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Homosexualität im Fußball: Gibt's doch gar nicht. Oder?

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Kommentar Von Florian Eisele
21.10.2019

Der Umgang mit Homosexualität im Fußball ist immer noch ein großes Tabu-Thema. Es gibt aber auch Beispiele, die Mut machen.

Seit einigen Tagen sorgt ein Twitter-Account für Aufsehen. Das alleine wäre in der allgemeinen Aufgeregtheit des Internets noch keiner großen Rede wert. Das Thema des Twitter-Nutzers ist aber eines, das immer noch ein Tabu ist: Homosexualität im Fußball.

Unter dem Namen „gay_Bundesligaspieler“ schrieb der bislang Unbekannte: „Ich bin ein schwuler Spieler der 2. Bundesliga. Ich möchte mich bald outen, um das Versteckspiel zu beenden. Ich teste hier, ob ich den Druck aushalten kann.“

 

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Innerhalb kurzer Zeit hatte der Account rund 13 000 Follower, seine bislang 18 Tweets erhielten tausende Kommentare. Unter anderem meldete sich am Samstag ein weiterer Twitter-User mit dem Namen „Gay_1LigaSpieler“, der angab, bei einem Erstligaklub unter Vertrag zu stehen und sich am Samstag outen zu wollen. Als Reaktion gab es einen breiten Zuspruch, unter anderem meldeten sich Borussia Dortmund und der Grünen-Politiker Volker Beck.

Homosexuelle Politiker, Unternehmer oder Schauspieler - kein Problem. Aber ein Fußballer?

Unklar ist zwar weiterhin, wie hoch der Wahrheitsgehalt der beiden Accounts ist und ob sich nicht jemand einen Spaß erlaubt. Was die Aufregung aber einmal mehr zeigt ist, wie groß die Verkrampfung in Bezug auf dieses Thema ist. Politiker, Unternehmer oder Schauspieler, die sich als homosexuell outen – kein Problem, keine Aufregung, weiter im Programm. Aber ein Fußballer? Als Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, der seine Karriere schon beendet hatte, sich vor einigen Jahren bei der Zeit outete, ging der Server des Portals kurzzeitig in die Knie. Ein aktiver Kicker, der sein Coming-Out hat, scheint im Jahr 2019 immer noch unvorstellbar zu sein.

Zugleich macht das Beispiel Hitzlsperger aber auch Mut. Denn bereut, seine sexuelle Orientierung zu einem öffentlichen Thema zu machen – das habe er nie, betonte der Ex-Profi erst kürzlich. Aus dem Macho-Geschäft Fußball hat sich der 37-Jährige nicht verabschiedet, sondern ist aktuell Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart. Öffentliche Anfeindungen gegen ihn gibt es kaum – auch weil es in der Bundesliga-Fanszene viele Kampagnen gegen Homophobie gibt. Viele Vereine haben sogar schwul-lesbische Fanklubs.

Ist dieses Thema, um das es so viel Wirbel gibt, am Ende gar kein so großes? Das wird sich leider erst dann zeigen, wenn der erste Profi sich tatsächlich outet.

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