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Medienwandel

26.10.2020

Nachrichten rund um die Uhr: Wie Digitalisierung unsere Arbeit verändert

Mehr als die Hälfte der Online-Leser kommen mittlerweile mit dem Smartphone auf unsere Internetseite.

Als unsere Zeitung vor 75 Jahren das erste Mal erschien, war das Internet noch weit weg. Seitdem hat sich die Welt gewandelt – und mit ihr auch der Journalismus.

Große technische Veränderungen setzen selten mit einem Knall ein. Stattdessen schleichen sie sich in den Alltag, so wie ein neuer Freund, der in immer kürzeren Abständen auftaucht, bis er aus dem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Eine solche Veränderung begann am 9. Januar 2007. Nicht mit einem Knall, aber immerhin doch mit einem kleinen Rumms.

Es war der Tag, an dem Steve Jobs auf eine Bühne in San Francisco trat und ein neues Internet-Zeitalter begründete. Die Bilder der Veranstaltung sind heute ein Stück Technik-Geschichte: Jobs, der damalige Chef des Apple-Konzerns, wie immer in Jeans, schwarzem Rollkragenpullover und weißen Turnschuhen, in der rechten Hand ein kleines, glänzendes Gerät – der Prototyp des iPhones, damals eine Neuerung, heute das erfolgreichste Smartphone und meistverkaufte Produkt aller Zeiten.

Wie kein anderes Gerät steht das iPhone für das mobile Internet

Welche gewaltigen Folgen seine Erfindung hatte, welche Veränderungen sie in Gang setzte, hat der 2011 verstorbene Jobs nicht mehr mitbekommen. Die Welt ist heute eine andere als im Jahr 2007 – und das hat nicht alles, aber doch viel mit dem kleinen, glänzenden Gegenstand zu tun, den der Apple-Chef an jenem Januarabend in San Francisco vorgestellt hat. Mittlerweile ist das iPhone längst nicht mehr das einzige Smartphone, aber wie kein anderes Gerät steht es stellvertretend für das mobile Internet, für unmittelbare und rasend schnelle Kommunikation. Im Schnitt 80 Mal pro Tag nimmt ein Deutscher sein Handy heute in die Hand, schreibt Textnachrichten, verschickt Bilder, telefoniert, liest Artikel, bucht Reisen, klickt sich durch Internet-Spiele, sucht die Liebe, kauft neue Schuhe oder lässt sich durch eine fremde Stadt navigieren. Wo noch vor 15 Jahren verschiedenste Geräte und Medien gebraucht wurden, reicht jetzt ein einziges, das noch dazu in die Hosentasche passt. Das hat Folgen für jeden Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft. Freizeit, Freundschaft, Politik und nicht zuletzt die Medienwelt funktionieren heute nach Regeln, die sich durch das Smartphone grundlegend gewandelt haben.

Heute sind Smartphones kaum mehr wegzudenken.
15 Bilder
Die Geschichte des Smartphones: Vom "Knochen" bis zum iPhone X
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Schon vorher hatte der Siegeszug des Internets den klassischen Ablauf des Nachrichten-Tages aufgeweicht. Neben die Zeitung am Frühstückstisch und die „Tagesschau“ am Abend traten immer öfter Nachrichten, die zu jeder Tageszeit im Internet abgerufen werden können. Seit 1999 veröffentlicht auch die Redaktion der Augsburger Allgemeinen ihre Beiträge im Netz. Die anfangs fünfköpfige Online-Redaktion digitalisierte die Artikel aus der gedruckten Zeitung, experimentierte mit Internet-Chats und schrieb eigene Texte. Statt um Druckzeiten, Zeilenlängen und Spaltenbreiten ging es nun um Sendezeiten, Klickraten und Ladeintervalle.

Aber erst mit der Erfindung des Smartphones, durch schnelleres Internet und höheres Datenvolumen auf den Geräten hat sich die Arbeit in der Redaktion grundlegend verändert. Plötzlich wurde es möglich, die Nachrichten nicht nur auf dem Computer abzurufen, sondern – wie die Zeitung – überall mit hinzunehmen. Mit einem internetfähigen Gerät können Leser heute an jedem Ort auf der Welt Artikel aus Augsburg und Bayern lesen. Ein unglaublicher Fortschritt, der noch vor 25 Jahren, als man höchstens ausgeschnittene Texte per Luftpost verschickte, für die meisten Menschen unvorstellbar schien.

