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Wandern im Günztal zum Hundsmoor: An einem Bächlein helle

Wandern im Günztal zum Hundsmoor: Wie ein Postkartenmotiv wirkt der Blick über die herrliche Landschaft hin auf die barocke Basilika. Die Wanderung lohnt sich.
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Wandern im Günztal zum Hundsmoor: Wie ein Postkartenmotiv wirkt der Blick über die herrliche Landschaft hin auf die barocke Basilika. Die Wanderung lohnt sich.
Foto: Brigitte Hefele-Beitlich

Wandern im Günztal zum Hundsmoor: Schon Pfarrer Kneipp ging die abgeschiedenen Wege durch die Auenlandschaft im Unterallgäuer Günztal. Beim Wandern sehen Sie hier Kultur in der Natur.

Wenn es um Wasser im Unterallgäu geht, kommt man am berühmten Pfarrer und Wasserdoktor Sebastian Kneipp (1821 – 1897) kaum vorbei. Auf unserer Wanderung durch das Günztal sind wir ihm sogar besonders nah, wandeln wir doch gleich zu Beginn auf dem etwa sechs Kilometer langen (ausgeschilderten) Weg, den er unzählige Male vom Gottesdienst in der Ottobeurer Basilika zurück zu seinem Geburtsort Stephansried ging. Später durchstreifen wir die Bachlandschaft, wo er der Legende nach schon als Hütebub erste Überlegungen zur Heilkraft des Wassers angestellt hat, weil er beobachtete, dass seine Rinder mit kleinen Wehwehchen in den Bach stiegen, um sie zu kühlen.

Wanderung durch Feucht- und Blumenwiesen

Fast in diese Zeit zurückversetzt fühlt man sich auf den abgeschiedenen Wegen durch Feucht- und Blumenwiesen, durch kleine Wälder und die naturnahe Bach- und Moorlandschaft rund um die Westliche Günz – die zum längsten Bachsystem Bayerns gehört. Dass der Reichtum an Tieren und Pflanzen, dem wir dort auf Schritt und Tritt begegnen, erhalten bleibt, hat sich die Stiftung Kulturlandschaft Günztal zum Ziel gesetzt. Deren Gebietsbetreuer Peter Guggenberger-Waibel gibt uns eine ganz einfache Faustregel in Sachen Naturschutzgebiet mit auf den Weg, den er uns empfohlen hat: „Was noch steht, wenn alles andere glattrasiert ist, gehört zu uns“.

Idylle pur: Auf der Wanderung im Günztal wartet ein Blumenmeer

Welche Blütenfarben auf den ungemähten Flächen wohl im Sommer dominieren? Im Frühjahr freuen wir uns gleich auf dem ersten Kilometer an einem Meer aus Gelb und Grün mit vergissmeinnichtblauen und blutströpfleroten Inseln. Mitten in diesem idyllischen Tal hat sich auch der Künstler Erich Schickling (1924 – 2012) ein sehenswertes Refugium geschaffen. Dort wo er seine meist spirituell inspirierten Hinterglasbilder gemalt hat, ist heute ein Ort der Begegnung von Kunst, Religion und Musik. Weithin hört man die Pfaue, die dort frei herumlaufen. Solche Naturkonzerte unterhalten uns noch öfter beim Marsch zwischen sanften Hügeln, wo sich Froschgequake, Vogelgezwitscher, Bienensummen und Wassergluckern abwechseln.

Schöne Ausblicke weit ins Unterallgäu hinein versüßen den kleinen Anstieg von der Schickling-Stiftung nach Eggisried. Zwischendurch spenden Waldwege Schatten. Einer endet in der ehemaligen Klosteranlage Klosterwald, wo – leider nur sonntags – im Café selbst gebackener Kuchen, Kaffee und kühle Getränke zur Rast einladen. Das ist die einzige Einkehrmöglichkeit unterwegs, denn Stephansried zwei Kilometer weiter hat kein Wirtshaus. In diesem der 90-Seelen-Ort ist übrigens nicht nur Kneipp geboren, der dort überall präsent ist, sondern auch Kabarettist Maxi Schafroth. Aus seiner wilden Kindheit in diesem beschaulichen Fleckchen Allgäu schöpft er noch heute für seine Programme.

Wandern im Hundsmoor: Tümpel, Frösche und Auenlandschaft

Hinter dem Dorf atmen wir auf einer Hochebene Weite, ehe wir von Kuhglocken begleitet hinabwandern Richtung Hundsmoor. Noch einmal eine völlig neue Naturwelt tut sich dort unten auf. Wir staunen über mäandernde Wasserläufe mit Strudeln, Buchten, Gumpen und kleinen Inseln. Entdecken in Tümpeln, die von der Günztalstiftung zusätzlich angelegt wurden, Frösche und anderes Getier. Sehen Raubvögel kreisen und hören von fern Original Allgäuer Braunvieh muhen. Denn die wurden als „Günztal Weiderinder“ hierher geholt, damit sie als vierbeinige Landschaftspfleger durch ihr gemächliches Abgrasen die Auenlandschaft in ihrer Vielfalt erhalten helfen.

Zurück geht es Richtung Ottobeuren an der anderen Bachseite, meist parallel zum im Sommer viel befahrenen Günztalradweg. Das zieht sich gegen Ende ein wenig, aber wenn die Türme der Ottobeurer Basilika schon das Ziel verheißen, werden wir für die Anstrengung noch einmal mit einem geschwungenen Pfad durch bunte Blumenwiesen belohnt.