1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Schüler setzen sich gegen Artensterben ein

Aktion

04.02.2019

Schüler setzen sich gegen Artensterben ein

Geschafft und glücklich freuen sich die Jungaktivisten auf ihre Aktion am Gräbinger Rathausplatz: (von links oben im Uhrzeigersinn) Bastian Laerm, Adrian Laerm, Julian Augste, Jonathan Krohns, Kilian Hartinger und Emilio Emde. Foto: Uwe Bolten

Eine Gruppe aus Graben formiert sich in einer Aktion für ihre Zukunft und unterstützt das Volksbegehren. Warum die jungen Schüler so viel Engagement zeigen und was Bienenstiche damit zu tun haben

Am großen Esstisch in einem Haus im Gräbinger Süden geht es hoch her. Sechs Kinder sitzen dort, vor ihnen liegen acht gelbe Waben aus Papier, jede beschriftet. Hier handelt es sich nicht um einen Kindergeburtstag, hier wird Politik gemacht. Mit klaren Worten und klaren Vorstellungen, schnörkellos. „Es ist fünf vor zwölf!“, ist dort zu lesen; weitere Sätze wie „Bienen sind wichtig für das Ökosystem!“ und „Bienen sind gefährdet!“ zeigen die Absicht der jungen Aktivisten.

„Wir kennen uns aus der Schule und der Nachbarschaft“, erläutert der neunjährige Jonathan Krohns die Zusammensetzung der Gruppe. „Auf dem Nachhauseweg von der Schule haben wir auf Plakaten vor etwa drei Wochen vom Volksbegehren mitbekommen. Uns war schnell klar, dass es um unsere Zukunft geht. Wir leben länger als die heutigen Erwachsenen“, fügt er mit resoluter Stimme hinzu. „Ich bin sauer, dass wir am Volksbegehren nicht teilnehmen dürfen. Dabei geht es doch um unsere Zukunft“, sagt Adrian Laerm (elf Jahre), der einzige Teilnehmer in der Gruppe, der in die fünfte Klasse des Gymnasiums in Schwabmünchen geht. Bastian Laerm (acht Jahre), Julian Augste (neun Jahre), Kilian Hartinger (neun Jahre), Emilio Emde (zehn Jahre) und Jonathan Krohns sind Schüler der Gräbinger Grundschule. Um nicht zum Zuschauen verurteilt zu sein, haben sich die Jungs entschlossen, auf dem Wochenmarkt am Mittwoch, 6. Februar, ab 14 Uhr, offensiv für die Teilnahme zur Eintragung zum Volksbegehren zu werben. An Zwischenbemerkungen wird schnell klar: Die Kinder haben verstanden, dass es nicht nur um die Bienen, sondern um alle Insekten und das Artensterben geht. „Ohne Insekten müssten wir alles selber bestäuben. Das geht nun mal nicht“, sagt Emilio mit fester Stimme. Die Sorge über das Aussterben von Lebewesen schwingt in seinen Worten mit. Auch soll sich seiner Ansicht nach das Nahrungsangebot für Insekten deutlich verbessern. „So viel Raps ist für die Bienen wie ständig Hamburger essen. Eine total einseitige Ernährung“, weiß er aus den Recherchen zur Aktion.

Die jungen Bürger haben, seitdem sie den Plan zur Aktion entwickelt haben, viel gelesen. „Derzeit sind ja in den Zeitungen täglich Artikel zum Thema“, fügt er an. Das Internet habe auch zahlreiche Informationen bereitgestellt. So füllen die Papierwaben viele Informationen zu den Tieren sowie den Auswirkungen durch ihr Fehlen. Die Waben werden auf dem Markt an einer Stellwand präsentiert.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Ansätze zur Lösung decken sich mit einigen Forderungen des Aktionsbündnisses Artenvielfalt. „Es sollen mehr natürliche Lebensräume geschaffen werden“ oder „Die Bauern sollen auf Pflanzenschutzmittel verzichten, das schädigt die Insekten“, kommen die Forderungen aus der Sechsergruppe. Die Kinder bemerken den Rückgang der Bienen, auch wenn die Erlebnisse nicht repräsentativ sind. „2017 bin ich fünfmal von einer Biene gestochen worden, 2018 kein einziges Mal“, berichtet Julian.

Die Absicht der Gruppe besteht darin, den Wahlberechtigten, die auf den Wochenmarkt gehen, deutlich zu machen, dass sie sich am Volksbegehren beteiligen. „Wir wollen unsere Welt für uns und die Zukunft erhalten. Es darf nicht sein, dass das Volksbegehren möglicherweise an einer Stimme scheitert“, sagt Jonathan Krohns kämpferisch und weist darauf hin, dass das Rathaus zur Eintragung an dem Nachmittag geöffnet ist.

Bürgermeister Andreas Scharf wusste auf Nachfrage noch nichts von der geplanten Aktion der Schüler. In dem Zusammenhang wies er darauf hin, dass die Gemeinde Graben von sich aus schon Maßnahmen zur Artenvielfalt ergriffen habe. „Die Gemeinde hat gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband mehrere Blühstreifen angelegt. Neben dem Rodelberg und zwischen dem Gewerbegebiet und der Blumenstraße haben wir Obstwiesen gepflanzt, in den Orten legt der Bauhof regelmäßig Blumenwiesen an, wie beispielsweise zwischen der DHL-Niederlassung und dem Föhrenwald. Verschiedene Imker haben bei uns Standorte für Bienenvölker in gemeindlichen Bereichen, die wir kostenlos zur Verfügung stellen. „Entlang der Via Claudia und südlich des Gewerbegebietes haben wir große Flächen mit dichter Bepflanzung oder Brachflächen, die nur zweimal jährlich gemäht werden“, erklärte er.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren