Gedrückte Stimmung herrscht in der katholischen Gemeinde St. Felizitas und der Pfarreiengemeinschaft Bobingen: Stadtpfarrer und Dekan Thomas Rauch verkündete in den vergangenen Tagen seinen Abschied. "Am 15. August werde ich meinen letzten Gottesdienst hier feiern", erklärte er.
Zum 1. September werde er dann die Pfarrei St. Lorenz in Kempten und die Leitung der Cityseelsorge übernehmen. Mit ihm geht Gemeindereferentin und Pfarrhausfrau Theresia Zettler. Auch sie findet in Kempten einen neuen Wirkungskreis.
In den vergangenen Tagen informierte Pfarrer Rauch zuerst die ihm nahestehenden haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Gemeinde über seinen bevorstehenden Wechsel. "Ich wäre von mir selbst aus nie auf die Idee gekommen, mich aus Bobingen weg zu bewerben, weil ich mich hier verwurzelt fühle", erzählt Rauch mit Blick auf die vergangenen Wochen. Am 2. Februar aber habe ihn Bischof Bertram Maier angerufen und ihn gebeten, die Kemptener Pfarrei zu übernehmen. Gerade erst habe er da eine schwere Operation am Ohr über sich ergehen lassen müssen und sei gesundheitlich noch angeschlagen gewesen, erinnert sich der Pfarrer. Er habe deshalb erst einmal um Bedenkzeit gebeten und die Tage der Rekonvaleszenz genutzt, um nachzudenken und zu beten. Schließlich sei diese Bitte auch für ihn mehr als überraschend gewesen.
In Bobingen eine Heimat gefunden
Bei der Priesterweihe aber gebe man ein Versprechen ab, sich willig senden zu lassen, und der Gedanke an dieses Versprechen der Verfügbarkeit habe ihn am Ende bewogen, dem Wechsel zuzustimmen. "Wenn ich mich an meine beruflichen Stationen zurückerinnere, haben diese sich immer durch diesen Willen, die mir zugedachte Aufgabe anzunehmen, ergeben", meint Pfarrer Rauch. So sei er vor elf Jahren auch nach Bobingen gekommen und habe hier eine Heimat gefunden. Es sei eine intensive Zeit gewesen, schöne und erfüllende Jahre, in denen er sich hier sehr wohlgefühlt habe.
Gerade deshalb sei es ihm wichtig gewesen, Freunde und Mitstreiter persönlich über die Veränderungen zu informieren. "Ich habe bis zuletzt gezittert, dass es Gerüchte gibt, aber alle, denen ich mich anvertraut habe, haben geschwiegen, sodass ich es so vielen Menschen wie möglich persönlich sagen konnte", berichtet Rauch. Erschüttertes Schweigen folgte vielen dieser Gespräche, die Kirchengemeinde muss sich derzeit erst von dieser Nachricht erholen, bevor sie in die Zukunft schauen kann.
Er werde die nächsten Monate hier ganz bewusst und voller Dankbarkeit erleben und die Zeit, in der er noch hier sei, mit aller Kraft nutzen, so der Pfarrer. Es werde sicherlich eine sehr intensive Zeit werden. Gleichzeitig freut sich Thomas Rauch auf seine neue Aufgabe: "Pfarrer in St. Lorenz zu sein, ist eine sehr schöne und herausfordernde Aufgabe", meint er. Er werde sicherlich in den nächsten Wochen noch einige Gespräche mit seinem Vorgänger Bernhard Ehler führen können, der in den Ruhestand geht. So hofft Thomas Rauch auf einen reibungslosen Übergang in Kempten. Auch für seine Gemeinde in Bobingen würde er sich das wünschen.
Nachfolger noch nicht bekannt
Hier ist noch nicht bekannt, wie es weitergehen soll. Derzeit laufen die Ausschreibungen für die Stelle. Erst in einigen Wochen wird feststehen, wer sein Nachfolger werden wird. Das braucht aber noch ein wenig Geduld. Letztlich trifft wieder Bischof Bertram Maier die Entscheidung, wer nach Bobingen kommt.
Pfarrer Thomas Rauch ist sich sicher, dass es gut weitergehen wird. "Letztlich lebt jede Gemeinde von dem großen Engagement der Gläubigen und in Bobingen gibt es unglaublich viel Potenzial dafür", sagt er mit fester Stimme.
Diese Gläubigen sind gerade eher in gedrückter Stimmung: Zwar wünschen sie ihrem Pfarrer alles Gute, sind aber selbst in großer Sorge, wie es in ihrer Gemeinde weitergeht. "Es ist eine Zäsur im kirchlichen Leben, ich bin da nicht so optimistisch, sondern sehr betroffen", drückte es Mary Falkenberg aus. Pfarrgemeinderat Richard Mayr befand zwar, dass es im Leben immer zu Veränderungen komme, dass aber klar sein müsse, dass die Kemptener ein großes Geschenk bekämen. "Da erwarte ich im Gegenzug natürlich auch für uns ein großes Geschenk", betonte er.