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Spannung
30.04.2019

Und das Ende kommt erst noch

Die Bundesliga liefert derzeit einen Vorgeschmack auf all die dramatischen Entscheidungen, die noch fallen werden. In drei Wochen öffnen sich wieder die Tränenkanäle. Einige prominente Beispiele aus der Vergangenheit

Weniger als die ganz großen Emotionen sollten es am vergangenen Spieltag nicht sein. Wut in Dortmund, Glückseligkeit in Gelsenkirchen, beides davon in Nürnberg und München. Und doch sind es noch drei Spieltage bis zur endgültigen Entscheidung. Der 31. Spieltag war nicht mehr als eine zarte Ouvertüre. Das wahre Drama wartet erst am Saisonende. Ein Rückblick auf die spannendsten Entscheidungen an beiden Enden der Tabelle.

Dass Fans den Platz stürmen, ist nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist dagegen, wenn Fans den Platz stürmen, obwohl es nichts zu feiern gibt – weder einen Titel, noch den Klassenerhalt. Doch für die Anhänger des MSV Duisburg gab es am 5. Juni 1971 kein Halten mehr. Sie feierten enthusiastisch ihr Team nach dem 2:0-Sieg über den FC Bayern. Punktgleich gingen Borussia Mönchengladbach und die Münchner in den 34. und letzten Spieltag. Die Tordifferenz der Bayern war um einen Treffer besser. Doch dann bissen sich die Münchner am MSV Duisburg die Zähne aus. Nach einem 0:0-Pausenstand zerstörte Rainer Budde nach der Pause mit zwei Treffern die Bayern-Träume. Gladbach feierte mit einem 4:1-Erfolg bei Eintracht Frankfurt die Meisterschaft. Einen Tag später erschütterte der Bundesliga-Skandal, an dem weder der FC Bayern München noch Gladbach beteiligt waren, Fußball-Deutschland.

Es war der vermutlich schwärzeste Tag in der Vereinsgeschichte der Frankfurter Eintracht, dieser 16. Mai 1992. 10000 Fans aus Hessen machten sich am letzten Spieltag auf den Weg, um bei Hansa Rostock, das bereits als Absteiger feststand, die Meisterschaft zu feiern. Dann kommt alles anders. Frankfurt verliert 1:2 und der Frankfurter Ralf Weber will Schiedsrichter Alfons Berg an die Gurgel, weil er der Eintracht einen klaren Elfmeter verweigert. Der VfB Stuttgart überholt Frankfurt und wird Meister. Auch Dortmund lässt die Eintracht hinter sich. Frankfurts Trainer Dragoslav Stepanovic bleibt nur der Spruch: „Lebbe geht weider.“

Sechs Jahre zuvor holen sie den WM-Titel, nun stehen sich Andreas Brehme und Rudi Völler im Abstiegsendspiel gegenüber. Völlers Leverkusener genügt ein Unentschieden, Lautern braucht einen Sieg. Pavel Kuka bringt die Pfälzer in Führung, doch acht Minuten vor dem Abpfiff gelingt Markus Münch der Ausgleich. Leverkusen ist gerettet, Kaiserslautern muss in die zweite Liga. Im Fernsehstudio heult Breme an der Schulter seines Freundes Völler. Eine Woche später gewinnen die Lauterer immerhin den DFB-Pokal. Direkt nach dem Abstieg steigt die Mannschaft wieder auf – und marschiert durch. Otto Rehhagel führt das Team tatsächlich zum Titel. Andreas Brehme feiert zum Abschluss seiner Karriere die Meisterschaft. Die Tränen von 1996 sind schon längst getrocknet.

Es war wohl der dramatischste Abstiegskampf der Liga, als Nürnberg am 34. Spieltag als Tabellenzwölfter noch vier Klubs an sich vorbeiziehen ließ. Unter anderem Eintracht Frankfurt. Die Hessen benötigten einen Sieg mit vier Toren Unterschied und gewannen dann mit 5:1 gegen Kaiserslautern. Nürnberg wurde zum Tränenmeer und die von Frankenreporter Günther Koch legendären Worte waren bei der letzten Radio-Aufschaltung: „Hallo, hier ist Nürnberg – wir melden uns vom Abgrund.“

Michael Ballack hat viele wichtige Tore geschossen. Aber nur eines davon war entscheidend für einen Titelgewinn. Die von ihm orchestrierten Leverkusener fahren am letzten Spieltag nach Unterhaching, um sich dort erstmals die Meisterschale abzuholen. Ein Remis im Münchner Vorort genügt. Dann aber drückt Ballack eine Flanke ins eigene Tor. Leverkusen zittert, Leverkusen verliert am Ende 0:2. Die Meisterschale wird 15 Kilometer weiter nördlich im Olympiastadion vergeben: an den FC Bayern.

4:38 Minuten. So lange ist der FC Schalke 04 am 19. Mai 2001 erstmals Meister der Bundesliga. Die Gelsenkirchener gewinnen gegen Unterhaching mit 5:3. In Hamburg erzielt derweil Sergej Barbarez im Volksparkstadion das 1:0 für die Rothosen – in der 90. Minute. Eine Münchner Niederlage würde den Titel für Schalke bedeuten. 4:38 Minuten. So lange hält das Hochgefühl an. Dann grätscht HSV-Spieler Tomas Ujfalusi den Ball zu seinem Torhüter Matthias Schober, der ihn in seine Arme aufnimmt. Schiedsrichter Markus Merk entscheidet auf Rückpass. Patrik Andersson legt sich für den resultierenden indirekten Freistoß den Ball zurecht, der FC Schalke 04 stürzt in ein Tal tiefer Trauer und wird zum „Meister der Herzen“. Oli Kahn ruft: „Weiter, immer weiter.“

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