Newsticker
Bayern: Verwaltungsgerichtshof kippt 15-Kilometer-Regel
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Diese Künstlerin hat ihr Atelier im Schloss Guggenberg

Schwabmünchen

23.07.2020

Diese Künstlerin hat ihr Atelier im Schloss Guggenberg

Alexandra Vassilikian mit ihrer neuesten Arbeit – einer Installation aus Wildschweingemälde, Fotogramm und Ästen.
Bild: Ingeborg Anderson

Plus Alexandra Vassilikian malt und zeichnet auf Schloss Guggenberg und lässt sich von ihrer Umgebung inspirieren.

Weithin sichtbar ragt das weiße Gebäude des Schlossgutes aus dem Grün der Bäume auf dem Kamm des Guggenberges auf. Wohl die wenigsten wissen, dass hier neben Land- und Forstwirtschaft auch Kunst betrieben wird.

Es ist Alexandra Vassilikian, die hier ihr Atelier hat. „Für mich ist es der ideale Ort. Ich habe viel Platz und in meiner unmittelbaren Umgebung, in der Natur, finde ich das, was mich zu meinen Arbeiten anregt“, sagt die Künstlerin mit charmantem französischen Akzent. Den hat die Armenierin, weil sie lange Jahre in Paris lebte und dort noch immer ein Atelier unterhält.

Knochen, Wurzeln und Flügel liegen auf der Fensterbank

Auch wenn das, was ihre Bilder zeigen, die Natur nicht 1:1 wiedergibt – die Natur ist die unerschöpfliche Inspirationsquelle, aus der die Malerin, Zeichnerin und Fotografin schöpft. Das ist nicht zu übersehen, wenn man ihr Atelier im ersten Stock des nördlichen Torflügels betritt: Fundstücke wie Schneckenhäuser, knorrige Wurzeln, Knochen von Wildtieren, ein Vogelnest und der aufgefächerte Flügel eines Bussards liegen auf den Fensterbänken. Besonders geformte Äste und trockenes Laub liegen neben Malmaterial auf der großen Arbeitsfläche.

In diesem Gebäudetrakt des Schlossgutes hat Vassilikian nicht nur ein Atelier im ersten Stock, sondern direkt darunter auch eine Inspirationsquelle.
Bild: Ingeborg Anderson

Und auf dem Boden vor der großen Malwand kann man sehen, wie Alexandra Vassilikian ihre Funde künstlerisch einsetzt: Als Fotogramme auf langen Bahnen des Fotopapiers, die sie nicht nur experimentell entwickelt, sondern noch mit Farbe und Asche nachbearbeitet.

Alexandra Vassilikian nennt es selbst ihre "fröhliche Düsternis"

Dass aus dem Vergehenden stets Neues erwächst, ist ihr künstlerisches Thema. Dabei legt sie einen besonderen Tenor zugrunde. Es sind die Schichten, die sich über das Vergangene gelegt haben, die sie untersucht und quasi aufreißt. Was sie darstellt, sind die darin verborgenen Schrecken und Geheimnisse, aber auch das Glück der Vergangenheit, die sie in sich bergen. Deutlich wird dieses Konzept bei ihrer Werkgruppe „Schlachtfelder“. „Die Felder waren gerade umgepflügt worden, und beim Anblick der aufgerissenen Erde empfand ich das Zerstörerische, Gewaltsame einer Schlacht“, erinnert sie sich. Das war am Schauplatz Lechfeldschlacht zwischen Mittelstetten und Schwabmünchen. Bilder aus dieser Serie waren unter anderem in der Moritzkirche in Augsburg zu sehen.

Ihr Stil dabei ist nicht gegenständlich-explizit, sondern abstrahierend und in einer Malweise, die kraftvoll und delikat zugleich ist, was den Arbeiten zusätzliche Spannung verleiht. Schwarz und Grau mit sparsamen roten Akzenten ist ihre bevorzugte Farbpalette. Sie selbst nennt das ihre „fröhliche Düsternis“.

Das antike Schreibpult, das nun Computerarbeitsplatz ist, stammt aus dem Fundus des Schlosses Guggenberg.
Bild: Ingeborg Anderson

Ein altertümliches Schreibpult als Computerarbeitsplatz

Durch die enge Verbindung ihrer Arbeitsweise mit der Natur kam es auch, dass die Künstlerin heute in diesem besonderen Atelier arbeiten kann: „In der Nähe meiner Wohnung in Klimmach hatte der Sturm eine Fichte entwurzelt. Der Stamm wurde abtransportiert, und ich fotografierte und beobachtete die Wurzel, bis sie fast völlig verschwunden war. Das resultierte in einer Ausstellung im Schwabmünchner Museum. Dadurch entstand auch der Kontakt zur Familie von Neubronner, denen das Waldstück gehört. Sie boten mir an, diesen Raum als Atelier zu nutzen“, erklärt sie.

Was den Charme dieses Ateliers darüber hinaus ausmacht, sind auch einige der Möbel. Sie stammen aus dem Fundus des Schlossgutes – wie etwa das altertümliche Schreibpult, das Alexandra Vassilikian jetzt als Computer-Arbeitsplatz nutzt.

Gerade arbeitet sie außerdem an einem großformatigen Bild, das hinter der Fotogramm-Bahn an der Malwand befestigt ist. Es stellt ein erlegtes Wildschwein dar. Auch dieses nicht alltägliche Motiv findet die Künstlerin in unmittelbarer Nähe. „Direkt unter meinem Atelier ist ein Kühlraum, in dem die gejagten Wildschweine aufgehängt werden“, sagt sie.

Vassilikian besuchte die Kunstakademie in Bukarest

Die 1946 in Bukarest geborene Künstlerin besuchte dort die Kunstakademie und konnte nach Abschluss ihres Studiums dank eines Stipendiums nach Portugal ausreisen, wo sie einige Jahre erfolgreich war, bevor sie in Paris neue Herausforderungen suchte. Sie weilte als Invited Artist des British Council in London, war Preisträgerin der Grafik-Biennalen in Fredrickstad und Baugé.

Von Malutensilien und Fundstücken ist Alexandra Vassilikian an ihrem großen Arbeitstisch umgeben.
Bild: Ingeborg Anderson

Sie hatte zahlreiche Ausstellungen in ganz Europa, USA und Kanada und ist seit 2007 auch in der Region künstlerisch präsent – etwa bei der Großen Schwäbischen oder zuletzt in Oberschönenfeld. Vassilikian erhielt den Kunstpreis der Städte Schwabmünchen und Hollfeld sowie im Vorjahr den Ecke-Kunstpreis.

Die Abgeschiedenheit ihres Ateliers sieht Alexandra Vassilikian eher als Vorteil, denn so kann sie konzentriert und intensiv arbeiten und sich von der umgebenden Natur inspirieren lassen. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt sie.

Lesen Sie auch:


Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren