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Burgwalden

02.08.2020

Das Anhauser Tal soll zum Paradies für Schlangen und Echsen werden

Neben Kreuzottern, Ringelnattern, Kröten und Fröschen haben auch Waldeidechsen im Anhauser Tal ein Domizil.
Bild: Günter Hansbauer

Plus Der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder unterstützt im Anhauser Tal Projekte zum Erhalt seltener Tierarten. Dafür sind bereits viele Vorhaben am laufen.

Das Anhauser Tal ist bekannt für weitläufige Wiesen, luftige Wälder, für Weite und Ruhe, aber auch seine zahlreichen Quellaustritte und landschaftsprägenden Fischweiher. Nicht so geläufig ist, dass das Gebiet Reptilien und Amphibien einen besonderen Lebensraum bietet. Um ihn zu erhalten, setzt sich der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder jetzt ein.

Gebietsbetreuerin des Naturpark-Vereins ist Annika Sezi.
Bild: Sezi

„Wir helfen den Tieren durch eine Mahd der Schilf- und Uferbereiche“, berichtet Annika Sezi. Sie ist die Gebietsbetreuerin des Naturparkvereins. Sie zeigt auf eine frei- geschnittene Fläche an einem angrenzenden Gewässer. „Wir legen Mähguthäufen an. Sie dienen als Versteckmöglichkeiten und für die Häutung der Reptilien.“ Die schuppige Haut wächst nicht mit, sodass die Tiere sie beim Wachstum abstreifen. Darüber hinaus müssen die Versteckmöglichkeiten nah genug an sonnigen Bereichen sein, damit sich die Tiere erwärmen können.

Natur im Anhauser Tal: Reptilien brauchen Bereiche zum Überwintern

Die Mahd soll mindestens jährlich wiederholt werden. Nur so können die Flächen von starkem Bewuchs freigehalten werden, erklärt Annika Sezi. „Wachsen alle Bereiche zu, sind keine Kleinstrukturen mehr für die Arten vorhanden.“ Wichtig seien außerdem Bereiche, wo die Tiere überwintern können.

Möglich sind diese Unterstützungsprojekte nur, weil auch die Eigentümer der Flächen mit an einem Strang ziehen. In diesem Fall ist es Fürst Fugger-Babenhausen. Mit im Boot sind das Landesamt für Umwelt sowie die Untere und Höhere Naturschutzbehörde. Sie sind bei der fachlichen Betreuung tätig und unterstützen mit Fördergeldern. Die Gebietsbetreuerin erklärt: „Da alle Schlangen in Bayern unter Naturschutz stehen, können Maßnahmen zu deren Artenerhalt und ihres Lebensraumes staatlich gefördert werden.“

Das Anhauser Tal soll zum Paradies für Schlangen und Echsen werden
9 Bilder
Diese Tiere sterben in Bayern aus - und diese kehren zurück
Bild: Uwe Anspach, dpa/Bernd Thissen

Der Lebensraum ist im Anhauser Tal aus mehreren Gründen besonders: „Hier besteht ein feuchtes und zugleich kühles Ökosystem mit Zugang zu Wasserbereichen, aber auch sonnige Bereiche, die sich schnell erwärmen“, sagt Sezi. Diese Konstellation kommt Amphibien wie Fröschen, Kröten, Unken und Molchen zugute. „Sie sind nur eingeschränkt mobil und bewegen sich meist nicht über weite Strecken“, erklärt Sezi. „Sie bevorzugen ein Domizil, das im überschaubaren Bereich neben einem geeigneten Landlebensraum auch Laichgewässer und Überwinterungsmöglichkeiten bietet.“

Reptilien sind auch im Landkreis Augsburg gefährdet

Auch Reptilien haben sich dort niedergelassen. Die Gebietsbetreuerin verweist auf Kreuzottern, Blindschleichen, Ringelnattern und diverse Eidechsenarten. Für sie weist das Anhauser Tal wie beispielsweise bei Burgwalden ideale Bedingungen auf. Wichtig sei es deshalb, diese Reptilien und Amphibien zu erhalten, betont Annika Sezi – auch im Wissen, dass deren Bestände in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur weltweit drastisch zurückgegangen, sondern mittlerweile auch im Freistaat gefährdet seien.

Um den Lebensraum der Reptilien und Amphibien im Anhauser Tal zu erhalten, wurden Flächen mit Ausrichtung nach Süden freigeschnitten - als Sonnenplatz für die Tiere.
Bild: Sezi

Jüngst wurde im Bobinger Ortsteil Burgwalden auch eine Schildkröte gefunden. Emys orbicularis, so der lateinsche Name der europäischen Sumpfschildkröte, ist allerdings nicht heimisch. Das beweist nach Auskunft des Landratsamts eine DNA-Untersuchung, die eigens gemacht wurde. Für das Tier bedeutet das: Es darf nicht mehr in die Freiheit und lebt künftig in einer Reptilienauffangstation in München. Das Tier war vor einigen Wochen in Burgwalden gefunden und dann in die Tierklinik nach Gessertshausen gebracht worden. Daraufhin schaltete sich die Naturschutzbehörde ein. Nach der Expertise des Landesamts für Umwelt muss es sich um ein entflohenes oder ausgesetztes Tier handeln.

In unserer Region gelten diese Tiere laut Landesamt als kaum überlebensfähig und dürfen von Findern trotz des Fang- und Besitzverbotes aufgenommen und dann an eine für Naturschutz oder Landschaftspflege zuständige Behörde übergeben werden. Weitere nachgewiesene Funde gab es in Gersthofen und Augsburg. Die Schildkröte aus Burgwalden scheint übrigens kein Einzelexemplar gewesen zu sein: Bewohner von Burgwalden haben die Reptilien schön öfters gesehen – ein Exemplar wurde auf der Straße überfahren und dann gefunden.

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