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Königsbrunn

07.02.2018

Musikalische Puzzles sind seine Leidenschaft

Wenn Christoph Teichner mit dem Ensemble Café Arrabbiata Musik im Stil der 20er-Jahre spielt, dann trägt er am Klavier einen Frack.
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Wenn Christoph Teichner mit dem Ensemble Café Arrabbiata Musik im Stil der 20er-Jahre spielt, dann trägt er am Klavier einen Frack.
Bild: Claudia Deeney

Christoph Teichner bekommt den Kulturpreis der Stadt Königsbrunn. Der 39-Jährige unterrichtet an der Musikschule, erweckt die Werke alter Komponisten und reist um die Welt.

Als Christoph Teichner Ende vergangenen Jahres erfuhr, dass er als Kulturpreisträger der Stadt Königsbrunn nominiert ist, hat er sich erst mal für das Königsbrunner Kammerorchester riesig gefreut. Denn ihm war gar nicht gleich bewusst, dass die Nominierung seiner Person galt und er für seine vielseitigen musikalischen Leistungen, zu denen auch das Kammerorchester Königsbrunn zählt, ausgezeichnet werden soll.

Das sei ziemlich typisch für ihn, meint der Konzertmeister des Kammerorchesters, Pfarrer Alan Büching, gegenüber unserer Zeitung: „Christoph ist ein großartiger Musiker und dabei ein ganz bescheidener Mensch. Viele, wenn nicht alle spielen im Orchester mit, aus Begeisterung über die musikalische Ausstrahlung und Fähigkeit von Teichner und seinem freundlichen Umgang mit seinen Mitmenschen.“

Keine Rampensau, sondern der Musik verpflichtet

Teichner selbst sieht sich einfach nicht als Rampensau, sondern der Musik vergangener Zeiten verpflichtet. Und das bedeutet für ihn nicht nur auf der Bühne stehen und aktiv Musizieren oder Dirigieren, sondern auch sehr viel Arbeit, die nicht im Rampenlicht stattfindet. Dazu gehört beispielsweise, die Kompositionen unbekannter Künstler so zu arrangieren, dass bestehende Stücke zu seinem Ensemble passen, wie er sagt und verdeutlicht: „Ich übersetze die handschriftlichen Partituren für die jeweiligen Instrumente.“ Die Aufführungen dieser Werke sind dann auch oft Uraufführungen.

Der Reiz für ihn, sich solch einer regelrechten Puzzlearbeit hinzugeben, liegt darin, alte Komponisten zum Leben zu erwecken und auch die eigene Handschrift mit einzubringen. Wobei sich Teichner nicht einfach damit begnügt, die Noten abzuschreiben und entsprechend zu arrangieren. Er macht sich viele Gedanken über die Zeit, in der die Musik geschrieben wurde: „Bachs und Händels Zeit fällt in die Epoche der Barockmusik, und entsprechend elegant und pompös sollte das erklingen“, sagt Teichner. Die Art wie der 39-Jährige erzählt, lässt gleich Bilder im Kopf entstehen und man sieht den Stuck an der Decke eines Saals, die Kleider samt Korsetts der Damen, die Riechsalz-Fläschchen und die historischen Tänze.

Zur Musik der 1920-er gehört auch ein Frack

Die Herangehensweise gilt auch für sein Mitwirken im Ensemble Café Arrabbiata. Dort tritt er selbstverständlich im Frack auf, um Musikstücke im Stil der 20er-Jahre am Klavier zusammen mit seinen Musikerkollegen zu präsentieren. In diesem Metier arrangiert er Musikstücke, die ursprünglich von ganzen Orchestern aufgeführt wurden, entsprechend für fünf Musiker um.

Alte Stücke sieht Teichner als Musikwissenschaftler immer ganzheitlich und nicht losgelöst von der jeweiligen Epoche. Warum Figaros Hochzeit in einem Möbelhaus inszenieren, wenn doch die Wiederauferstehung der damaligen Zeit viel facettenreicher und vor allem auch authentischer ist?

Sein musikwissenschaftliches Promotionsstudium an der Hochschule für Musik und Theater München hat er 2016 abgeschlossen. Das dabei entstandene Verzeichnis der Kompositionen des Pianisten und Komponisten Ignaz Franz von Beecke (1733-1803) wird in Kürze erscheinen. Im ersten Moment klingt das ganz interessant, aber auch ein bisschen nach einer Lektüre nur für Eingeweihte und Wissenschaftler.

Kreuz und quer durch Europa auf der Suche nach Komponisten-Aufzeichnungen

Wenn Teichner dann aber erzählt, wie er kreuz und quer durch Europa nach Aufzeichnungen dieses fast vergessenen Musikers suchte und welchen Antrieb er verspürt diese alten Kompositionen regelrecht zu retten, dann versteht man als Zuhörer, wie viel das nicht nur ihm selbst bedeutet. Viele alte Werke sind schon Bränden in Bibliotheken zum Opfer gefallen und für immer verloren, was der frisch gebackene Kulturpreisträger 2017 sehr bedauert. Deshalb ist er auch ohne wissenschaftlichen Arbeitsauftrag immer auf der Suche nach alten Kompositionen und schaut sich auch mal auf den Flohmärkten nach unbekannten Schätzen um.

Ganz bodenständig ist Christoph Teichner, der als Kind mit seinen Eltern aus Großaitingen in die Brunnenstadt zog, hier lebt und in der Musikschule Königsbrunn Kinder unterrichtet. So kennen ihn auch viele Brunnenstädter. An der Augsburger Universität hatte er schon Lehraufträge, mittlerweile arbeitet er dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Dass er neben vielen Engagements in der Gegend auch deutschlandweit unterwegs ist, dürfte schon weniger bekannt sein. Beispielsweise wird er bei der neuen Nürnberger Ratsmusik immer wieder als Cembalist engagiert. In der Begründung des Stadtrates, ihm den Preis zuzusprechen, liest es sich so: „Er tritt mit verschiedenen Ensembles auf und ist auch überregional aktiv und bekannt und wirbt und wirkt dadurch positiv für Königsbrunn. Durch sein musikalisches Wissen und seine fachliche Eignung hat er sich besonders qualifiziert.“

Teichner ist weltweit gefragt - an die große Glocke hängt er es nicht

Nicht an die große Glocke hängt Teichner dabei, dass er auch weltweit gefragt ist. So hat er regelmäßig Auftritte im Sinfonieorchester der Philharmonie in Katar. Dort wird er eingeflogen, eine Tatsache, die ihm nur sehr schwer über die Lippen kommt und die er auch nur so kommentiert: „Das ist eine schöne Gelegenheit mal über den Tellerrand hinauszuschauen.“ Pfarrer Alan Büching findet deutlichere Worte: „Katar engagiert nur die Besten und das ist Christoph einfach!“

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