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Soziales

28.10.2017

Ein Prozent vom Jahresgehalt

Mats Hummels
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Mats Hummels

Im Projekt Common Goal verpflichten sich Fußballstars wie Mats Hummels oder Shinji Kagawa, ein Hundertstel ihres Einkommens zu spenden. Die Aktion hat nicht nur Befürworter

Wem könnte man mit einem Prozent von Lionel Messis zweistelligem Millionengehalt alles helfen in der Welt? Natürlich engagiert sich der Superstar vom FC Barcelona auch im sozialen Bereich, bisher aber nicht bei Common Goal. Das Projekt der Organisation Streetfootballworld rückt nach nur wenigen Monaten immer mehr in die Öffentlichkeit: Insgesamt 18 Profis, darunter Weltmeister Mats Hummels und Hoffenheims Julian Nagelsmann als bisher einziger Trainer, spenden ein Prozent ihres Gehalts. Wohin aber fließt das Geld?

Den Ball ins Rollen brachte Juan Mata. Der spanische Nationalspieler von Manchester United erklärte als Erster, ein Prozent – vor Steuer – seines Jahresgehalts an Common Goal zu spenden. Was laut englischer Medienberichte etwa 86000 Euro von 8,6 Millionen Euro sind. Aus der Bundesliga dabei sind bei der Aktion auch Dennis Aogo vom VfB Stuttgart, Shinji Kagawa von Borussia Dortmund und Serge Gnabry von 1899 Hoffenheim. „Es ist, als lebten wir in einer Blase“, erklärte Mata in einem Interview. Die Erkenntnis, dass die Profiwelt mit ihren überhitzten Gehältern und Ablösesummen kaum noch etwas mit dem normalen Leben zu tun hat, ist natürlich auch im Spitzenfußball angekommen. Unter der Überschrift „Im Fußball gibt es nicht nur Gier“, erklärte Nagelsmann in der Süddeutschen Zeitung ausführlich, warum er sich der Common-Goal-Bewegung anschließe und sagte auch: „Seien wir ehrlich: Das eine Prozent ist für uns alle, die wir in dieser Branche sehr gut verdienen, kein Problem.“ Man solle die Wucht des Fußballs nutzen, um eine soziale Wirkung zu erzielen.

Genau das hat Jürgen Griesbeck vor. Der Sportwissenschaftler aus Berlin baute in 20 Jahren Streetfootballworld auf eine gemeinnützige GmbH. Diese arbeitet nach eigenen Angaben mit 127 Organisationen in 81 Ländern zusammen und sieht sich als „Partnerschaftsbauer“ bei Hilfsprojekten. Daraus wuchs Common Goal, eine Initiative, die als Fonds der King Baudouin Foundation in Belgien angeschlossen ist. „Fußball hat sich als Industriezweig entwickelt, zu einem wirtschaftlichen Power-Haus. Wir wollen zwischen zwei unterschiedlichen Welten eine Verbindung schaffen und versuchen, eine Philanthrophie zu verankern“, sagte Griesbeck. Auf der Homepage heißt es: „Changing the world through football.“ – „Die Welt ändern durch Fußball.“

Griesbeck hat eine Vision: „Wir sehen das Potenzial, dass sich der ganze Fußball beteiligt.“ Der ganze Profifußball auf der ganzen Welt. Erste Ergebnisse für Common Goal will der 52-Jährige im zweiten Quartal 2018 präsentieren: Er erwartet ein Investitionsvolumen von etwa einer halben Million Euro. Vereinbarungen seien derzeit mit rund zehn weiteren Fußballprofis getroffen. Griesbeck verspricht „höchste Transparenz“: 90 Prozent der Spenden sollen direkt ankommen, zehn Prozent an Verwaltung und Weiterentwicklung des Projekts gehen. Streetfootballworld führt als Partner unter anderem die Fifa und Uefa an und auch die Bundesregierung. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) seit zehn Jahren mit der Organisation zusammen.

Für das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das das bekannte Spenden-Siegel vergibt, wirft Streetfootballworld Fragen auf. „Bei Common Goal ist keine eindeutige Trägerstruktur zu erkennen. Überhaupt bleibt auf beiden Websites vieles offen. Eine transparente Gesellschaft hat ganz klar ihre Gremien aufgelistet, insbesondere dann, wenn sie wie im Fall von Streetfootballworld für sich in Anspruch nimmt, eine NGO zu sein, also eine Nichtregierungsorganisation“, sagt Geschäftsführer Burkhard Wilke. (dpa)

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