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Königsbrunn

02.12.2019

Als BMW noch Kochtöpfe herstellte

Am Ende eines interessanten Abends (von links): Stadtarchivarin Susanne Lorenz, Kulturbüroleiterin Ursula Off-Melcher und Fred Jakobs (Leiter des BMW Group Archivs).
Bild: Claudia Deeney

Es gibt Menschen, die Kochtöpfe von BMW daheim haben. Tatsächlich: Die Bayerischen Motoren Werke haben in ihrer über 100-jährigen Firmengeschichte viel mehr entwickelt. Das alles war Thema beim Archiv-Herbst in Königsbrunn.

Fred Jakobs, der Leiter des „BMW Group Archivs“ sprach beim achten Königsbrunner Archiv-Herbst über die BMW-Geschichte.

Bevor er seinen Vortrag den zahlreichen Zuschauern präsentierte, griff Musiker Giampiero Lucchini zum Saxo- sowie Mikrofon, um einen ganz besonderen Wunsch des Archivleiters nachzukommen. Dieser hatte im Vorfeld die Noten eines alten BMW-Marsches an Lucchini geschickt, mit der Bitte, das Lied neu zu interpretieren. Denn der Marsch war einst als Postkartenschallplatte und somit aus Pappe gefertigt worden und ist leider nicht mehr abspielbar.

So erlebte das Publikum im Infopavillion „955“ eine ganz besondere Premiere und Fred Jakobs bedankte sich sehr bei dem Musiker: „Sie haben einen Fan mehr.“ Und er warnte seine Zuhörer gleich vor, dass er die angegebene Zeit sehr wahrscheinlich nicht einhalten werde, es gäbe einfach zu viel zu erzählen.

Als BMW noch Kochtöpfe herstellte

Jakobs kennt sich nicht nur aus in der komplizierten Gründergeschichte von BMW, die ihren Anfang 1916 nahm, sondern er identifiziert sich auch mit dem Unternehmen. Oftmals sprach er in der Wir-Form, was dem Vortrag eine persönliche und lebendige Note gab.

Was viele Menschen heute meist nicht mehr wissen, ist, dass BMW ursprünglich mit Flugzeugmotorenbau anfing und Gustav Otto, als begeisterter Flieger aber sehr schlechter Geschäftsmann und als Eigentümer eines Motorenwerkes von einem Konsortium ausbezahlt wurde und daraus die Bayerischen Flugzeugwerke entstanden. Von Anfang an ein Start mit Hindernissen, weil es immer wieder Umstrukturierungen sowie neue Geldgeber gab. Die „kleine Klitsche“ aus Bayern geriet auf ihrem Weg zum Global Player immer wieder an den Rand des Ruins. Und wurde auch zum Hersteller von Motorrädern und Autos, wobei die Flugzeugmotoren in Zeiten der beiden Kriege immer Bestandteil der Entwicklungen und Produktionen waren. Jakobs führte sein Publikum geschickt durch vergangene Zeiten und hatte neben den durchaus verwickelten Zusammenhängen – samt wechselnder Firmenformen und Chefs – auch die dunkle Zeit des Unternehmens im Gepäck. Während des Zweiten Weltkriegs waren bei BMW bis zu zwei Drittel Zwangsarbeiter in der Belegschaft. Später stellte sich das Unternehmen der Verantwortung, und arbeitete die Vergangenheit auf.

Nach dem Krieg wurde dann, wegen des Verbots, im Westen Deutschlands weiterhin Motoren herzustellen, unter anderem auf Kochtöpfe umdisponiert. Und das sei ebenfalls typisch für BMW in seiner langjährigen Geschichte, meinte Jakobs. Denn egal was kommt und egal wie schlecht die Geschäfte gehen, in diesen Fällen habe die Firma neue Wege ausgelotet und auch improvisiert. Mal seien Motorräder ein beliebter fahrbarer Untersatz gewesen, dann wieder gar nicht. Mal seien diverse Fahrzeugmodelle ein Schlager gewesen und wurden beispielsweise von Elvis Presley gefahren, dann wieder floppten verschiedene Baureihen und fielen komplett durch.

Am Ende eines langen interessanten Abends, bedankten sich nicht nur Ursula Off-Melcher vom Kulturbüro und Stadtarchivarin Susanne Lorenz bei Fred Jakobs, sondern auch die Zuhörer mit viel Applaus.

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