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Schwabmünchen

24.01.2019

Le Clou überzeugt mit neuem Sänger in Schwabmünchen

Johannes Epremian genoss „spielerisch“ das Bad in der Menge.
Bild: Uwe Bolten

In einem mitreißenden Konzert trugen „Le Clou“ die Seele Louisianas nach Schwabmünchen. Wie die Band den Weggang eines Gründungsmitgliedes bewältigt.

Spätestens bei den ersten Takten der Geige von Johannes Epremian beim „Mamou Two Step“ hielt es keinen der Gäste mehr auf den Stühlen. Tänzer engten den knappen Raum vor der Bühne weiter ein, das Mitklatschen der Zuhörer ergänzte das treibende Schlagzeugspiel, Epremian hielt es nicht auf seinem Platz auf der Bühne. Nach einem Bad in der Menge stand er hoch oben über den Gästen auf einem Tisch und fegte mit seinem Bogen über die Saiten.

Mit purer Lebensfreude, frisch und ungezwungen, hin und wieder auch nachdenklich, begeisterte die Cajun-Band „Le Clou“ die rund 80 Besucher im „Germars Best Burger and Pizza“ an der Riedstraße. Das Restaurant verwandelte sich wie vor zwei Jahren durch die deutsch-französisch-schottische Band in eine Kneipe im Süden Louisianas, in denen die Cajuns, Nachfahren der im 18. Jahrhundert aus Kanada vertriebenen akadischen Franzosen, auch heute noch die Sprache und die Tradition ihrer Vorfahren leben.

Fulminanter Abend der frankophonen Cajun-Musik

Mit geballter Spielfreude, hoher Musikalität und einem treffsicheren Gespür für ihr Publikum bereiteten Johannes Epremian (Gesang, Geige, Gitarre), Yves Gueit (Gesang, Cajun-Akkordeon, Flöten, Saxofon), Ste-ve Crawford (Gesang, Gitarre), Gero Gellert (Bass) und Ralph Schläger (Schlagzeug) den Zuhörern einen fulminanten Abend der frankophonen Cajun-Musik.

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„Es war schon ein Schlag, als Michel David uns mitten in einem Gespräch mitteilte, dass er aufhöre“, erinnerte sich Johannes Epremian an jenen Tag im Jahr 2017, an dem die Band auseinanderzufallen schien. Immerhin sei David neben den heute noch aktiven Yves Gueit im Jahre 1976 eines der Gründungsmitglieder gewesen, erzählte er mit ernster Miene. „Uns war aber klar: Wir machen weiter. Und mit dem Schotten Steve Crawford haben wir einen Musiker gefunden, der musikalisch und menschlich sehr gut zu uns passt“, fuhr er fort. Ehrlich und gradlinig in der Darbietung wie früher, waren Unterschiede durch die neuen Impulse zu hören.

Germar Thiele fällt der melodiöse Bass von Gero Gellert auf

Die bemerkte auch Wirt Germar Thiele, selbst seit langem ein erfahrener Musiker: „Die Stücke sind musikalisch anspruchsvoller, auch wenn man das im ersten Moment gar nicht so wahrnimmt. Mir fällt insbesondere der melodiöse Bass von Gero Gellert auf“, kommentierte er. Das fast dreiminütige Bass-Solo der Extra-klasse im Titel „Griffon – der gute Dieb“, gefüllt mit Läufen und Akkordspiel auf dem Instrument, belegte die hohe Spielkultur des interpretationsfreudigen Musikers.

In diesem tempogeladenen Stück überraschte ebenso Yves Gueit. Der gebürtige Franzose, der über den ganzen Abend am Cajun-Akkordeon, diversen Flöten, Saxofon und Okarina glänzte, spielte hier das Krummhorn; ein Instrument, das heutzutage selten auf den Bühnen zu hören ist. Die rhythmische Komponente, vertreten durch Schlagzeuger Ralph Schläger, trug die Band mit Elan und Triebkraft durch den Abend.

Johannes Epremian brilliert als Sänger

Johannes Epremian brillierte als Sänger und vielseitiger Geigen-Solist; seine Ansagen und vor allem seine lebhaften Darstellungen aus dem Leben der „Acadians“ sorgten bei den Zuhörern für das Verständnis der gespielten Melodien. Auf Gitarre und Dobro komplettierte er stimmungsvoll das Repertoire der Truppe. Neuling Steven, der als Rhythmus-Gitarrist sowohl mit seiner gradlinigen, ehrlichen Spielweise als auch teils verspielten Teilen überzeugen konnte, gab dem Solisten den Klangteppich für ihr Spiel.

Das Programm gestalteten die Musiker abwechslungsreich. Von treibenden Rhythmen („Big Mama“, „Rosalie“, „Eunice Two Step“, „Jambalaya“) über instrumentale Interpretationen („Printemps Cadien“) bis hin zu komplexen Klanggemälden („De France en Amérique“) boten die Künstler eine breite Palette ihres Könnens. Die Besucher drückten ihre Freude an der mitreißenden Musik tänzerisch aus.

Nachdem der Teufel („Le Diable“) als letztes Stück anstatt durch die Sümpfe des Mississippi den Feldgießgraben entlang tanzte, entließen die fünf Musiker ihre Gäste mit einer Zugabe in die kalte Januarnacht, die erneut den Cajun mit Herz in die Stadt brachte.

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