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Schwabmünchen

24.01.2019

Das steckt hinter dem Erfolg des Pfänder-Hofs

Der Pfänderhof ist für sein Betriebskonzept in Berlin auf der grünen Woche ausgezeichnet worden. Die Pfänders gewannen den Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau. Die Auszeichnung überreichte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Berlin.
Bild: Carmen Janzen

Plus Der Pfänder-Hof erhält den Bundespreis für Ökologischen Landbau. Wie Hans Pfänder vom Viehalter zum Vegetarier wurde und warum er großes Glück hatte.

Der Schwabmünchner Landwirt Hans Pfänder lebte lange Zeit frei nach Loriot: Ein Leben ohne Kuh ist möglich, aber sinnlos. So hat er es von seinen Eltern gelernt, so hat er den Hof 1983 übernommen. Konventioneller Ackerbau und Tierhaltung waren für einen Bauern damals das Normalste der Welt. „Es war für mich wirklich lange Zeit unvorstellbar, ein Leben ohne Kühe auf dem Hof zu führen. Ich war ein Viehmensch durch und durch“, sagt er bei unserem Besuch auf dem Hof.

Heute sieht man auf seinem Anwesen in der Krumbacher Straße kein einziges Nutztier mehr. Stattdessen stapeln sich grüne Kunststoffkisten mit Biogemüse bis unters Dach der neuen Lagerhalle. Auf dem Kompostplatz liegt kein Misthaufen aus Tierexkrementen, sondern alte Kohlblätter und Karotten, die später dem Boden wieder Nährstoffe zuführen.

Bis 1998 gab es noch Kühe auf dem Pfänder-Hof

Der Pfänder-Hof hat im Laufe der Jahre einen Wandel hingelegt, der seinesgleichen sucht. Der Weg führte von der konventionellen Landwirtschaft mit Viehhaltung hin zum Biohof mit ausschließlich ökologischem Gemüseanbau. Hans Pfänder hielt noch bis 1998 Kühe, stieg aber bereits lange vorher in den biologischen Landbau ein, weil er seine Kühe gesund ernähren wollte. Vor 20 Jahren wurde er schließlich vom Viehhalter zum Vegetarier. Damals modelte er den Hof komplett um, nachdem seine Tochter aufgehört hatte, Fleisch zu essen. „Das hat mich nachdenklich gemacht. Und auch das Schlachten ist mir immer schwerer gefallen. Vor allem bei den Kälbern. Ich wollte ja gut mit meinen Tieren umgehen.“

Er traf eine unglaublich mutige Entscheidung: Auf dem Pfänderhof wird nur noch Biogemüse angebaut, Tiere werden keine mehr gehalten und essen wollte er sie auch nicht mehr. Einfach war dieser Weg nicht: „Damals wurde viel über mich geredet. Einige Landwirte haben den Hof belächelt, andere sind mir aus dem Weg gegangen. Aber es ist gut gegangen und ich habe es nie bereut.“

Die Söhne Johannes und Florian Pfänder führen den Hof seit einigen Jahren

Der Pfänder-Hof ist kontinuierlich gewachsen, steht mittlerweile auf einem soliden Fundament, ist dick im Geschäft. Der rustikale Hofladen mit den grünen Fensterläden lässt zwar zunächst noch den Eindruck einer kleinen Biobauernhofidylle aufkommen, die Betriebsamkeit in der großen Industriehalle dahinter hat damit aber nichts mehr zu tun. „Wir sind mittlerweile ein großer Betrieb geworden“, räumt Hans Pfänder ein, der seinen Söhnen Johannes (33) und Florian (30) den Hof im Jahr 2015 übergeben hat. Sie führen sein Lebenswerk fort. Der Generationswechsel lief problemlos. „Ich habe das große Glück, dass die Jungen das jetzt weitermachen. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich in der Landwirtschaft“, sagt Hans Pfänder.

Den Hof zu übernehmen, war zunächst tatsächlich keine Selbstverständlichkeit für die Söhne. Florian konnte sich als Jugendlicher gut vorstellen Landmaschinen-Mechaniker zu werden. Nach einem Praktikum war ihm aber schnell klar, dass das nichts für ihn ist: „Ich könnte mir nicht vorstellen, den ganzen Tag in einer Werkstatt zu stehen und nicht draußen zu sein“, sagt er. Johannes hat nach seiner Schulzeit ebenfalls mal einen beruflichen Abstecher gemacht – in eine Gärtnerei. Aber er sitzt doch viel lieber auf dem Traktor. Das erzählen die beiden Brüder, während sie im Büro vor zwei Computern sitzen – nicht draußen sind und auch nicht auf einem Traktor sitzen. „So ein Betrieb bringt auch viel Bürokratie mit sich. Das ist nicht gerade unsere Lieblingsbeschäftigung, aber es muss sein“, sagt Florian, Johannes nickt zustimmend. Beide sind übrigens wie alle fünf Kinder von Hans Pfänder Vegetarier. Die Enkelkinder ebenfalls.

1000 Tonnen Biogemüse auf 56 Hektar

Die Pfänders erzeugen und vermarkten rund 1000 Tonnen Biogemüse jedes Jahr, bewirtschaften etwa 56 Hektar Land, beschäftigen neben einigen Familienangehörigen 13 Festangestellte, sechs Teilzeitkräfte für den Verkauf, zwei Lehrlinge und bis zu acht Saisonarbeiter. Verkauft wird das Gemüse im eigenen Hofladen, auf Wochenmärkten, Naturkostläden, Biomärkten, Kantinen und an regionale Großhändler.

Mit ihrem Hof haben sich die Pfänders für den Bundeswettbewerb für Ökologischen Landbau beworben – zusammen mit etwa 60 weiteren Betrieben aus Deutschland. Nur drei erhalten jedes Jahr eine Auszeichnung. Im Sommer wurde der Pfänder-Hof dann von einer elfköpfigen Fachjury besichtigt. Besonders überzeugt waren sie von der Kleegraskompostierung, mit dem das Biogemüse gedüngt wird, vom Familienzusammenhalt, von der regionalen Vermarktung und der großen Lager- und Aufbereitungshalle. „Wir haben uns zum ersten Mal dort beworben und gleich gewonnen“, erzählt Florian Pfänder, der zusammen mit Bruder Johannes und Vater Hans am Mittwoch nach Berlin gereist ist, um die Ehrung entgegen zu nehmen. Gestern wurden sie nun von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf der Grünen Woche ausgezeichnet. Der Bundespreis für Ökologischen Landbau ist mit 7500 Euro dotiert. Die werden auch direkt wieder investiert: in eine Unterkunft für die Saisonarbeiter.

Johannes Pfänder: Toller Lohn für die Familie und die Mitarbeiter

„Wir freuen uns über den Preis. Das ist ein toller Lohn für unsere Familie und für unsere Mitarbeiter. Denn sie alle haben mit ihren Ideen, ihrem Elan und ihrem großen Einsatz dazu beigetragen, den Pfänder-Hof zu einem erfolgreichen Biobetrieb zu machen, auf dem man gerne lebt und arbeitet“, sagte Johannes Pfänder in seiner Ansprache in Berlin.

Der Bundespreis für Ökologischen Landbau wird seit 2001 durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin an besonders erfolgreiche Biolandwirte verliehen. Die Auszeichnung ist zu einer Art Gütesiegel geworden, das nicht nur den prämierten Betrieben eine besondere Aufmerksamkeit beschert, sondern dem ökologischen Landbau insgesamt. Bio mit Sternchen eben.

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