Die Redaktion verschickt Eilmeldungen auf die Smartphones

Das Handy ersetzt für immer mehr Menschen den Computer komplett. Mehr als die Hälfte der Online-Nutzer der Augsburger Allgemeinen öffnet die Artikel mittlerweile mobil, also auf dem Smartphone. Dadurch, dass jeder seine Nachrichtenquelle stets in der Hosentasche hat, ist auch unser Journalismus schneller geworden, unmittelbarer. Bei aufsehenerregenden Ereignissen erhalten Zehntausende Leser Eilmeldungen aus unserer Redaktion auf ihr Handy. Muss – wie vor vier Jahren – die Augsburger Innenstadt wegen eines Bombenfunds evakuiert werden, dann berichtet die Redaktion rund um die Uhr, sendet Texte, dreht Videos und veröffentlicht Bilder. Lädt die Bundeskanzlerin gemeinsam mit dem Leiter des Robert-Koch-Instituts zu einer Corona-Pressekonferenz, dann ist der Inhalt auf unserer Internetseite in Echtzeit verfügbar. Die Nutzer können den Termin im Livestream über ihr Handy verfolgen und kurze Zeit später einen Bericht mit den wichtigsten Fakten abrufen. Und auch die digitale Zeitung ist früher beim Leser: Das e-Paper erscheint seit diesem Jahr bereits am Vorabend, landet also schon beim Abonnenten, während die Zeitung noch gedruckt wird.

In der Augsburger Jakobervorstadt ist bei Bauarbeiten eine 1,8 Tonnen schwere Fliegerbombe gefunden worden.
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Eine Stadt im Ausnahmezustand: Augsburg vor der Evakuierung
Bild: Silvio Wyszengrad

Das verändert auch den Alltag der Redakteure. Sie arbeiten heute sowohl für die Zeitung als auch die digitalen Kanäle, schreiben bei einem Außentermin nicht nur mit, sondern drehen auch mal ein Video oder stellen sich selbst vor die Kamera. Die Fäden der Online-Berichterstattung laufen bei der Digital-Redaktion zusammen. Das Team arbeitet an sieben Tagen in der Woche, sichtet Nachrichten, schreibt Artikel und bespielt die Kanäle in den sozialen Medien.

Die Leser sind es gewohnt, Nachrichten auf ihr Handy geliefert zu bekommen

Daneben arbeiten heute im Digital-Bereich immer mehr Experten, die sich um Technik und die Leserbindung im Netz kümmern. Datenanalysten, die auswerten, welche Artikel online besonders gut gelesen werden und wofür Nutzer im Internet Geld ausgeben. Social-Media-Spezialisten, die untersuchen, welche Artikel Leser in den Sozialen Netzwerken erwarten. Und Webmaster, die den technischen Betrieb der Internetseite und der Nachrichten-App im Blick haben.

Mit der Art und Weise, wie beim Start des Online-Portals im Jahr 1999 gearbeitet wurde, hat das nicht mehr viel zu tun – auch weil die Leser heute ganz andere Gewohnheiten haben. Das Leben mit dem Smartphone ist eingeübt, die Nutzer sind daran gewöhnt, wichtige Informationen auf ihr Gerät geliefert zu bekommen. Dazu gehört auch, dass die Inhalte an den Kanal oder das Gerät angepasst werden, auf dem die Nutzer ihnen begegnen. In der Digital-Redaktion entstehen deshalb nicht nur Textbeiträge, sondern auch Videos, Podcasts, Multimedia-Reportagen oder aufwendige Datenstücke. Die Herangehensweise an einen Beitrag hat sich dadurch gewandelt. Natürlich ist es weiterhin entscheidend, dass Artikel relevant sind, spannend und verständlich aufgeschrieben – aber viel Arbeit fließt auch in die Aufbereitung des Stücks, in die Art und Weise, wie und mit welchen Mitteln die Geschichte erzählt wird. Wenn sich also wie in diesem Sommer die Digital-Reporter Christina Heller-Beschnitt und Axel Hechelmann zum großen „Schwaben-Check“ aufmachen und erkunden, wie die Corona-Krise die heimische Wirtschaft getroffen hat, dann geht es zunächst darum, Gesprächspartner zu finden, Termine auszumachen, mit Experten zu sprechen – so wie es Journalisten seit Jahrzehnten praktizieren.

Redakteur Axel Hechelmann bei der Podcast-Aufnahme.
Bild: Daniela Kreisl

Im zweiten Schritt kümmern sich die Reporter dann aber um Fragen, die vor zehn Jahren kaum eine Rolle gespielt haben: Welche Szenen bieten sich für Videobeiträge an? Lassen sich Orte mit einer 360-Grad-Kamera filmen? Welche digitalen Grafiken ergänzen den Text? Zu welchen Uhrzeiten soll die Reportage ausgespielt werden? Das Ziel ist, dass die Leser sich an ihrem PC oder dem Smartphone in den Text vertiefen, die Videos anschauen, durch die Grafiken klicken – und am Ende das Gefühl haben, ein Thema von allen Seiten und mit möglichst vielen Sinnen erfasst zu haben.

Nichts weniger als das hatte wohl auch Steve Jobs im Sinn, als er im Januar 2007 über das kleine, glänzende Gerät in seiner Hand wischte und in die Menge rief: „Es funktioniert wie Zauberei!“

Sämtliche Inhalte zum 75-jährigen Jubiläum der Augsburger Allgemeinen finden Sie hier.

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