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Lechfeld/Augsburg

11.09.2016

Heftige Beleidigungen und ein Stiefel

Eine 48-Jährige wurde rabiat - auch gegen Polizisten. Das brachte sie vor Gericht.
Bild: Peter Steffen/dpa (Symbolbild)

Frau leidet unter Depressionen, hat Alkohol im Blut und lässt ihre Spannungen an Polizeibeamten aus.

So reichlich wie jetzt vor Gericht ihre Tränen flossen, so üppig hatte die 48-jährige Angeklagte im März dieses Jahres eine Polizeibeamtin mit heftigen Beleidigungen eingedeckt – und ihr sogar einen Stiefel (allerdings aus weichem Leder) gegen den Bauch geworfen. An den Vorfall in einer Gemeinde auf dem Lechfeld konnte sie sich jetzt vor Richterin Susanne Hillebrand kaum erinnern.

Vor knapp drei Monaten hatte die Frau wegen eines ähnlichen Delikts einen Strafbefehl über 1000 Euro erhalten, den sie derzeit noch abstottert. Jetzt hielt Richterin Hillebrand eine kurze Bewährungsstrafe für angemessen. Der Vorfall war nicht der erste Einsatz für die Polizei in diesem Haus auf dem Lechfeld.

Die Situation eskaliert

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Weil die Beamten aus Erfahrung wussten, dass es hier meist „rund geht“, waren sie gleich mit zwei Streifenwagen gekommen. Anfangs verließ die Frau nach Aufforderung das Haus ihres Lebensgefährten. Doch eine Stunde später tauchte sie erneut auf, weil sie in der Garage einen Unterschlupf zum Schlafen suchte. Diesmal eskalierte die Situation.

Nicht zu übersehen war, wie sehr sich die Frau schämte, als Staatsanwältin Alexandra Körner aus der Anklageschrift vortrug: „Sie beleidigten einen der Polizeibeamten als Klugscheißer, Psychopath, Arschloch, kleines Würstchen, Lusche, alter Sack und vieles andere mehr, um Ihre Missachtung auszudrücken.“ Der Wutausbruch habe sich gezielt gegen einen im Polizeiwagen sitzenden Beamten gerichtete, so erinnerte sich eine als Zeugin geladene Beamtin, die Angeklagte habe sich verbal „auf den männlichen Kollegen eingeschossen“.

Frau machte noch in der Arrestzelle Probleme

Beide Polizisten waren überzeugt, dass die 48-Jährige an jenem Abend „nicht neben der Spur gestanden hat“. Vielmehr habe sie gewusst, wer „vor ihr steht.“ Denn sie habe sich nach dem Wurf mit dem Stiefel auch sofort bei der betroffenen Beamtin entschuldigt. Die wiederum bezeichnete den Vorgang als „nicht bedrohlich“ für sie. In der Arrestzelle der Polizeiinspektion Schwabmünchen habe die Frau dann ohnehin „alle Kleidungstücke durch die Gegend gepfeffert“. Eine Alkoholkontrolle gegen 3 Uhr morgens ergab etwas mehr als 0,6 Promille Alkohol im Blut.

Das Strafverfahren bot Einblicke in die seelische Verfassung der 48-Jährigen. In der von der Richterin Hillebrand mit viel Gespür geführten Befragung sprach die Angeklagte recht offen über ihre Angstzustände, ihre Depressionen und die entsprechenden Medikamente, auch über ihren damaligen Streit mit dem Lebensgefährten („wir sind wieder zusammen“) und über ihre Selbsteinweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie das alles aus Ihrem Gedächtnis ausblenden wollen“, meinte die Richterin. Es gehe aber nicht, dass man seinen Frust derart an Polizeibeamten auslasse, ob nun mit massivsten Beleidigungen oder einem Stiefelwurf. Zum Glück sei, nach juristischer Auslegung, die Körperverletzung im Versuch steckengeblieben.

Richterin Susanne Hillebrand folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte die Frau zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe sowie 40 Stunden gemeinnützige Arbeit. Die Angeklagte war daraufhin ziemlich erleichtert und bemerkte: „Das ist gerecht, was hier abläuft.“

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