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Auszeichnung

30.06.2017

„Blöder Ehrgeiz“ und sportliche Erfolge

Heinrich Johann Michael Lange zeigt die Urkunde für sein erstes Sportabzeichen. Inzwischen haben sich in seinem Ordner 60 Urkunden angesammelt. Foto: Anja Ringel

Der Königsbrunner Heinrich Johann Michael Lange macht seit 1958 jedes Jahr das Sportabzeichen. Der 79-Jährige sagt, dass dazu auch Glück gehört. Dreimal hätte er sein Ziel fast nicht erreicht

Seine Urkunden hat Heinrich Johann Michael Lange alle aufgehoben, hat sie ordentlich in Klarsichthüllen in einen Ordner geheftet. 60 Auszeichnungen haben sich inzwischen angesammelt. So oft hat der Königsbrunner das deutsche Sportabzeichen gemacht.

Zweimal hätte er seine Leistungen aufgrund eines Muskelfaserrisses fast nicht erbringen können: Lange musste jeweils drei bis vier Monate pausieren. Er schaffte es dann aber doch in allen Disziplinen rechtzeitig, seine Leistungen zu zeigen. Ein anderes Mal wurde es richtig knapp: Lange fehlte am 31. Dezember noch der Nachweis im Schwimmen. Der 79-Jährige erinnert sich, dass das Schwimmbad der Bundeswehr für längere Zeit gesperrt war. Er musste deshalb am letzten Tag des Jahres auf ein anderes Bad ausweichen.

Das Abzeichen wird vom Deutschen Olympischen Sportbund für überdurchschnittliche und vielseitige Leistungen verliehen. Um es zu erhalten, muss man in den Grundfähigkeiten Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Ausdauer entsprechende Leistungen erbringen. In welcher Disziplin der Sportler antritt, kann er selbst entscheiden. Das Abzeichen kann einmal im Jahr abgelegt werden.

Lange zeigt sein Können beim Seilspringen (Koordination), beim Medizinballwerfen (Kraft) und Schwimmen (Ausdauer und Schnelligkeit). „Früher bin ich immer gesprintet, aber im Alter kann man sich da schnell verletzen“, erklärt er. „Schwimmen schafft man dagegen immer.“

Jeden Mittwoch geht der 79-Jährige zum Sportabzeichen-Treff des TSV Königsbrunn und trainiert eineinhalb Stunden. Eine Lieblingsdisziplin hat er nicht. Er sucht sich immer wieder neue Herausforderungen – wie zum Beispiel das Seilspringen. Das wollte er vor vier Jahren ausprobieren und ist dabei geblieben, weil es ihm so viel Spaß macht. Sein erstes Sportabzeichen hat der ehemalige Soldat 1958 erhalten. Durch Sportlehrgänge bei der Bundeswehr habe er davon erfahren. Ab da hat er jedes Jahr mitgemacht. „Die Voraussetzung ist natürlich, dass man gesund bleibt. Glück gehört auch mit dazu“, erklärt der Königsbrunner. Sein 60. Abzeichen hat der Königsbrunner schon Anfang des Jahres abgelegt. Er wollte die Auszeichnung so schnell wie möglich haben. Das sei sein „blöder Ehrgeiz“ gewesen, endlich die 60. Urkunde zu bekommen, meint er. Deshalb fing er am 5. Januar an, seine Leistungen zu erbringen. Vier Tage später hatte Lange alle vier Disziplinen erfolgreich absolviert.

Der 79-Jährige achtet dabei nie auf die Zeiten: „Hauptsache, ich und die anderen Sportler schaffen es.“ Jedes Jahr frage er sich, ob er die Leistungen noch erbringen könne. Der Königsbrunner möchte mit dem Sportabzeichen außerdem möglichst viele Menschen zusammenbringen. Deshalb überzeugte er auch amerikanische Soldaten, die in der Region stationiert waren, das Sportabzeichen zu machen. „Die sind dann jedes Jahr mit dem Bus gekommen und haben ihre Leistungen erbracht“, erinnert er sich. In seiner Familie ist Lange dagegen ein „Einzelkämpfer“, konnte niemanden überzeugen, mit ihm zu trainieren.

Auch in seiner Freizeit beschäftigt sich der 79-Jährige mit Sport: Seit 15 Jahren ist er Archivar des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes. In seinem Büro stehen zig Ordner, an zwei Laptops aktualisiert er ständig Bestenlisten und Rekorde. Er wolle erreichen, dass die Chroniken weiterhin Aussagekraft haben, sagt Lange. Oft stehe online nur noch, welcher Verein einen Rekord aufgestellt hat. Der Name des Sportlers fehle dagegen. Nebenbei ist der Königsbrunner auch als Prüfer für das Sportabzeichen tätig.

An ein Ende seiner aktiven Karriere als Sportler denkt der 79-Jährige noch lange nicht: Geht es nach ihm, dann kommt im nächsten Jahr die 61. Auszeichnung in den Ordner.

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