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FC Augsburg

05.10.2016

So hat sich die Fanszene des FCA verändert

Beim Traditionstag im Rosenaustadion sorgten rund 300 Mitglieder der aktiven Fanszene für eine tolle Stimmung.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Es herrscht nicht nur eitel Sonnenschein zwischen dem FC Augsburg und seinen Anhängern im M-Block. Trotzdem wissen beide Seiten, was sie aneinander haben.

Klaus Hofmann, Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg kam mit dem Bierausschenken kaum mehr nach. Michael Ströll, der Geschäftsführer Finanzen, und Stefan Reuter, Geschäftsführer Sport beim FCA, hatten beim Grillstand alle Hände voll zu tun. Beim Traditionstag des Bundesligisten im Rosenaustadion war den Andrang groß.

Die aktive Fanszene des FCA hatte zum Boykott des Auswärtsspiels bei RB Leipzig aufgerufen. „Das ist kein Verein, sondern eine Werbeplattform für einen Energygetränke-Hersteller“, sagt Mario Riedel, einer der Organisatoren der „Szene Fuggerstadt“. In diesem eingetragenen Verein sind die meisten der aktiven Fanklubs gebündelt. „Wir haben für uns entschieden, dass wir keine Lust haben, das Spiel zu besuchen, um dadurch Red Bull durch den Kauf von Eintrittskarten, Essen und Getränken zu unterstützen, auch wenn es nicht die Welt ist“, erklärt Riedel. Über 30 der rund 80 Fanklubs beteiligten sich an dem Boykott.

Michael Ströll (links) und Manager Stefan Reuter am Grill.

Die FCA-Anhänger sahen nicht gerne, dass 600 Fans nach Leipzig fuhren

Dass am Freitag trotzdem rund 600 Augsburger Anhänger nach Leipzig fuhren, kam bei den Daheimgebliebenen nicht gut an. Sie wurden besonders in den sozialen Medien beschimpft, was Riedel so kommentierte. „Was in den sozialen Medien steht, darauf geben wir von der Szene Fuggerstadt nichts. Das sind Einzelpersonen. Das hat für uns keine Wertigkeit.“

Doch nur das Fernbleiben war den Augsburger Fans, die als sehr kreativ gelten, nicht genug. „Wir wollten aber auch etwas Positives machen. Es sollte an diesem Wochenende mehr die FCA-Familie und die Tradition des Vereines im Vordergrund stehen“, sagt Riedel. Sie organisierten ein Alternativprogramm, an dem sich der Verein dann beteiligte.

Nicht alles lief beim Traditionstag harmonisch

Vor dem Spiel der U23 gab es ein Weißwurstessen, einen Stand der Augsburger Puppenkiste für die Kinder, Torwandschießen und einen Verkaufsstand für selbst gestaltete T-Shirts. Alle Einnahmen werden gespendet. Im Rosenaustadion wurde fast die komplette Gegengerade mit Zaunfahnen geschmückt und das Regionalliga-Team dann 90 Minuten dauerunterstützt. Der 3:2-Sieg des FCA vor über 1300 Zuschauern passte da genauso wie der Bier ausschenkende Präsident, der offen zu seiner tief verwurzelten Abneigung gegen RB Leipzig steht.

FCA-Chef Klaus Hofmann hatte alle Hände voll zu tun.

Fast wäre das Bild der harmonischen FCA-Familie perfekt gewesen. Aber eben nur fast. Denn als ein Dutzend FCA-Ultras „Georg Teigl, Hurensohn“ skandierten, zeigte sich, dass die FCA-Familie doch nicht nur ein Herz und eine Seele ist. Der Österreicher, der vor der Saison von Leipzig zum FCA gewechselt war, hatte sich nach dem 1:2 in Leipzig vor der RB-Kurve feiern lassen. Was einigen FCA-Hardcore-Fans gar nicht passte. Die Augsburger Fanszene ist nicht mehr so einfach zu erklären wie vor zehn Jahren. Damals beim Zweitliga-Aufstieg war die Welt aus der Sicht der Fanszene und des Vereines noch in Ordnung. Der damalige FCA-Chef Walther Seinsch stand gerne zwischen den Fans, die Vertrauten von Seinsch im Aufsichtsrat kamen aus der Fanszene. Doch mit jedem Jahr im Profigeschäft veränderte sich der Verein und auch die Fanszene.

