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Nations League
15.10.2018

Immer noch keinen Plan

Joachim Löw wirkt ratlos. Das 0:3 gegen die Niederlande war das dritte Pflichtspiel in Folge ohne eigenes Tor. Und hinten patzen die ehemaligen Stützen. Keine guten Voraussetzungen für das Frankreich-Spiel am Dienstag.
Foto: Emmanuel Dunand, afp

Die deutsche Nationalmannschaft verliert 0:3 in den Niederlanden und hat wie ihr Trainer Löw ein echtes Problem. Gegner Frankreich scheint am Dienstag unüberwindbar

Als draußen in der Arena von Amsterdam noch Rafael van der Vaart und Dirk Kuyt in den niederländischen Fußball-Ruhestand verabschiedet wurden und manch einer scherzte, sie würden beim deutschen Bundestrainer Joachim Löw längst nicht abgeschrieben sein, hatte Löw im Bauch des Stadions mit einem niederländischen Fragesteller zu kämpfen. Ob das denn nun eines seiner letzten Länderspiele gewesen sei, fragte der Niederländer in englischer Sprache etwas ungelenk nach dem 3:0-Sieg von Oranje in der Nations League. Löw verstand nicht recht, fragte dann seinen Pressemann Jens Grittner, ob er nach dem „schwächsten Länderspiel“ gefragt worden sei. Und dann musste Grittner ihn sichtbar unter eigenen Schmerzen berichtigen. So direkt, das stand fest, ist Löw noch niemand gekommen, das Ganze war ein etwas unwürdiges Schauspiel, aber dann rang sich der blasse Löw zu Haltung durch: Da müsse er jemanden anderen fragen, sagte er höflich, das habe er nicht zu entscheiden. Es war einer jener Momente, in denen das Denkmal des Bundestrainers bröckelte, dass man die Teile auf dem Boden aufschlagen hörte.

Jene Spieler, die Löw und allen jungen deutschen Fußballern Stütze sein sollten, äußerten sich ähnlich angegriffen. Mats Hummels diagnostizierte zum Beispiel, dass man „rein spielerisch vieles gut gemacht“ habe, und: „Es war nicht sehr gut, es war auch nicht perfekt, bei weitem nicht. Aber es war auch nicht schlechter als der Gegner.“ Aussagen, die wirklich niemandem weiterhelfen werden.

Vielleicht ist es menschlich, in Abwehrhaltung zu gehen, vielleicht ist es auch normal, dass man als Weltmeister mehr Respekt erwartet, aber niemals sind die Entwicklungen im Weltfußball schneller vorangeschritten als in diesen Monaten. Dass daraus nichts erwachsen soll, ist naiv. Kein Plan B, immer noch nicht. Und die Entwicklung der jungen deutschen Spieler wie Leroy Sané, Julian Brandt oder Julian Draxler stagniert derzeit auch, weil sie keinerlei Vertrauen vom Bundestrainer erhalten. Der betonte auch nach dem 0:3 in Amsterdam, bei dem sie allesamt Einwechselspieler waren, wie wichtig die Achse der Erfahrenen sei. Dass ihm diese Achse mit Neuer, Hummels, Boateng, Kroos und Müller ein weiteres Mal komplett weggebrochen war, erwähnte Löw nicht. Stattdessen verkündete er Weisheiten, die andere Nationen im Monatsrhythmus ad absurdum führen: „Wir dürfen nicht von den jungen Spielern, die 20, 21, 22 Jahre alt sind, Wunderdinge erwarten.“ Zudem die Rüge, dass deren Chancenverwertung und Qualität eben noch nicht ausreiche.

Den Deutschen droht nun vor dem Spiel am Dienstag in Paris (20.45 Uhr, ARD) gegen Frankreich der Abstieg aus der höchsten Liga der Nations League. Und niemand da, der Halt gibt. Frankreich scheint plötzlich wie ein völlig unüberwindbares Hindernis. „Die haben richtig Bock, gegen uns zu zocken. Und sie sind besser als die Niederlande“, drohte Julian Draxler, der engagiert spielte, aber auch patzte vor den Konter-Gegentoren zwei und drei.

Vor dem Hintergrund, dass das Leistungsprinzip bei Löw außer Kraft gesetzt scheint, fehlt jeder Halt in einer strukturschwachen Mannschaft ohne Anführer: Neuer der vor dem 0:1 durch Virgil van Dijk patzte, ist es nicht, Kroos und Hummels sind dafür ungeeignet, Boateng (der gegen Frankreich wegen einer Verletzung ausfallen wird) und der chronisch torlose Müller haben zu viel mit sich selbst zu tun.

Das Werk eines Erneuerers kommt für gewöhnlich freudvoller daher. Oder ist der Trainer eben gar keiner? Bis zur WM 2022 in Katar läuft Löws Vertrag. Laut Süddeutscher Zeitung gibt es eine beiderseitige Ausstiegsklausel nach der EM 2020, für die aber erst einmal die Qualifikation her muss. Von solchen Selbstverständlichkeiten sollte niemand mehr ausgehen. (dpa)

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