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Bobingen

11.01.2019

Alarm wegen Wasservögeln auf dem Eis

Auch dieser Schwan auf dem zugefrorenen Ilsesee bei Königsbrunn steckt nur scheinbar fest.

Feuerwehr-Chef und Bund Naturschutz beruhigen: Riskanter Einsatz durch Retter ist unnötig. Straßberger stoppen Aktion auf Fischweiher.

In den vergangenen Jahren registrierten Freiwillige Feuerwehren immer wieder Notrufe, die bei kaltem Wetter festgefrorene Wasservögel auf Eisflächen meldeten. Betroffen waren unter anderem Freiwillige Feuerwehren in Bobingen und Umgebung, zuletzt in Straßberg. Bei deren Hauptversammlung berichtete Kommandant Josef Zobel von einem Notruf betreffend „eingefrorener Schwäne“ auf dem Schlossweiher in Burgwalden. Es war bereits der zweite Einsatz dieser Art. Nie aber waren die Tiere tatsächlich festgefroren. Darum meidet Zobel künftig das Risiko für seine Kameraden.

Der Rettungseinsatz stresst auch Tiere unnötig

Die Feuerwehrkameraden, die zur „Eisrettung“ ausrücken und sich zum Teil auf  brüchigem  Eis mit Leitern und kriechend fortbewegen, riskieren Leben und Gesundheit. Eiseinbrüche, Unterkühlung, Erfrierungen stehen hier im schlimmsten Fall im Raum. Josef Zobel meint: „Es ist ein verhältnismäßig hohes Risiko, in das ein Kommandant seine Männer bringen müsste. Ich werde das nicht riskieren, deshalb versuchen wir stets, die Tiere anders, beispielsweise mit langen Stecken zu erreichen.“

Und bisher stellte Zobel immer fest, dass Enten und Schwäne keineswegs auf dem Eis festgefroren waren, sondern nur eine Ruhepause machten. „Wenn wir dann kommen und die Tiere aufschrecken, ist das für diese wieder Stress, der zu hohem Energieverbrauch führt“, weiß Zobel. „Und gerade im kalten Winter brauchen unsere Tiere ihre Energiereserven für sich selbst.“

Wärmetauscher helfen Enten und Schwänen

Grund genug, nachzufragen: Können heimische Enten und Schwäne überhaupt auf Eis festfrieren? Nein, sagt ganz deutlich der Naturschutzbund, der auf seiner Internetseite auf solche Sachverhalte hinweist. Vögel seien zwar „barfuß“ unterwegs, aber an Winterwetter bestens angepasst. Wie das geht, kann der Tierfreund dort auch nachlesen: „Dafür, dass sie an den federlosen Füßen nicht auskühlen, sorgt das sogenannte Wundernetz, das nach dem Prinzip des Wärmetauschers funktioniert. Feine Blutgefäße liegen in den Vogelbeinen sehr dicht beieinander. Das arterielle Blut strömt darin vom knapp 40 Grad warmen Körper Richtung Füße. Dabei fließt es sehr nahe an den Venen vorbei, die das abgekühlte Blut aus den Füßen wieder zum Körper zurücktransportieren. Im Wundernetz erwärmt das warme Blut das kalte in den Beinen.“

Die Ente kühle selbst dann nicht aus, wenn sie stundenlang auf dem Eis herumwatschele. Dabei sind die Füße gut durchblutet - allerdings mit relativ kaltem Blut - weshalb kaum Wärme verloren geht und auch das Eis unter den Füßen der Enten nicht wegschmilzt, sagt der Bund Naturschutz. Ein gesundes Tier, egal ob Ente oder Schwan, könne also gar nicht festfrieren. Auch wenn es aufmerksamen Spaziergängern vielleicht so scheint, weil sich die Tiere auf der Eisfläche scheinbar nicht bewegen. Ein Vogelkörper sei hervorragend auf Kälte eingestellt, sagt der Naturschutzbund. Die Tiere sparen durch die Bewegungslosigkeit nur Energie. Oder sind bereits verendet. Auch das komme vor, gehört aber zum Kreislauf der Natur.

Kreisbrandrat stimmt zu

Trotzdem kommt es immer wieder zu besorgten Anrufen bei der Feuerwehr. Das weiß auch Kreisbrandrat Alfred Zinsmeister. „Einsatzzahlen haben wir dazu zwar keine ausgewiesen, aber so etwas kommt jeden Winter vor“, weiß er. „Im Normalfall erleben es die Feuerwehren dann, dass sich die Tiere davon machen, sobald sich die Kameraden ihnen nähern.“ Trotzdem binde so ein Einsatz Personal und bedeute ein unverhältnismäßig hohes Risiko für die Einsatzkräfte - welche im Ernstfall woanders dringend gebraucht werden könnten.

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