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Warum die Iren Ja zur Abtreibung sagen

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Kommentar Von Katrin Pribyl
27.05.2018

Die breite Zustimmung zur Liberalisierung des bisher rigorosen Verbots ist auch ein Triumph der Frauen über die alte Vormacht der Kirche.

Zwei Drittel der Iren haben „Ja“ gesagt. Das Abtreibungsverbot auf der Insel wird nun aus der Verfassung gestrichen. Es wird als längst überfälliger Schritt angesehen. Das Gesetz passte schon lange nicht mehr zu diesem liberalen, aufgeschlossenen und vielfältigen Land, das sich seit Jahren von der katholischen Kirche abwendet und Stück für Stück den Einfluss des Klerus auf Staat und Gesellschaft zurückdrängt. Erst vor drei Jahren stimmte – für viele Beobachter überraschend – die überwältigende Mehrheit der Iren in einem Volksentscheid für die Einführung der Homo-Ehe. Die Kirche lief Sturm. Skandale haben ihr die einstige Autorität genommen.

Die Menschen lassen sich in moralischen Fragen nicht länger von ihr belehren – nach all den Missbrauchsfällen von Priestern oder bestürzenden Enthüllungen über die Zustände in jenen Heimen, in denen unverheiratete schwangere Mädchen eingesperrt und ausgebeutet wurden. Über Jahrhunderte herrschte auf der grünen Insel ein von der Kirche gesteuertes Unterdrückungssystem, das vor allem auf Frauen abzielte. Nun endlich triumphieren sie nach diesem Votum, sie haben die Kontrolle über ihren Körper zurückgewonnen, das Recht auf Selbstbestimmung. Und werden künftig auch vom Staat als vollständig mündige Bürger betrachtet.

Den Frauen wurde jegliche Hilfe verweigert

Bei diesem Referendum ging es nicht darum, ob jemand Abtreibungen befürwortet oder ablehnt, sondern den Frauen die Wahl zu lassen – und nicht länger ein Problem auszulagern. Hunderttausende Irinnen reisten in den vergangenen Jahren vor allem nach England, oft voller Scham, einsam und traurig, um ihre Schwangerschaft zu beenden. Was auch immer die Beweggründe waren – ob nach einer Vergewaltigung, ob in einer heiklen Lebenssituation oder wegen medizinischer Gründe –, alle kehrten als andere Menschen zurück in ihre Heimat, die ihnen selbst bei Problemschwangerschaften jegliche Hilfe verweigerte.

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Während über Jahrzehnte hinweg – der abgeschaffte Artikelzusatz wurde erst 1983 eingeführt – Frauen meistens in aller Stille litten, ermutigte diese Volksabstimmung nun Tausende dazu, ihre persönlichen Schicksale zu erzählen, ein Tabu zu brechen. Gleichzeitig mobilisierten sie die Menschen, diesen unsäglichen Verfassungszusatz zu kippen. Dass etliche Iren aus der ganzen Welt in ihre Heimat flogen, um ihr Kreuz zu setzen, zeigt die Dimension des historischen Votums.

Und was ist mit Nordirland?

In der Republik wird nun gefeiert, während auf der anderen Seite der Grenze in Nordirland das strikte Abtreibungsverbot weiterhin besteht. Als 1967 in England, Wales und Schottland Schwangerschaftsabbrüche legalisiert wurden, ignorierte die Regionalregierung in dem nördlichen Landesteil schlichtweg das Gesetz. Am Wochenende meldeten sich erste Abgeordnete zu Wort und forderten eine Anpassung an die irische Reform.

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