Der FCA ist mittlerweile auch Wirtschaftsunternehmen

Bisher galten Walther Seinsch und Klaus Hofmann als Vereinslenker, die das Herz am rechten Fleck hatten und haben. Bei denen das Vereinswohl immer an oberster Stelle stand und auch die Anliegen der Fans oft ein offenes Ohr fanden.

Doch der FCA entwickelt sich als Wirtschaftsunternehmen immer weiter, der Jahresumsatz ist inzwischen auf 90 Millionen Euro angewachsen. Die neuesten Gerüchte, das vielleicht sogar chinesische Investoren einsteigen könnten, haben die Fanszene aufgeschreckt. Die lässt sich nicht mehr einfach in eine Schublade mit der Aufschrift „nett“ packen. Sie ist differenzierter geworden. Der Ultragruppierung der „Legio Augusta“ gehören rund 50 Personen an. Die „Legio“ hat das Zepter im M-Block in der Hand und nach ihren Regeln wird dort auch gehandelt. Dazu gibt es auch mal Scharmützel mit anderen verfeindeten Ultras und werden Pyros abgebrannt. Der Umgang mit den gefährlichen Fackeln gehört für sie zur Fankultur. Dem Verein kostet das je nach Häufigkeit einen fünfstelligen Betrag pro Saison.

Die Zusammenarbeit zwischen Verein und aktiver Fanszene ist nicht mehr nur ungetrübt. Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass die Kontaktaufnahme mit dem harten Kern immer schwieriger wird.

Das Verhältnis zwischen FCA und Fans ist vorbildlich

Trotz allem gilt das Verhältnis zwischen dem FCA und seinen Fans im Vergleich zu anderen Bundesligisten fast als vorbildlich, was die Zusammenarbeit beim Traditionstag zeigt. Die Stadionverbote kann man derzeit an einer Hand abzählen.

Und die FCA-Fans sorgen auch immer wieder positive Schlagzeilen. Die Szene gilt als unpolitisch, ihre Choreos sind beeindruckend. Zudem engagiert sie sich im sozialen Bereich. Wie sich einige der Ultras seit einem Jahr um den verunglückten Simon kümmern, ist beispielhaft.

Beide Parteien wissen, was sie aneinander haben. Riedel, der auch als einer der führenden Köpfe der Legio gilt, sagt: „Wir haben es schon ein bisschen leichter als andere Fan-Szenen. Das liegt aber daran, dass wir seit Jahren ein konstruktives und positives Miteinander praktizieren. Wir sind oft nicht einer Meinung. Es passt uns vieles nicht, was der Verein macht, und dem Verein passt vieles nicht, was wir machen. Aber unter dem Strich stehen wir alle hinter derselben Sache, dem FCA.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

06.10.2016

Fans und Verein müssen nicht immer gleicher Meinung sein, nur im Gespräch muss man bleiben. Genau das ist wie im richtigen Leben, das schafft Bindungen und Respekt.

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05.10.2016

"Euch Ultras rate ich auch mal die Dokumentation über die Ultras anzuschauen, dann wisst Ihr was mit Euch los ist."

Hihi, der Ossi ist lustig!

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05.10.2016

Die OstVereine haben große Probleme mit rechtsradikalen Fans. RB Leipzig hat dieses Problem dank der jetzigen Vereinsstruktur im Griff. Dresden ist ein gutes Beispiel. Ostderbies sind selbst in der 4. Liga immer mit großem Polizeiaufgebot.

RB macht in Leipzig alles richtig. Dadurch können die Problemfans aussortiert werden. Das Nachwuchszentrum ist vorbildlich. Wir werden sicher wieder einige Nationalspieler aus diesem Zentrum bekommen.

Euch Ultras rate ich auch mal die Dokumentation über die Ultras anzuschauen, dann wisst Ihr was mit Euch los ist.

Und natürlich ohne Moos nichts los, da hat der FCA schwer von Walter Seinsch profitiert.

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