

Regierung fährt rigiden Kurs gegen Einwanderer

Die Zuspitzung der Atmosphäre in Italien gegenüber als andersartig wahrgenommenen Menschen fällt zeitlich zusammen mit der rigiden Ausländerpolitik der neuen Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega, die einen unerbittlichen Kurs gegen Einwanderer fährt.

Und das mit Rückendeckung der Wähler: 72 Prozent der Italiener äußerten sich in einer Umfrage positiv über die Politik von Innenminister Matteo Salvini, der eine Kampagne gegen die Flüchtlingshelfer im Mittelmeer fährt, aber auch eine Verschärfung eines sogenannten „Notwehr-Gesetzes“ gegen Einbrecher anstrebt und über die sozialen Netzwerke die Stimmung anheizt. „Diesmal war es ein Ei“, sagt Diskuswerferin Osakue über den Angriff auf sie, „das nächste Mal könnte es ein Stein, eine Flasche oder was weiß ich was sein“.

Ein Marokkaner wird verfolgt und verprügelt

Die Befürchtungen der für Italien startenden Sportlerin sind bereits eingetreten. Am Montag starb ein Marokkaner in Latina bei Rom. Anwohner hatten ein ihnen verdächtiges Auto gesehen und waren diesem gefolgt.

Bei der Verfolgungsjagd kam das Auto des Marokkaners von der Straße ab. Hady Z. geriet in die Hände seiner Verfolger, die ihn verprügelten. Ob sein Tod durch den Unfall oder die Schläge eintrat, soll eine Obduktion klären.

Der Tod des Marokkaners ist der bislang dramatischste Akt in einem Klima der Eskalation. Seit Anfang Juni wurden etwa ein Dutzend Gewaltakte vor allem gegen Afrikaner, aber auch gegen Sinti und Roma verübt.

Regierungschef Salvini weist Rassismusvorwürfe zurück

Längst beschäftigt die Eskalation die Politik. Nur wenige Regierungsmitglieder distanzieren sich von Innenminister Salvini. Staatspräsident Sergio Mattarella verglich Italien bereits mit einem gesetzlosen Land: „Der Rassismus setzt sich in den Brüchen der Gesellschaft fest.“

Innenminister Salvini hingegen bestärkt seine Sicht auf die Realität: „Die Italiener und die Regierung des Rassismus zu beschuldigen, ist verrückt. Ich erinnere daran, dass in Italien jeden Tag 700 Straftaten von Ausländern begangen werden, also beinahe ein Drittel aller Delikte. Das ist der wahre Notstand, gegen den ich als Minister kämpfe.“

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01.08.2018

Viele Menschen haben auch den Eindruck, dass sich Übergriffe durch Ausländer häufen...

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