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Eishockey-WM 2019

16.05.2019

Markus Eisenschmid: Der Mann, der die Sensation einleitete

Schwer zu stoppen und ein präziser Schütze: Markus Eisenschmid glänzt im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Das Viertelfinale ist dem Team kaum noch zu nehmen.
Bild: gettyimages

Bundestrainer Söderholm glaubt an die Fähigkeiten von Markus Eisenschmid, der die deutsche Scorerliste anführt. Die Welt der Kaufbeurer Familie ist eine Scheibe.

Verschwitzt und grinsend stapft Markus Eisenschmid aus der Steel Arena von Kosice in die Interview-Zone. Vor wenigen Minuten war die stählerne Arena noch ein brodelnder Hexenkessel gewesen, gefüllt mit Slowaken. Bis zwei Minuten vor Schluss hatten die Fans des WM-Gastgebers geglaubt, dass alles gut wird und die Eishockey-Nation eine gute Viertelfinal-Chance besitzt. 2:1 führten die Gastgeber gegen Deutschland, bis Eisenschmid am rechten Bullypunkt mächtig ausholte. Sein Bundestrainer Toni Söderholm dachte an der Bank nur: "Augen zu und hau das Ding rein." Eisenschmid gehorchte und traf 1:52 Minuten vor Schluss zum 2:2.

"Da war es plötzlich leise", schildert der deutsche Außen die Stimmung an dem denkwürdigen Abend. Das Entsetzen auf den Rängen und dem Eis nutzte Leon Draisaitl aus. Der NHL-Star der Edmonton Oilers begrub 27 Sekunden vor Ende mit dem 3:2 die Hoffnung des kleinen Staates und großen Eishockey-Landes auf einen Erfolg bei der Heim-WM. Jetzt jubelten nur noch die Deutschen. Mit vier Siegen ist eine DEB-Auswahl seit 90 Jahren nicht mehr in eine WM gestartet.

Auch bei den Adler Mannheim hat Eisenschmid eine starke Saison hinter sich

"Das ist unglaublich. Aber wir wissen, dass wir eine talentierte Mannschaft haben", erzählt Eisenschmid, dessen erstes WM-Tor eine verrückte Partie drehte. Der Stürmer setzte fort, was er die ganze Saison über gezeigt hat. Mit 28 Saisontreffern gebührt ihm großer Anteil am Mannheimer Meistertitel. In der Ostslowakei traf er den Puck bis zum vierten Match nie perfekt. "Ich wollte nur weiter schießen und schießen, den Frust nicht in meinen Kopf lassen", schildert der 24-Jährige seine Gedanken. Außerdem legte er das 1:0 von Marc Michaelis auf. Mit vier Pässen und einem Treffer führt der Stürmer die deutsche Scorerliste an. Dafür hat Toni Söderholm den Angreifer eigentlich nicht geholt: "Er soll das machen, was er in Mannheim gemacht hat: Tore schießen."

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Bislang glänzt er aber als Vorbereiter, während Leon Draisaitl mit drei WM-Treffern wie erwartet die Torjäger-Rolle einnimmt. Der 23-Jährige spielt für die Edmonton Oilers in der National Hockey League. Das war auch das Ziel von Eisenschmid. Nach dem Abitur verließ der 18-Jährige seine Heimat und versuchte sein Glück in Nordamerika. Bei den Junioren der Medicine Hat Tigers genoss er eine gute Hockey-Ausbildung. Später stattete ihn der NHL-Klub Montréal Canadiens mit einem Vertrag für die American Hockey-League aus. Der Sprung in die beste Liga der Welt glückte nicht, noch nicht. "Die NHL ist schon noch ein Ziel von mir." Nach der WM-Premiere 2018 für Deutschland nahm Mannheim den Torjäger unter Vertrag.

Seine Familie drückt in Kaufbeuren vor dem Fernseher die Daumen

Wenn die Nummer 58 in Kosice stürmt, drückt die Familie in Kaufbeuren vor dem Fernseher die Daumen. Die Welt der Eisenschmids ist eine Scheibe. Eltern Brigitte und Horst engagieren sich im Nachwuchs des ESVK. Beide Schwestern gehören der deutschen Frauen-Nationalmannschaft an. Die Verteidigerin Tanja, 26, studiert in den USA am College und spielt für die Minnesota Whitecaps in der nordamerikanischen National Women’s Hockey League. Die 22-jährige Nicola stürmt für den ECDC Memmingen und feierte vor kurzem den Gewinn des deutschen Meistertitels.

Markus Eisenschmid sorgt in der Ostslowakei für Furore. Die Reise des Nationalteams ist noch lange nicht beendet. Zum Vorrunden-Finale warten Kanada (Samstag), USA (Sonntag) und Finnland (Dienstag). "Jetzt kommen die schweren Brocken. Da können wir ein bisschen locker durch die Hose atmen", meint Verteidiger Korbinian Holzer. Das Viertelfinale ist dem Nationalteam nur noch theoretisch zu nehmen.

Und was kommt dann? Eine Medaille, der Titel? Eisenschmid glaubt an sein Team: "Nichts ist unmöglich. Bei der WM sind schon viele verrückte Dinge passiert."

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