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Sportpolitik

03.05.2020

Neu geplantes Referat: Wird der Augsburger Sport an den Rand gedrückt?

Dass die Einhausung der Eisbahn II neben dem Curt-Frenzel-Stadion nicht als Maßnahme im neuen Koalitionsvertrag verankert ist, macht den Augsburger Sportpolitikern Sorgen.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Polizei SV-Vorstand Hans Wengenmeir hält nichts vom neuen Referatszuschnitt. Der Stadtrat der Freien Wähler befürchtet, dass das Hauptaugenmerk der Kultur gilt.

Hans Wengenmeir hat zum neu geplanten Sport- und Kulturreferat in Augsburg eine klare Meinung. "Für den Sport ist das keine gute Sache. Im Kulturbereich engagieren sich zum Großteil hauptamtliche Akteure, er stellt Profis in allen Bereichen. Im Sport sind doch fast nur Ehrenamtliche tätig", sagt der 66-Jährige. Er befürchtet, dass der Sport im neuen Referat an den Rand gedrückt wird. Dass der neue Referent (Wengenmeir: "Es stellt sich die Frage, welches Anforderungsprofil der neue Referent bei der Ausschreibung erfüllen soll?") sein Hauptaugenmerk auf die Kultur legen wird, fast muss. "Die Kultur hat eine Riesenlobby, da wird es der Sport schwer haben, sich zu behaupten", ist sich Wengenmeir sicher.

Der ehemalige Kriminalhauptkommissar weiß, wovon er spricht. Seit über 20 Jahren ist er in der Vorstandschaft des Polizei SV Augsburg tätig, seit drei Jahren leitet der 66-Jährige den Mehrsparten-Verein mit rund 800 Mitgliedern und er ist seit Jahren Mitglied im Sportbeirat. Wengenmeir steht durchaus stellvertretend für viele Akteure aus beiden Lagern, die der Zusammenlegung von Sport und Kultur oder Kultur und Sport ablehnend gegenüberstehen.

Zwei Bummelzüge unterwegs

Auch Wolfgang Taubert, der die Projektkoordination Sport und Integration beim Freiwilligen-Zentrum Augsburg innehat, hält vom neuen Referatszuschnitt nichts: "Ich befürchte, dass da zwei Bummelzüge nebeneinander herfahren und keine Schnellzüge. Ich hätte mir gewünscht, dass die neue politische Stadtspitze gerade in diesen Corona-Zeiten ein neues Referat Sport, Integration und Gesundheit bildet, das aus meiner Sicht hervorragend zusammenpassen würde."

In den vergangenen sechs Jahren war der Sport im Ordnungsreferat angesiedelt. Zwei Bereiche, die so gut wie keine Berührungspunkte hatten, in denen Referent Dirk Wurm auch keine Interessenkonflikte befürchten musste. Wengenmeir und sein Sportbeiratskollege Taubert konnten damit gut leben.

Doch jetzt beschleicht beide Sportfunktionäre ein ungutes Gefühl. Gar nicht so sehr, weil Sport und Kultur von 2008 bis 2014 schon einmal zusammengelegt waren. Sie wollen nicht zurückblicken. Sie wollen aktiv gestalten, doch die Zukunft des Sports in der Stadt Augsburg bereitet ihnen Sorgen.

Eher fachliche als sportliche Leitung

Das kann man durchaus nachvollziehen. Denn für den neuen Referenten sollte ja gerade das Sport- und Bäderamt eine Stütze bei der Einarbeitung sein. Doch das ist mit den beiden neuen Amtsleiterinnen Petra Keller und Ulrike Greiffenberg, die sich seit ungefähr einem Jahr die Leitung teilen, selbst noch nicht so gefestigt. Ihr Vorgänger, Robert Zenner, war bei den Vereinen anerkannt, weil er seine Wurzeln im Sport hatte, die Sichtweise der Vereine verstand. Wie zu hören ist, sollen die beiden Juristinnen "eine eher fachliche als eine sportliche Leitung" sein.

Auch beim Blick in den schwarz-grünen Koalitionsvertrag schwant den beiden nichts Gutes. Wengenmeir hat sogar fachliche Fehler festgestellt. Er fragt: "Keine Schließung von Bädern, sondern Sanierung aller Bäder? Das Haunstetter Hallenbad ist laut Expertise nicht sanierbar. Oder gibt es neue Erkenntnisse?"

Nachwuchsarbeit der Augsburger Panther gefährdet

Die vermehrte Nutzung der Bahn I im Curt-Frenzel-Stadion sieht er ohne Einhausung der Bahn II, die im Koalitionsvertrag nicht erwähnt wird, kritisch: "Neben den Eiskunstläufern und Eisstockschützen würde vor allem die Nachwuchsarbeit des AEV massiv leiden. Die mühsam und mit viel Engagement erreichten Sterne als Kaderschmiede im Eishockey wären massiv gefährdet." Wengenmeir fehlt unter anderem auch ein Bekenntnis zur Sanierung der Erhard-Wunderlich-Halle. Dort dürfen seit Jahren nur noch maximal 300 Zuschauer zu Veranstaltungen eingelassen werden. Das sei, so Wengenmeir, "auch ein Riesenverlust für die Kultur, weil dort früher eine Vielzahl von Konzerten stattfanden".

Wolfgang Taubert, 69, ist mit dem Koalitionsvertrag in Sachen Sport ebenfalls unzufrieden. Das brachte er in einer Mail an den CSU-Fraktionsvorsitzenden Bernd Kränzle zum Ausdruck. Taubert kommt vor allem der Punkt Integration, auch mit seinen Projekten, zu kurz.

Wengenmeir stört sich hingegen an den "kleinteiligen Förderungen" in Sachen Integration. Der Vereinsfunktionär sagt: "Das größte funktionierende Integrationsprojekt seit Jahrzehnten findet in den Augsburger Sportvereinen statt und das fast zum Nulltarif." Er nimmt kein Blatt vor den Mund und will der schwarz-grünen Stadtregierung in Zukunft genau auf die Finger schauen. Das kann er auch – sitzt er doch erstmals als Neuling für die Freien Wähler auf der Oppositionsbank im Stadtrat.

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