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Boxen

21.02.2018

„Aufstehen, und weiter geht‘s!“

Stolz ist Ringrichter Armin Kneer auf seine Anstecknadeln. Die für ihn wichtigsten sammelt er auf einem Kissen in seinem Hobbykeller, in dem ihn auch viele Poster von speziellen Boxwettkämpfen hängen.
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Stolz ist Ringrichter Armin Kneer auf seine Anstecknadeln. Die für ihn wichtigsten sammelt er auf einem Kissen in seinem Hobbykeller, in dem ihn auch viele Poster von speziellen Boxwettkämpfen hängen.

Armin Kneer wird immer noch mehr zur Legende in seiner Sportart. Jetzt ist er allerdings kein Königsbrunner mehr

Das ist unglaublich: Armin Kneer blickt auf mehr als ein halbes Jahrhundert Boxerleben zurück. Dabei hat er vor allem Höhen erlebt. Jetzt konnte er ein ganz besonderes und extrem seltenes Jubiläum feiern.

Ein Boxer mit Leib und Seele, das ist Armin Kneer, und zwar seit seinem vierten Lebensjahr: „Weil mich die Mädels immer verhauen haben, schickte mich meine Mutter ins Boxtraining. Das hat geholfen.“ Seitdem ist der inzwischen 76-Jährige der Sportart treu geblieben, eigentlich viel mehr als das:

122 Schwergewichtskämpfe hat er bestritten (78 Siege, 13 Unentschieden). Seine absolute Stärke im Ring waren seine Schnelligkeit, seine hervorragende Technik und seine langen Arme. „Ich habe alle mit links geboxt. Das verwirrte die Gegner“, erzählt er begeistert. K.o. hat er nicht einen einzigen in seiner gesamten Karriere erleben müssen, Niederschläge schon: „Du wachst wieder auf, weißt nicht, wo du bist, hört jemand sagen: 4, 5, 6, dann weißt du, du musst boxen, stehst auf und weiter geht‘s.“

Nachtragend gegenüber seinen Gegnern war Kneer nicht. „Da gab es nie ein Problem, auch umgekehrt, wenn ich einen auf die Bretter geschickt habe. Man trinkt etwas zusammen und alles ist wieder gut.“

Atmen und riechen durch die Nase geht nicht

Schwere Verletzungen trug der gebürtige Augsburger nie von seinem Sport davon, außer ein paar Nasenbrüchen und dazugehörigen Operationen. „Ich kann zwar bis heute nicht mehr durch die Nase atmen und riechen. Und gerade ist sie auch nicht. Aber das macht nichts. “

Immer wieder sagte er sich, seiner Familie zuliebe, dass er aufhört, sogar mit Ehrenwort, doch dann machte er doch wieder weiter. „Ich habe sogar von Xaver Schmid beim TSV Königsbrunn einen Pokal für zehn Jahre aktives Aufhören bekommen“, schmunzelt Kneer. Irgendwann war dann doch Schluss. Aber dem Boxsport blieb er trotzdem treu.

Er begann, mit einem zwischenzeitlichen Ausflug als Trainer, eine unglaubliche Karriere als Ringrichter, die jetzt bereits 39 Jahre andauert. Doch nicht nur das. Bei einem internationalen Wettbewerb im Allgäu feierte Kneer kürzlich seine 500. Veranstaltung mit weißem Hemd und Fliege im Ring. Noch unglaublicher ist die Zahl der Kämpfe die er geleitet hat: Es sind rund 5000.

Niemand kann sich erinnern, dass das einem Ringrichter in Bayern schon mal gelungen wäre. „Darauf habe ich mit viel Ehrgeiz hingearbeitet und bin ich unheimlich stolz, vor allem auch, weil ich all die Jahre nie ausgepfiffen wurde“, so Kneer, der die Faszination des Ringrichter-Daseins so erklärt: „Du bist der Mittelpunkt, nicht nur dabei. Sie hören auf dein Wort. Du bist geachtet und beachtet. Und durch diese Tätigkeit hältst du dich jung.“ Was ihm auch so gut gefällt: „der Rummel, das ganze Trara und Drumherum, die Zuschauermassen, die Stimmung, das Erlebnis.“

Trotzdem ist jetzt bei dem Augsburger, der als Kämpfer und als Ringrichter hoch dekoriert ist, die Luft etwas raus. Vielleicht, weil er sein großes Ziel erreicht hat, vielleicht weil er nach 49 Jahren mit dem TSV Königsbrunn gebrochen hat: „Da war statt Kommunikation immer nur noch Konfrontation. Dann wechselte ich eben zur MBB-SG Augsburg. Hege aber keine Groll gegen meinen ehemaligen Verein, dem ich fast 50 Jahre treu war.“

Aufhören, darüber denkt der älteste Ringrichter Bayerns nicht nach, nur übers Kürzertreten: „Früher machte ich bei der Verbandsanfrage immer das Kreuz bei „möglichst viele Einsätze“. Das habe ich jetzt erstmals gelassen.“

Die Faszination Boxen ist aber bei ihm ungebrochen, auch wenn er seit einem Jahr nicht mehr regelmäßig ins Training geht. Seine Perspektive hat sich jetzt etwas verschoben: „Meine Frau, mit der ich 56 Jahre verheiratet bin, hat viel auf mich verzichten müssen. Jetzt widme ich mich ihr bei unseren täglichen rund zehn Kilometer langen Wanderungen und meiner ganzen Familie.“

Trotzdem, der ehemalige Kfz-Meister, der drei Kinder hat, von denen allerdings keines boxt, bricht nicht mit seiner Lieblingssportart: „Ich werde weiterhin im Ring stehen. Wie lange noch, das weiß ich nicht. Ich werde aber nie die Freundschaft und die Kontakte zu meinen Boxkollegen aufgeben. Denn die Kameradschaft, die Geselligkeit, das Zusammengehörigkeitsgefühl, das war mir immer schon ganz besonders wichtig.“ Und der ehemalige Bezirkssportwart fügt hinzu: „Mein ganzes Boxerleben war eine wunderschöne Zeit.“

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