Newsticker

Zahl der Corona-Todesfälle binnen 24 Stunden fast auf Rekordhoch
  1. Startseite
  2. Sport
  3. FC Augsburg
  4. Niederlechner zur Torflaute: "Ich brauche den Knotenlöser"

FC Augsburg

14.11.2020

Niederlechner zur Torflaute: "Ich brauche den Knotenlöser"

Florian Niederlechner fehlte zuletzt in der Liga das Selbstvertrauen, aber auch der Rhythmus.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus FCA-Stürmer Florian Niederlechner spricht über seine aktuelle Torkrise, seine Wünsche für den Rest der Saison und warum er kurz auf Felix Uduokhai sauer war.

Herr Niederlechner, wie geht es Ihnen?

Florian Niederlechner: Mir geht es gut, alle sind gesund.

Ihre Bauchmuskelverletzung haben Sie auch so weit auskuriert?

Niederlechner: Das ging überraschend schnell. Zuerst war es eine Schockdiagnose. Es hat sich aber herausgestellt, dass es doch nicht so schlimm ist. Zum Glück habe ich ganz gutes Heilfleisch. Der schlimmste Fall wäre ein Ausfall von sechs Wochen gewesen. Dann haben wir aber noch mal über die Bilder drüber geschaut. Ich hatte schon mal einen Faserriss und gedacht, das kann niemals einer sein. Dann haben wir noch mal getestet und nach zwei Tagen war es wieder gut. Ich hoffe, dass ich es überstanden habe.

Nach 22 Scorerpunkten in der vergangenen Saison wollten Sie in dieser Runde noch einen drauflegen. Bislang tun Sie sich aber sehr schwer und sind noch ohne Treffer.

Niederlechner: Ich habe auch vergangene Saison, als ich gefragt wurde, warum es so gut läuft, immer gesagt: Das Wichtigste ist, dass ich gesund bleibe. Dieses Jahr hatte ich schon dreimal Kleinigkeiten, wegen denen ich nicht trainieren konnte. Damit kommst du aus dem Rhythmus, das nervt mich ziemlich. Ich habe auch schon Spiele verpasst und bin gegen Leipzig nur eingewechselt worden, weil ich davor nicht trainiert habe. Dann darf man nicht vergessen, dass wir außer Bayern gegen alle Mannschaften aus den ersten sechs gespielt haben. Da war klar, dass wir uns mehr auf die Defensive konzentrieren, was uns auch sehr gut gelungen ist. Für uns Offensivspieler waren es nicht die Spiele mit vielen Chancen oder Aktionen nach vorne. Dass ich noch kein Tor habe, ist natürlich nicht das, was ich mir erwartet habe. Ich hoffe, dass bald der Knoten platzt. Auch vergangene Saison hatte ich zwei, drei Phasen, in denen ich längere Zeit nicht getroffen habe. Ich hoffe, dass mir bald mein erstes Tor gelingt. Dann wird es wieder besser laufen.

Florian Niederlechner hadert mit der Chancenverwertung

Gegen Hertha hatten Sie vor einer Woche eine große Chance gegen Alexander Schwolow. Herthas Torwart kennt Sie aus Ihrer Zeit in Freiburg und hat den Schuss abgewehrt.

Niederlechner: Mein Abschluss war nicht so schlecht. Wenn er nicht so stark spekuliert, hat er den Ball nicht. Aber das passiert eben. Wie auch in Wolfsburg, als ich meine größte Chance in dieser Saison hatte. Das hängt auch viel mit Vertrauen zusammen. Wenn du nicht so viele Möglichkeiten hast, hast du nicht das Selbstvertrauen. Dann fällt es nicht so leicht wie normal. Aber daran muss man arbeiten, dann kommen die Situationen auch wieder.

Mit zehn Punkten steht der FC Augsburg gut da, aber das Spiel nach vorne ist noch verbesserungswürdig.

Niederlechner: Man muss sehen, gegen wen wir gespielt haben. Union Berlin ist immer schwer, dann Dortmund, Leipzig, Wolfsburg, Leverkusen oder Hertha, das ist mit das Beste neben Bayern natürlich, was die Bundesliga bieten kann. Jetzt kommt noch Gladbach, dann haben wir fast alle Topmannschaften, die auch international spielen, hinter uns. Und man muss ehrlich zugeben: Leverkusen, Dortmund oder Leipzig sind Gegner, die besser sind als wir. Wenn wir nicht an die 100 Prozent kommen, musst du schon sehr gut sein, dass du dir Möglichkeiten herausspielst. Die Punkteausbeute ist von daher richtig gut. Gegen Hertha wissen wir natürlich auch, dass wir nicht unser bestes Spiel gemacht haben und dass wir das offensiv viel besser machen müssen.

In der Mannschaft hat sich die Hierarchie deutlich verändert. Wie sehen Sie die Lage im Team?

Niederlechner: Da mit Daniel Baier ein großer Faktor den Verein verlassen hat, war klar, dass sich die Hierarchie neu finden muss. Aber wir machen es richtig gut, deshalb hatten wir einen so guten Saisonstart, weil es einfach passt in der Mannschaft. Dani hat eine große Lücke hinterlassen, die haben wir sehr gut gefüllt. Es sind viele Spieler auf dem Weg, Verantwortung zu übernehmen. Das macht richtig Spaß bisher.

