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Kabarett

11.10.2019

Ist das Leben für jeden geeignet?

In ihrem neuen Programm sucht Patrizia Moresco im Alltag nach Spuren natürlicher Intelligenz.
Bild: Ingeborg Anderson

An zwei Abenden in Bobingen gewinnt Patrizia Moresco dem Alltag und der Politik lustige Seiten ab

Warum künstliche Intelligenz? Sollte man es nicht erst einmal mit der Natürlichen versuchen? Wenig aussichtsreich, wie Comedien Patrizia Moresco bei ihrem Gastspiel in der Singoldhalle vorführte. Bereits zum dritten Mal trat sie im Rahmen der Reihe Kabarett & Wein in Bobingen auf. „#lach mich“ ist der Titel ihres neuen Programms, in dem sie Absurditäten in Alltag und Politik aufs Korn nimmt – auch mit viel Wortspielen.

Aber erst mal den Kontakt zum Publikum herstellen: „Ihr sitzt ja wieder in der ersten Reihe, habt wohl nichts dazu gelernt“, begrüßte sie die vorne sitzenden Gäste, um dann gleich die aktuelle Politik und ihre Vertreter ins Visier zu nehmen. Den US-Präsidenten etwa: „Das Rad dreht sich noch, aber der Hamster ist tot “, meint sie.

Dem heiteren Publikum hält sie entgegen: „Schön, dass ihr noch lachen könnt, mir fällt das Lachen manchmal in die Faltencreme“. Besonders in Berlin, wo – wie sie erzählt – die geborene Stuttgarterin jetzt lebt. Dort ist man scheint’s allgemein schlecht drauf, weshalb Patrizia Moresco überlegt „ob ich nach Bobingen ziehen soll“.

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Zwischen Klamotte und Appell bewegt sich ihre temporeiche Show und kommt mitunter zu dem Schluss: Ist das Leben für jeden geeignet?

Regelrecht in Rage kommt sie, wenn sie vom Autofahren erzählt. „Als Italienerin kann ich nicht Auto fahren, ohne zu schreien“. Wie sich das auf Italienisch anhört, führt sie vor – sehr zum Vergnügen des Publikums, das besonders heiter auf Szenen reagiert, in dem Moresco aus dem Nähkästchen plaudert.

Thema Auto: Für die Fahrt nach Bobingen habe sie zehn Stunden gebraucht, stand vier Stunden davon im Stau. Zwar hat sie sich beim Losfahren vom Universum einen Parkplatz gewünscht – „aber doch nicht auf der Autobahn!“ Ihr Fazit ist „Beim Leben auf der Überholspur, steht man ein Drittel im Stau.“

Unerschöpflich ist auch das Thema Klima- und Umweltschutz. Ihr Beitrag dazu ist, dass sie nur gemeinsam mit dem Nachbarn duscht und beim Sex Jute-Kondome verwendet.

Mit Gesichtsakrobatik, Körpereinsatz und im flotten Wechsel zwischen verschiedenen Dialekten brachte Patrizia Moresco am laufenden Band Beispiele für den Wahn- und Schwachsinn im privaten und politischen Alltag: Youtube-Tutorial über Anusreinigung, Luxussteuer auf Tampons, Mamas schmerzhafter Kochlöffel. Und in der Politik ist es nicht besser: „Die Regierung arbeitet wie ein Laubbläser – es wird hin und her geblasen und viel Lärm gemacht.“ Auch das inzwischen allgegenwärtige Smartphone bekam sein Fett ab, inklusive der sozialen Medien, bei denen „man jeden Tag mindestens ein Selfie posten muss, um zu zeigen, dass man noch lebt und bei denen nichts zählt, außer den Likes“. Vom Publikum bekam die quirlige Künstlerin jedenfalls jede Menge analoge Likes in Form von Gelächter und Applaus.

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