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Ausstellung

29.10.2011

Kunstinstallation über ein trauriges Stück Lechfeldgeschichte

Die in Augsburg geborene Künstlerin Gabriele Schnitzenbaumer stellt ihre Installation „Lager Lechfeld 1944“ in der Kirche St. Martin in Lagerlechfeld aus.
Bild: Foto: Gemeinde Graben

Als Kind hat Gabriele Schnitzenbaumer den Krieg in Lagerlechfeld erlebt. Jetzt präsentiert die Künstlerin Skulpturen darüber

Lagerlechfeld Es ist eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte von Lagerlechfeld. Am 12. September 1944 kommen bei einem Bombenangriff 76 Menschen ums Leben. Die Künstlerin Gabriele Schnitzenbaumer hat dieses schlimme Ereignis als sechs Jahre altes Mädchen miterlebt. Erst viele, viele Jahre später hat sie diese Erfahrungen in ihrer Installation „Lager Lechfeld 1944“ verarbeitet. Ab Sonntag sind ihre Skulpturen einen Monat lang in der Kirche St. Martin in Lagerlechfeld ausgestellt.

Es sind zum Teil überlebensgroße verhüllte Gestalten, mit denen die in Augsburg geborene Künstlerin das Szenario von 1944 darstellt. Nach Lager Lechfeld kam die Familie, weil Schnitzenbaumers Vater dort im Zweiten Weltkrieg als Fliegerpilot stationiert war. Sechs Jahre lebte Schnitzenbaumer auf dem Lechfeld.

Am meisten eingeprägt haben sich bei Schnitzenbaumer aus dieser Zeit die Kriegserlebnisse. „Immer wieder gab es Alarm wegen Luftangriffen. Dann mussten wir in den Keller“, erzählt die Künstlerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Der schlimmste Tag aber war der 12. September 1944 mit seinen vielen Toten. „Wie selbstverständlich haben wir Kinder mitgeholfen, die Toten aus den Häusern herauszuholen“, erinnert sich die heute 73-Jährige.

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Die Bilder der verkohlten Leichen haben sich für immer in ihr Gedächtnis gebrannt, die Künstlerin in ihrem Schaffen geprägt. Und dies lange Zeit ohne, dass es ihr richtig bewusst gewesen sei. 2004 und 2005 erstellte sie schließlich aus Abfallstücken wie Stoffresten und Gummibändern ihre Installation „Lager Lechfeld 1944“. Aus Blei sind die Gesichter der „Erstarrten“, aus Leder die Gesichter „der verlorenen Kinder“. In einem Interview beschrieb die heute am Ammersee lebende Künstlerin sie einmal als „Skulpturen zu Ehren meiner Trümmermütter, Ruinentanten, Wühlgroßmütter, Zusammensetzgöttinnen, Krückenväter und Mumiengeschwister“.

In der Kirche St. Martin wird die Figurengruppe, die ein Stück Lechfeldgeschichte symbolisiert, nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. An der Feierstunde am Sonntag um 10.30 Uhr und der anschließenden Ausstellungseröffnung wird auch Gabriele Schnitzenbaumer teilnehmen. Für sie wird es ein emotionaler Moment. „Es ist ein Gefühl, als ob sich das letzte Stück eines offenen Kreises nun für mich schließt.“

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