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Rätselhafte Orte
20.07.2017

Eine Kapelle mitten im Wald - Von ihr geht eine besondere Magie aus

Foto: Siegfried P. Rupprecht

Für viele Menschen ist es ein Kraftort, hier können Körper und Geist zur Ruhe kommen. Die Kappelle selbst hat allerdings auch bewegte Zeiten hinter sich.

Die Scheppacher Kapelle, mitten im Wald zwei Kilometer östlich des Gessertshauser Ortsteils Döpshofen gelegen, ist nicht nur ein geschütztes Baudenkmal, sondern gilt bei vielen Menschen als Kraftort. Die Wirkung spüre man vor allem im Sommer, wenn sich die Sonnenstrahlen durch die Bäume zur Kapelle bahnen, oder wenn im Herbst die Nebelschwaden über den Weiher und das Gotteshaus streichen. Energieerfüllt fühlen sich auch Wallfahrer, die von Burgwalden hierherwandern.

Beruhigung und Stärkung für Körper und Geist

Schon früh wurde der Kapelle, ihrem Muttergottesbild und dem atmosphärischen Umfeld eine positive Aura bescheinigt. Pilger bezeichnen sie als aufladend und aufbauend, als Beruhigung und Stärkung für Körper und Geist. Wer das alles ins Reich der Einbildung verweist, der kommt zumindest an der Feststellung nicht vorbei, dass die Kapelle eine Stätte der Stille und Magie ist. Das kleine Bethaus ist eng mit der Geschichte des einst hier gelegenen Weilers Scheppach verbunden. Dort hatte das Kloster Oberschönenfeld 1601 eine Kapelle errichten lassen. Äbtissin Walburga Schüßler stattete den Bau mit einem aus dem 15. Jahrhundert stammenden Muttergottesbild aus.

Im Dreißigjährigen Krieg verwüstet

Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Gutshäuser und die Kapelle verwüstet. Letztere wurde 1741 von Äbtissin Viktoria Farget wieder aufgebaut und mit einem Langhaus und einen Stuckmarmoraltar versehen. In einem Artikel des Katholischen Sonntagsblattes vom Oktober 1930 beschrieb Jakob Fischer die Kirche in Erinnerung an seine Kindheit um 1850. "Die Madonna war mit einem goldenen Band umgürtet und über ihre Schultern fiel ein goldener Mantel herab. Das Gnadenbild war umrahmt von Votivgegenständen. Die Tafeln waren mit den immer wiederkehrenden Worten 'Maria hat geholfen' versehen."

Ungewöhnlich viele Namen für eine Kapelle

Bis zur Säkularisation 1802/1803 waren die wenigen Bewohner des Scheppacher Hofs Oberschönenfeld zugewiesen. Als in der Klosterkirche keine Gottesdienste mehr abgehalten wurden, kamen sie im Dezember 1825 durch eine "Entpfarrung" nach Döpshofen, wie Kirchenpfleger Josef Trometer aus Wollishausen in seiner "Chronik der Pfarrei Dietkirch über 1000 Jahre" notiert hat.

Foto: Elmar Knöchel

1864 wurde das Gut wegen Ertragslosigkeit abgerissen. Auch das Schiff der Kapelle fiel der Spitzhacke zum Opfer. Nur der Chor blieb als Feldkapelle erhalten. 1927 wurde die Kapelle saniert. Heute erinnern nur noch die Kapelle im Wald und die Weiher an die frühere kleine Siedlung.

Ungewöhnlich ist die vielfältige Namensgebung der Kapelle. Sie wird als "Loreto-Kapelle", "Maria im Rauhen Forst" oder "Unsere liebe Frau vom Rauhen Forst" bezeichnet. Allgemein geläufig ist bis in die Gegenwart die Bezeichnung Scheppacher Kapelle. Das spätgotische Gnadenbild ist dort aber nicht mehr zu sehen. Es wurde in die Hauskapelle der Abtei ausgelagert.

Neben ihrer Eigenschaft als Kraftort ist die Kapelle seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch als Anziehungspunkt von Marienwallfahrten bekannt. Eine der größten ist die Wallfahrt der Veteranen- und Reservistenvereine.

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