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USA
18.07.2019

Demokratin Ilhan Omar ist Trumps Lieblingsgegnerin

Seit Trumps Tweet erhält Ilhan Omar eine zunehmende Zahl an Morddrohungen.
Foto: Carolyn Kaster/AP (dpa)

Wenn der US-Präsident gegen Einwanderer wütet, meint er Frauen wie die Abgeordnete Ilhan Omar. Die aber hat sich auch angreifbar gemacht.

Anfeindungen ist sie gewohnt. In der Schule wurde sie gehänselt und geschubst. Jemand klebte dem Flüchtlingskind einen Kaugummi auf das Kopftuch. „Die Leute machen das nicht, weil sie Dich nicht mögen“, habe ihr Vater damals gesagt, berichtete Ilhan Omar später: „Sie machen das, weil sie sich irgendwie bedroht fühlen.“

Inzwischen ist Ilhan Omar 37 Jahre alt, hat selbst drei Kinder, und sitzt als eine von zwei Musliminnen im amerikanischen Repräsentantenhaus, wo eigens die 181 Jahre alte Geschäftsordnung geändert wurde, um der aus Somalia stammenden Abgeordneten das Tragen einer Kopfbedeckung zu erlauben. Aber dazugehören tut sie nach Meinung von Donald Trump nicht: „Das sind Leute, die unser Land hassen.“

Trump wütet seit Tagen gegen dunkelhäutige Abgeordnete

Seit dem Wochenende hat der US-Präsident eine Dauerattacke gegen vier dunkelhäutige Parlamentarierinnen eröffnet, die nach seiner Darstellung mit ihren linken Positionen die amerikanischen Werte verraten. Die Frauen sollten „zurückgehen und helfen, die total kaputten und von Gewalt verseuchten Orte in Ordnung zu bringen, wo sie herkommen“, wütete Trump. Der Ausbruch kann formal nur Omar gelten, denn als einzige Abgeordnete ist sie nicht in den USA geboren. „Schickt sie zurück!“, ließ Trump die Menge bei einer Kundgebung skandieren.

Ilhan Omar wurde 1981 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu als jüngstes von acht Kindern geboren. Ihre Mutter starb, als sie zwei Jahre alt war. Der Vater, ein Lehrer, floh mit der Familie vor dem Bürgerkrieg zunächst nach Kenia und dann in die USA, wo er Asyl bekam. Mit 17 Jahren erhielt die Tochter die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie studierte Politik, heiratete, zog ins Landesparlament von Minnesota ein und schaffte im vorigen Herbst den Sprung in den US-Kongress. Seither sei sie, so schrieb die New York Times „die meist verklärte und meist diffamierte“ Newcomerin im Parlament.

Ilhan Omar setzt sich für Minderheiten in den USA ein

Dass sie sich für Minderheiten einsetzt und politisch progressive Positionen vertritt, verschafft ihr große Sympathien im linksliberalen Milieu. Allerdings vertritt sie vor allem in Bezug auf Israel auch interpretationsfähige Positionen. Das gilt zum Beispiel für ihre Unterstützung der umstrittenen Bewegung BDS, die Israel mit Boykotten wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren will. Während der Auswärtige Ausschuss des Repräsentantenhauses, dem Omar angehört, die Organisation verurteilen will, plant die Abgeordnete eine eigene Resolution zur Unterstützung der BDS. Viele Parteifreunde sind darüber verärgert. Auf Protest aus den eigenen Reihen war schon Omars Äußerung gestoßen, eine israelische Lobby-Organisation habe mehrere Abgeordnete gekauft.

Trump nutzt das gezielt aus. „Sie hasst Juden“, behauptet er. Die Zeiten, in denen sich Omar herumschubsen ließ, sind allerdings vorbei. Trumps Attacken kontert sie in gleicher Münze: „Das ist der schlechteste, korrupteste und unfähigste Präsident, den wir je hatten“

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