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07.03.2009

"Opel ist mein Leben"

Mittelneufnach Das Herz von Opel schlägt in den Stauden. Es pulsiert. Keine Spur von Krise, von Untergangsstimmung. Kein Wunder: Denn hier in den kleinen, blitzblank polierten Garagen in den westlichen Wäldern, da geht es nicht um Aktienkurse, um Rendite. Hier geht es um mehr. Hier geht es um eine Faszination, um eine tiefe Leidenschaft. Die kann auch die schlimmste Krise nicht zerstören. Hans Ruchti hat das erfahren: "Opel ist mein Leben", sagt der 33-Jährige. In Mittelneufnach ist er damit nicht alleine.

Hans Ruchti schmeißt ihn an. Ein tiefer Sound dröhnt aus der Garage, es hallt, es röhrt, ein gleichmäßiges Brummen der Maschine breitet sich aus. Ganz langsam schiebt sich eine schwarze Schnauze aus der Garage, nur Millimeter über dem Boden. Das Chrom der Felgen blitzt auf, die edlen goldenen Schrauben an den Rädern funkeln. "Streetmachine" - das Logo prangt auf der Windschutzscheibe. Dahinter: Hans Ruchti. Und dann steht er da, der ganze Stolz des 33-Jährigen. Hunderte von Stunden und 35 000 Euro hat Hans Ruchti in ihn investiert - in einen Opel Corsa, Baujahr 1989.

Hans Ruchti weiß, was so manch einer jetzt über ihn denkt: "Jemand, der damit nichts anfangen kann, sagt, die haben einen an der Klatsche. Wer steckt schon 35 000 Euro in einen Corsa?" Es sind Leute wie Hans Ruchti. Keine Spinner, keine Verrückten. Leute mit einer großen Leidenschaft. In Mittelneufnach gibt es viele davon, sagt der 33-Jährige. "In jeder zweiten Werkstatt wird hier an Opels geschraubt." Mit seinen Kumpels aus dem Ort fährt Hans Ruchti auch zu Opel-Treffen. Manchmal bis zu 150 Kilometer weit. Dort campiert und fachsimpelt man mit Gleichgesinnten. "Über Tuning, neue Teile und über Opel", sagt Ruchti. Bis zu 5000 Autos versammeln sich bei solchen Treffen. Bei einem hat Ruchti seine Freundin Gisela kennengelernt.

Es fällt dem jungen Mann schwer, seine Faszination zu begründen. Die Marke "Opel" hat den gelernten Automechaniker in ihren Bann gezogen. Schon immer - naja, fast. Einmal, ganz am Anfang, da sei er "fremd gegangen", gibt Hans Ruchti zu. Sein erstes Auto: ein Renault. "Ich hab halt bei dieser Marke meine Ausbildung gemacht", sagt er, so als müsste er sich verteidigen.

"Opel ist mein Leben"

Sein Herz schlug aber schon damals für Opel. Ein Kumpel, Mantafahrer, hatte ihn zu Opel-Treffen mitgenommen. "Da ist das mit der Krankheit losgegangen", erzählt er. Ein halbes Jahr später hatte auch Ruchti seinen ersten Wagen made in Rüsselsheim: einen Manta, weiß und uralt. Die Bastelei an Autos, das Schrauben und Tunen fing an.

Inzwischen dürfte er bei Opel Nummer zehn angekommen sein. So genau weiß Hans Ruchti das nicht: "Ich glaub, ich kann die gar nicht mehr zählen." Ein goldener Manta war dabei, ein Kadett-Cabrio, noch ein Sport-Kadett, ein Turbo-Corsa...

Nur einem Opel ist er all die Jahre treu geblieben: seiner "Streetmachine". Mit 20 Jahren hat er sie sich zugelegt, bis zur Rente will er sie fahren. "Das schafft ein Opel", ist Ruchti sicher. Wobei fahren eigentlich das falsche Wort ist: Im Winter schlummert die "Streetmachine" unter einem weißen Tuch in der Garage. Nässe und Streusalz sind tabu. Im Sommer rollt sie hin und wieder zur Eisdiele oder sonntags über die Autobahn. Dann aber richtig.

Mit einem gewöhnlichen Corsa der Baureihe "A" hat dieser schwarze Blitz nicht mehr viel gemein: 2,0-Liter, 16V-Turbomotor. Das macht 280 PS, 250 Stundenkilometer in der Spitze. Und per Knopfdruck gibt es nochmal 70 Pferdestärken extra. Denn im Fußraum des Beifahrers liegt die Lachgasflasche, die auf der Rennstrecke zusätzlich für Speed sorgt. Original sind nur noch Karosse und Achsen. "Sonst nicht mehr viel", sagt Ruchti. Jedes neue Teil, das betont der Auto-Fan, ist Original Opel. Das Gewindefahrwerk, höhenverstellbar, die verchromten Teile, Überrollbügel, Spoiler. Mehrmals hat der kleine Corsa seine Farbe gewechselt: schwarz, blau, Moonlight-black. "Ich finde, der ist ganz gut geworden", sagt Ruchti. Bei Fahrzeugbewertungen hat er schon etliche Preise gewonnen. "So wie einer seinen Dackel hat, so hab ich eben meinen Opel." So einfach ist das.

Dass es Opel irgendwann nicht mehr geben könnte, kann sich Ruchti nicht vorstellen. Soviel Tradition, pleite - das geht nicht. "Die lassen sich bestimmt was einfallen", ist er sicher. Steuergelder würde er zur Rettung des Unternehmens nicht einsetzen. Denn sonst, vermutet er, würde "ja bald jeder beim Staat ankommen".

Egal, wie's ausgeht: Hans Ruchti und seine Kumpels aus Mittelneufnach werden weiter an ihren Opels schrauben. Auch wenn sie wissen: "Wir sind das Gegenteil von dem, was Opel will. Wir fahren 20 Jahre alte Autos", sagt Ruchti. Aber für die Abwrackprämie ist die "Streetmachine" einfach zu schade.

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