Wurde erstmals fürs Nationalteam nominiert: Felix Uduokhai.
Bild: Ulrich Wagner

Uduokhai verriet Mitspielern beim FC Augsburg nichts von DFB-Nominierung

Ein solcher Spieler könnte Felix Uduokhai sein, der nun sogar für die Nationalmannschaft nominiert wurde. Wie kam das in der Mannschaft an und hat er schon was ausgeben müssen?

Niederlechner: Am Anfang war ich sogar ein bisschen sauer. Wir waren am Freitag im Training und er hat nichts davon gesagt. Wir haben es auch nur durch die Medien erfahren. Wir haben uns aber alle für ihn gefreut, er ist ein sehr guter und bodenständiger Junge. Durch gute Leistungen hat er sich das absolut verdient. Ausgeben konnte er noch nichts, aber das kommt sicher noch.

Durfte er es nicht verraten?

Niederlechner: Nein, er ist einfach ein sehr ruhiger Typ und wollte es nicht rumposaunen.

Bei Ihnen wurde in der vergangenen Saison wegen Ihrer starken Leistungen ab und an auch mal über die Nationalmannschaft geredet. Die ist aber aktuell wahrscheinlich kein Thema.

Niederlechner: Für mich war es auch vergangenes Jahr kein Thema. Wenn Joachim Löw einen Thomas Müller nicht nominiert, weil er ein älterer Spieler ist, warum soll er dann einen Florian Niederlechner nominieren? Da habe ich mir damals keine Gedanken gemacht und mache mir auch jetzt keine. Jetzt muss ich erst einmal in Augsburg wieder ein paar Tore schießen.

Wie sind Ihre Ziele für den weiteren Verlauf der Saison?

Niederlechner: Für meine Spielweise ist das Wichtigste, dass ich gesund bin. Dann komme ich in meinen Rhythmus. Da habe ich auch die Power, die ich brauche. Ich will aber auch nicht rumlügen. Ich will natürlich so viele Tore und Vorlagen wie möglich. Da brauche ich jetzt mal den Knotenlöser. Seit zwei Wochen trainiere ich richtig gut. Vor dem Mainz-Spiel hatte ich eine Top-Woche, als ich mich richtig gefreut habe auf das Spiel. Weil ich mir viele Chanen erhofft hatte, wie sie André Hahn ja dann auch bekommen hat. Mannschaftlich hoffe ich, dass wir weiter gut punkten und dass die Defensivarbeit weiter so gut funktioniert. Offensiv müssen wir uns noch verbessern, damit wir mehr Großchancen bekommen.

Mal weg vom Fußball: Sie sind ja auch großer Eishockey-Fan. Wie sehen Sie die Lage in anderen Sportarten während der Corona-Krise?

Niederlechner: Es ist in allen Sportarten eine schwierige Situation. Der Impfstoff gibt große Hoffnung, dass wir einigermaßen in die Normalität zurückkehren können. Eishockey ist sehr von den Zuschauern abhängig. Ich hoffe, dass der kleine Lockdown in Deutschland helfen wird und dass bald wieder Zuschauer in die Stadien dürfen. Eishockey ist eine Sportart, die wir in Deutschland brauchen. Ich hoffe aber, dass auch andere Sportarten in die Normalität zurückkehren können. Und dass auch bei uns im Fußball durch den Impfstoff Zuschauer in die Stadien zurückkehren.

Das wäre gerade für euch Spieler enorm wichtig.

Niederlechner: Wir sind schon froh, dass wir überhaupt spielen dürfen. Wir werden oft getestet und machen vieles, dass wir spielen können. Wir hatten jetzt etliche Spiele ohne Zuschauer und dabei zu Hause nicht viele gewonnen. Gegen Dortmund waren mal wieder 6000 Zuschauer da und schon gewinnen wir. Das ist Beweis genug, wie wichtig Zuschauer sind. Man kann gar nicht mehr von einem Heim- oder Auswärtsspiel reden. Für mich ist es gerade einfach nur ein Meisterschaftsspiel. Man hat daheim keinen Vorteil mehr.

Außer vielleicht die kürzere Anreise.

Niederlechner: Vor allem in der Corona-Zeit fliegen viele Mannschaften, das macht daher auch keinen großen Unterschied mehr. Mannschaften wie Augsburg, Freiburg, Köln, Schalke oder Frankfurt, die sehr von ihren Heimfans leben, brauchen einfach die Zuschauer.

Hören Sie sich dazu auch unseren fast einstündigen Podcast mit Florian Niederlechner über seine Karriere und sein Privatleben an (von September 2020):

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

15.11.2020

Da hat er recht, Fußball ohne Zuschauer ist kein Fußball und Heimspiele ohne Publikum ist kein Heimspiel.
Gerade die kleinen Vereine brauchen diesen Antrieb aber am Nötigsten.
Ich wünsche ihm, dass der Knoten bald platzt, aber durch solche Täler muss jeder gute Spieler mal durch.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren