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Ski alpin

28.01.2019

Kitzbühel: Die Gams bleibt in der Familie Ferstl

Wie der Vater, so der Sohn. Sepp Ferstl überreichte seinem Sohn Josef die goldene Gams für den Sieg im Super-G von Kitzbühel.
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Wie der Vater, so der Sohn. Sepp Ferstl überreichte seinem Sohn Josef die goldene Gams für den Sieg im Super-G von Kitzbühel.
Bild: dpa

40 Jahre nach seinem Vater gelingt auch Josef Ferstl ein Sieg in Kitzbühel. Gefeiert wurde unterschiedlich: Der eine ließ es krachen, der andere blieb nüchtern.

 Hätte man einen Schriftsteller für diese Geschichte suchen wollen, man wäre bei einem Spezialisten für Kitsch gelandet. Da gewinnt der Vater Ende der 1970er zweimal das berühmte Abfahrtsrennen in Kitzbühel. Und jetzt, 40 Jahre später, gewinnt dort auch der Sohn - wenn auch „nur“ den Super-G, den es damals noch gar nicht gab. Zudem diese Geschichte ja nicht neu ist. Christian und Felix Neureuther haben schon eine ganz ähnliche Version davon geschrieben. Am Sonntag sorgten Sepp und Josef Ferstl für eine Neuauflage. Der eine gewann 1978 und 1979 in Kitzbühel, der andere 2019.

Die Reaktionen der beiden auf ihre Siege könnten aber unterschiedlicher kaum sein. Ferstl senior hatte 1978, nach seinem ersten Kitzbühel-Sieg, zu Protokoll gegeben: „Heut bin ich den ganzen Tag blau.“ Allzu luxuriös dürfte die Feier aber nicht ausgefallen sein, denn der Erfolg bescherte ihm damals zwar 10000 Mark – diese landeten aber in Form einer Ausbildungsrücklagenprämie auf einem Sperrkonto des Deutschen Skiverbands.

Auch die Vorbereitung auf das Rennen damals war wenig professionell. Am Abend zuvor hatte Ferstl zusammen mit seiner Freundin die örtliche Spielbank besucht. „Danach schlichen wir heimlich um Viertel nach Elf, über eine Stunde nach dem Zapfenstreich, aufs Zimmer“, zitierte ihn 1978 unsere Zeitung. Und: „Vielleicht bin ich deshalb so locker gefahren.“

40 Jahre später saß der Senior auf der Tribüne im Zielbereich des Rennens und fieberte mit seinem Sohn mit. Später überreichte er dem Filius dann die riesige Gams-Trophäe, die jeder Sieger bekommt – die dritte der Familie Ferstl. „Es war ein atemberaubender Tag“, sagte Ferstl junior am Sonntag im BR und erzählte noch einmal, was ihm als Erstes durch den Kopf geschossen war, als der Triumph feststand: „Ich will eine eigene Gondel. Nicht eine mit meinem Vater zusammen. Aber das haben sie mir sofort zugesagt.“ Zur Erklärung: Die Sieger bekommen in Kitzbühel eine Gondel, die deren Namen trägt.

Groß gefeiert habe er nicht, erzählte Ferstl weiter. Er müsse konzentriert bleiben „und ja nicht die Spannung rausnehmen. Nach der WM haben wir dann ein bisschen Luft“. Schon am kommenden Samstag steht das Rennen auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen an, am Sonntag fliegt der 30-Jährige zur WM nach Schweden.

Ein Titelfavorit sei der jetzt zweifache Weltcupsieger dort aber noch lange nicht, sagt Frank Wörndl. Der Slalom-Weltmeister von 1987 hat Ferstls Rennen als Experte für Eurosport kommentiert. „Selbstvertrauen hat er jetzt – und das brauchst du auch, um eine Medaille zu gewinnen. Aber Selbstvertrauen allein reicht nicht.“ In Are seien die Bedingungen und der Kurs komplett anders. „Das ist ein neues Rennen, alles geht wieder bei null los.“

In Kitzbühel habe man schnell gesehen, dass das ein Sensationslauf wird. „Der hat die Ski richtig laufen lassen und voll durchgezogen“, sagt Wörndl. Genau wie sein Vater sei Ferstl ein Draufgänger, wenn er das Starthaus verlasse, „nur dass er mehr Gefühl hat. Und neben der Piste ist er ein bisschen geerdeter.“ Nicht umsonst habe Ferstl senior den Spitznamen „Joe Wahnsinn“ gehabt.

Und in noch einem Punkt hat sich in den 40 Jahren zwischen den beiden Siegen einiges getan. Das Preisgeld für den Sieg im Super-G beträgt 55500 Euro – zur freien Verfügung. Die Zeit der Sperrkonten ist vorbei.

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