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Relegation

30.06.2020

Schmerzensbringer von der Ostalb: Heidenheim erlebt Fußball-Märchen

Seit 13 Jahren ist Frank Schmidt der Trainer des 1. FC Heidenheim. Gegen Bremen kann er den Aufstieg in die Bundesliga schaffen.
Bild: Tom Weller, dpa

Plus Der kleine Klub spielt um den Bundesliga-Aufstieg – und hat sich das Konzept eines Sponsors zu eigen gemacht. Wie Ex-Spieler Michael Thurk die Chancen einschätzt.

Eine Bekanntschaft mit einem Exportschlager aus Heidenheim zu machen, ist meistens mit Schmerzen verbunden. Die Hartmann-Gruppe ist einer der größten Arbeitgeber des 50.000 Einwohner großen Städtchens und hat sich auf Wundbehandlung spezialisiert. Von Hartmann gibt es Mullbinden, Pflaster und OP-Abdeckungen – insofern dürfte fast jeder schon einmal mit diesem Erzeugnis in Kontakt gekommen sein. Da ist es passend, dass die Hartmann-Gruppe mit einem anderen Erfolgsprodukt aus der Stadt eng verwoben ist: Seit Jahren prangt das Logo des Unternehmens auf der Brust des Zweitligisten 1. FC Heidenheim – aktuell wird dort mit Kneipp ein Tochterunternehmen beworben.

Der 1. FC Heidenheim wiederum ist für viele seiner Gegner auch ein großer Schmerzensbringer. Gegen den vermeintlichen Underdog haben sich bereits einige etablierte Klubs tiefe Schrammen zugezogen. Das jüngste Beispiel lieferte am vorletzten Spieltag der Hamburger SV. Der Traditionsklub wollte gegen den Emporkömmling die Teilnahme an der Relegation klarmachen – und verlor 1:2.

Das Trauma der Norddeutschen wog offenbar so schwer, dass die Spieler eine Woche später noch völlig von der Rolle waren und gegen einen weiteren Underdog, den SV Sandhausen, mit 1:5 verloren. Der FCH spielt keinen spektakulären Fußball, hat die viertwenigsten Tore in der aktuellen Zweitligasaison erzielt (45), stellt nach Meister Bielefeld aber die beste Defensive (36 Gegentore).

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Heidenheims Trainer Schmidt sieht die Relegation als "Lebenschance"

Wenn am Donnerstag (20.30 Uhr, DAZN und Amazon Prime) das erste Relegationsspiel zur Bundesliga ansteht, wird der HSV nur Zuschauer sein und Gelegenheit haben, seine Wunden zu lecken. Das kleine Heidenheim wird gegen Werder Bremen erstmals in seiner Geschichte um die Teilnahme an der Bundesliga spielen. Für Trainer Frank Schmidt ist das nichts weniger als eine "Lebenschance". Der 46-Jährige schwor sein Team in der Pressekonferenz auf die Relegation ein: "Manche Dinge passieren im Leben häufig, manche bekommt man nie oder ganz selten. Wir haben jetzt die Situation, etwas ganz Außergewöhnliches machen zu dürfen."

Der Bundesliga-Aufstieg wäre gegen die favorisierten Bremer die Krönung eines Fußball-Märchens, das vor 26 Jahren in der Landesliga begann, mit dem Einstieg des heutigen Geschäftsführers Holger Sanwald. Seitdem wurde aus einem Sportplatz namens Albstadion die heutige, 15000 Zuschauer fassende Arena. Der Klub kann auf die wirtschaftliche Kraft einer prosperierenden Region zählen. Vor 13 Jahren heuerte Trainer Schmidt an und ist damit der dienstälteste Übungsleiter im deutschen Profi-Fußball, seit zwölf Jahren spielt der längst zum Fußball-Idol aufgestiegene Marc Schnatterer in Heidenheim. Kontinuität zählt beim FCH. Seitdem Schmidt dort an der Seitenlinie steht, versuchten sich 19 verschiedene Trainer beim HSV.

Spielte zum Ende seiner Profi-Karriere: Michael Thurk.
Bild: Stefan Puchner, dpa

Ex-Spieler Michael Thurk ist überrascht von der Entwicklung des FC Heidenheim

Dass Heidenheim tatsächlich mal ans Tor der Bundesliga klopfen könnte, sei lange nicht abzusehen gewesen, sagt Michael Thurk. Der ehemalige Spieler des FC Augsburg verbrachte die letzten Jahre seiner Profi-Karriere beim FCH, der damals noch in der 3. Liga spielte. "Das ist wirklich überraschend – aber es zeigt, was möglich ist bei einem Verein, der kontinuierlich arbeitet und die Ruhe hat." Natürlich stand Thurk schon damals mit vielen Spielern im Kader, die auch heute das Gerüst des Teams bilden – neben Schnatterer ist das etwa Sebastian Griesbeck. Der gebürtige Ulmer räumt im defensiven Mittelfeld ab, spielt seit bereits sieben Jahren in Heidenheim. Thurk erinnert sich: "Bei Griesbeck hat man sofort gesehen: Der hat den nötigen Biss. Und ich glaube: Sollte Heidenheim das tatsächlich schaffen, wird er es auch in der Bundesliga packen."

Aber ist das denn zu packen? Der Branchendienst Transfermarkt stuft den Kader von Werder Bremen auf einen Gesamtwert von knapp 140 Millionen Euro ein, der von Heidenheim liegt bei 18,5 Millionen Euro. Auch Thurk hat seine Zweifel und sieht die Norddeutschen als Favoriten. Er schränkt aber auch ein: "Heidenheim hat nichts zu verlieren. Für Werder geht es um alles." Und Favorit gegen den FC Heidenheim - das war der Hamburger SV ja auch. Es kam bekanntlich anders.

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