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Schwabmünchen

25.07.2020

Seit 88 Jahren begleitet Familie Knoll dasselbe Fahrrad

Übernahme in die dritte Generation: Karl Knolls Enkel Johannes hat sich vorgenommen das Radl aus dem Jahr 1932 wieder auf Vordermann zu bringen.
Bild: Christian Kruppe

Plus Karl Knoll bekam das Radl 1932 zur Kommunion. Danach war es Jahrzehnte in Schwabmünchen unterwegs. Mit abgelaufener Erlaubnis der Alliierten.

Schon der erste Blick verrät: Dieses Fahrrad hat einiges erlebt. Es lehnt an einem Baum im Garten von Karl Knoll, der Sattel hat sichtbar seine besten Tage hinter sich und auch die rostrote Färbung der Kette zeigt, dass die letzte Ausfahrt schon ein Weilchen her ist. Aber gut, das Rad der Marke Wanderer ist auch nicht mehr das Jüngste. Etwas mehr als 88 Jahre ist es alt – hat also schon einiges erlebt. Einen Weltkrieg, den Wiederaufbau, die Deutsche Einheit und vieles mehr.

1932 hat es der Opa zur Kommunion bekommen

Das Rad stammt von Knolls Vater, Karl Knoll senior. Der hat es 1932 zur Kommunion bekommen. Zehn Jahre radelte er damit durch Schwabmünchen, ehe er eingezogen wurde. Nach zwei Jahren an der Front kam er verletzt zurück. Das Rad war immer noch da. Und auch die elterliche Landwirtschaft in der Hindenburgstraße (heute Fuggerstraße) Hausnummer 14 inmitten der Stadt und das schon seit 1888. Bis 1970 war der Knollsche Hof dort, ehe er der Raiffeisenbank wich und die Landwirtschaft in die Singoldstraße umzog – wo sie mittlerweile auch nicht mehr ist. Heute ist die Buchhandlung Schmid dort beheimatet, wo der Hof ursprünglich stand.

Das Wanderer-Fahrrad von Karl Knoll aus dem Jahr 1932. 1945 bedurfte es einer Erlaubnis der Militärregierung, mit diesem Fahrrad zu fahren
Bild: Christian Kruppe

Für Karl Knoll hieß es nach seiner Rückkehr aus dem Krieg, wieder zu Hause mit anzupacken: Landwirtschaft war seinerzeit Knochenarbeit. Der Hof lag in der Mitte des Ortes, die Felder weit draußen im Osten. Als Hilfe zum Vorankommen gab es Pferde – oder eben sein Fahrrad. Doch dies war gerade nach dem Einmarsch der Amerikaner Ende April 1945 nicht so einfach. Denn nicht jeder durfte einfach so Fahrzeuge benutzen. Egal ob Pferdegespann oder eben ein dann schon mehr als zehn Jahre altes Fahrrad.

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Nutzungserlaubnis für das Fahrrad seit 1946 abgelaufen

Dazu war in dieser Zeit eine Erlaubnis der Militärregierung notwendig. Die bekam Karl Knoll am 1. Juli 1945 – also vor etwas mehr als 75 Jahren. Und die Amerikaner übten sich in deutscher Gründlichkeit.

Sogar die Fahrgestellnummer war in der Erlaubnis aufgeführt, die Knoll bekam, damit der sein Fahrrad für „Landwirtschaft und Allg. Zwecke“ nutzen konnte. Weiter im Text steht zu lesen, dass dies kein Pass für die Ausgangssperre ist und er Militärstraßen nicht nutzen dürfe. Noch eine weitere Einschränkung gab es: Die Nutzungserlaubnis des Fahrrads ist am 1. Januar 1946 wieder abgelaufen.

Das Wanderer-Fahrrad von Karl Knoll aus dem Jahr 1932. 1945 bedurfte es einer Erlaubnis der Militärregierung, mit diesem Fahrrad zu fahren
Bild: Christian Kruppe

Unterzeichnet ist der Schein von einem Captain M. Klorfine. Auf dem Stempel ist zu lesen, dass er von der Militärregierung des Landkreises Schwabmünchen stammt.

Schwabmünchen: Rad soll wieder flott gemacht werden

Das Wanderer-Fahrrad fuhr in jedem Fall weiter, auch nach dem Abzug der Amerikaner. 1970, im stolzen Fahrradalter von 38 Jahren, machte es auch den Umzug in den neuen Hof an der Singoldstraße mit. Und auch nach dessen Abriss ist seine Geschichte nicht zu Ende. Momentan genießt es in einer Feldscheune seinen Ruhestand. Doch nicht mehr lange, wie Karl Knoll berichtet: „Mein Sohn Johannes hat sich vorgenommen, es wieder herzurichten und zu nutzen“, freut er sich. Dann kann das Rad vielleicht noch mehr Geschichten erzählen - der 100. Geburtstag ist ja auch nicht mehr so weit weg.

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