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Schwabmühlhausen

13.11.2017

Der Hahn legt keine Eier

Das prämierte Huhn von Hannah Heckmann-Staroste legte während der Geflügelschau auch noch ein Ei. 
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Das prämierte Huhn von Hannah Heckmann-Staroste legte während der Geflügelschau auch noch ein Ei. 
Bild: Uwe Bolten

Besucher der Kreisgeflügelschau fragen nach Hühnern für den Privatgarten und nach der Qualität der Eier. Züchter wenden sich von altem Leistungswahn ab und schwärmen von alten Rassen

Ein lautes Konzert stolzer Hähne erfüllt die Halle. Sie sind in einem neuen Revier aufgewacht und die Eröffnungsrede zur 51. Kreisgeflügelschau von Vize-Landrätin Anni Fries geht nun in ihrem Imponiergehabe fast unter. Schon am Morgen des ersten Tages sind gut hundert Besucher in die über 800 Quadratmeter große Halle der Zimmerei Rogg nach Schwabmühlhausen gekommen. „So einen Andrang direkt bei der Eröffnung haben wir noch nie gehabt“, sagt Matthäus Bauernfeind, der Vorsitzende der Kleintierfreunde Schwabmünchen. Und im Laufe des Wochenendes sollten es immer mehr werden. Sie sehen gut 600 Hühner, Zwerghühner, Tauben, Enten und Gänse in Käfigen, die in langen Reihen doppelstöckig aufgebaut sind. Seitlich in der Halle präsentieren sich dazu Kaninchen für die vereinsinterne Zuchtprämierung.

Auch Laien haben hier Fragen

Auch Laien kommen hierher. Sie haben Fragen zu Eierqualität und Käfighaltung. Und kann man sich ein, zwei Hühner für den Hausgebrauch selbst halten? Die Züchter haben dazu klare Vorstellungen, so wie Verbraucher auch. Denn hier bei der Kreisgeflügelschau geht es um vielerlei Ansprüche an Qualität.

Der Trend der privaten Geflügelzüchter gehe eindeutig weg vom zuchtoptimierten Legehuhn zur Erhaltung der Rassehühner, sagt Karl Hudler, kommissarischer Vorsitzender der Rassegeflügelzüchter im Bezirk Schwaben. Strenge Richtlinien hätten einem teilweisen Hochzuchtwahn der früheren Jahre Einhalt geboten: „Wir Züchter spielen mit Neuzüchtungen nicht mehr Gott, der Erhalt des Rassehuhns steht im Vordergrund.“

Die Idee der Veranstalter, gleichzeitig Kaninchen auszustellen und im Streichelzoo für die Kinder bereitzustellen, findet er „Klasse“. Somit werde die Schau ein Familienerlebnis.

Hennen wollen Licht

Die kleinen Besucher sind gleich begeistert vom Gedanken an ein paar Hühner im Garten daheim. Doch sie lernen: Der Hahn legt keine Eier und Hennen brauchen viel Licht. „Was muss ich tun, wenn ich selber Hühner halten möchte? Sind sie nur ein Hobby zum Betrachten, oder habe ich auch einen Ertrag an Eiern?“, fragt ein Schwabmünchner. Ausstellungsleiter Matthäus Bauernfeind gibt eine komplexe Auskunft: „Für eine vierköpfige Familie wären drei Hühner angebracht. Während die für die Eierproduktion gezüchteten sogenannten Hybridhühner mehr als 300 Eier pro Jahr legen, ist bei den Rassehühnern mit 180 Eiern zu rechnen. Der Stall sollte mit mindestens einem Quadratmeter pro Huhn gestaltet sein“, empfiehlt er. Dabei sei zu beachten, dass gerade im Winter den Tieren nur die Stallfläche zur Verfügung stehe und dass sie gut 14 Stunden Licht zum Eierlegen bräuchten.

Ebenso sei die Hühnerhaltung beim zuständigen Landwirtschaftsamt meldepflichtig, Impfungen gehörten auch dazu. „Wer meint, sich einfach Hühner zu besorgen und diese zu halten, begeht einen großen Irrtum. Das Thema ist komplexer, als es scheint“, mahnt Bauernfeind und empfiehlt dringend, sich vor der Anschaffung mit den örtlichen Kleintierzuchtvereinen in Verbindung zu setzen. Aufgrund der Skandale um die Hühnereier verzeichnen diese einen deutlichen Zuwachs an Nachfragen, berichtet der Vorsitzende der Kleintierfreunde Schwabmünchen.

Kein Tier für den Kochtopf

Hannah Heckmann-Staroste aus Landsberg ist mit ihren 19 Jahren eine erfolgreiche Züchterin. „Ich habe mich in das Augsburger Huhn verliebt“, sagt die Landsbergerin, die schon 2014 bayerische Landesjugendmeisterin wurde. Angefangen habe ihr Interesse für das Geflügel durch ein Projekt in der Schulzeit. Heute stellt sie wiederholt erfolgreich ihre Züchtung bei den Erwachsenen aus. „Jedes Tier ist unterschiedlich, die Beobachtung der Entwicklung der Tiere erfüllt mich. Natürlich ist auch von Vorteil, dass wir daheim Eier haben, von denen wir wissen, woher sie kommen“, erzählt sie mit sichtlicher Freude. Dabei kämen der Rassereinheit mit Stammbaum, der Robustheit, dem Gewicht und der Legeleistung ihr Hauptaugenmerk zu. „Bei mir sterben die Hühner an Altersschwäche und nicht für den Kochtopf“, stellt sie für sich fest. Einer ihrer glücklichen Hennen tat das Rampenlicht der Ausstellung besonders gut: Sie legte vor den Juroren gleich ein Ei.

Erwin Griechbaum ist einer der neun Preisrichter, die heute für die Bewertung des Zuchterfolges die Punkte vergeben. Sein Fachgebiet sind die Perücken- und Pfautauben. Seit 1975 bewertet er diese, für einen Laien mit der bekannten Stadttaube kaum noch vergleichbaren Rassen. „Dem guten Züchter ist daran gelegen, die originären Rassemerkmale deutlich hervorzuheben“, erläutert Griechbaum. Dies könne man kaum aus Büchern lernen. „Die Erfahrung und der Austausch mit anderen Züchtern ist hier entscheidend“, sagt er und betrachtet genau den Federansatz des Schwanzgefieders eines Taubers, wie die männlichen Tiere genannt werden.

Karl Hudler blättert später aufmerksam im frisch gedruckten Ausstellungskatalog, der bereits die Ergebnisse der Juroren enthält. „Die Schau ist einfach nur toll. Die Bandbreite der Tierrassen und die hohe Besucherzahl schon am Samstag sind bemerkenswert“, freut sich Hudler mit den Veranstaltern. Die Kleintierzüchter hätten am Wochenende mit ihrer Arbeit große Beachtung gefunden. 

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