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Naiv oder dumm? Nazi-Propaganda taucht in IOC-Tweet auf

Naiv oder dumm? Nazi-Propaganda taucht in IOC-Tweet auf
Kommentar Von Andreas Kornes
26.07.2020

Plus Naiv ist, wer Umstände und Handlungen nicht angemessen bewerten kann. Kleine Kinder zum Beispiel. Manchmal sind aber auch PR-Strategen naiv - um es vorsichtig zu formulieren.

Naiv ist, wer Umstände und Handlungen nicht angemessen bewerten kann. Kleine Kinder sind oft naiv. Das ist manchmal lustig, traurig und bezaubernd zugleich. Wenn Kinder zum Beispiel lernen müssen, dass Menschen sterben. Dann stellen sie Fragen. Ob denn der Gestorbene Hunger hat. Oder ob es da, wo er jetzt ist, auch Kuscheltiere gibt. Das Traurige verliert in diesen Momenten von seinem Schrecken.

Anders verhält es sich, wenn Erwachsene naiv sind. Oft gelte naiv als Synonym für leichtgläubig, arglos, leicht verführbar oder unwissend, schreibt Wikipedia. Man möchte dumm, oder mindestens unklug zu der Liste hinzufügen. Denn mindestens unklug ist es, unreflektiert Propagandamaterial aus der NS-Zeit auf dem Twitter-Account des Internationalen Olympischen Komitees ( IOC) zu veröffentlichen. So geschehen am Ende der vergangenen Woche.

IOC-Tweet zeigt Nazi-Propagando von Olympia 1936

Ein Jahr vor Beginn der verschobenen Sommerspiele von Tokio wollte die PR-Abteilung des IOC an den ersten olympischen Fackellauf erinnern. Der fand korrekterweise im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 in Berlin statt – perfekt ausgeschlachtet von den Nazi-Propagandisten. Szenen aus Leni Riefenstahls Film "Olympia" sind in dem kurzen Video des IOC zu sehen.

Naiv oder dumm? Nazi-Propaganda taucht in IOC-Tweet auf

Es sollte sich auch bis in die höchsten Gremien des IOC herumgesprochen haben, dass beim Umgang mit dem Dritten Reich allergrößte Sensibilität gefordert ist. Es bedarf zwingend einer historischen Einordnung, wenn Propagandamaterial der Nationalsozialisten verwendet wird. Denn es sollte sich ebenfalls herumgesprochen haben, dass die Nazis die Olympischen Spiele 1936 vor allem dazu nutzten, das eigene Image aufzupolieren, während am Horizont schon die größte Katastrophe der Menschheit heraufdämmerte.

Als Olympia-Gastgeber 2022 darf sich auch China in ein günstiges Licht rücken

Quasi nebenbei schufen die Nationalsozialisten eine Vorlage, die zur Nachahmung anregt. China darf sich nach den Sommerspielen 2008 bald auch als Gastgeber der Winterspiele 2022 vor den Augen der Weltöffentlichkeit in ein günstiges Licht rücken. Gleichzeitig werfen die Vereinten Nationen und zahlreiche westliche Regierungen China vor, mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime in Lagern interniert zu haben.

Angesichts dieses Rahmens wirkt das kleine Filmchen des IOC schon sehr naiv, um es vorsichtig zu formulieren. Nach lauter Kritik in den Kommentarspalten wurde es inzwischen entfernt. Immerhin.

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