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Wandern zum Werdensteiner Moos: Mitten durchs Moor

Wanderung zum Werdensteiner Moos: Das Moor ist Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Seit einem Jahrzehnt ist es Teil des europaweiten Schutzgebietnetzes „Natura 2000”.
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Wanderung zum Werdensteiner Moos: Das Moor ist Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Seit einem Jahrzehnt ist es Teil des europaweiten Schutzgebietnetzes „Natura 2000”.
Foto: Silvia Reich-Recla

Bei dieser Wanderung sind Sie unterwegs zum Werdensteiner Moos, wo Totholz aus dem Wasser ragt und seltene Falter flattern. Das Oberallgäuer Biotop ist beim Wandern auch für Kinder spannend – Barfußpfad und Aussichtsplattformen gibt’s obendrein.

Erst baden oder erst spazieren gehen? In Oberdorf, dem kleinen Dorf zwischen Kempten und Immenstadt ist beides möglich. Von der Bahnstation aus über die Brücke gleich rechts hinab geht es zum Gasthof Seehof und der großen Liegewiese am Niedersonthofener See. Vom Bahnhof Martinszell/Oberdorf führt aber auch die Straße geradeaus hinaus (links der Bahngleise) zum Werdensteiner Moos mit Einkehrmöglichkeit, Barfußpfad und Aussichtsplattformen. Wir gehen erst einmal spazieren, planen zweieinhalb Stunden ein.

Wanderung zum Werdensteiner Moos: Die Natur blüht

Klischees werden bedient: Kühe grasen auf saftigen Allgäuer Weiden. Der gelb blühende Hahnenfuß bleibt. Den mögen die Rinder nicht. Der ist frisch genossen toxisch, verliert aber die Giftigkeit, wenn er getrocknet ist. Die Straße führt vorbeian der kleinen Sebastianskapelle. Wir laufen auf Asphalt, immer auf den „Wächter des Allgäus“ zu, den 1740 Meter hohen Grünten, im Blick auch der Hausberg der Immenstädter, der Mittag (1451 Meter). Bei Ringgen geht’s rechts unter dem Bahngleis hindurch auf die andere Seite und gleich wieder links. Auf feuchten Wiesen blühen Margeriten, Wiesenschaumkraut, Kuckucksblume und der gelbe Wiesen-Pippau. Idylle pur neben dem Bahngleis Richtung Immenstadt-Lindau.

Beim Wandern stößt man hier auf einen Moor-Erlebnispfad

Beim nächsten Abzweig gehen wir nach rechts, Richtung Eckarts, streifen das Werdensteiner Moos. Der Schotterpfad wechselt zum Hackschnitzelweg auf moorigem Untergrund: Er duftet. Er ist weich. Er fühlt sich gut an. Wir sind am Moor-Erlebnispfad. Das Werdensteiner Moos zählt mit 85 Hektar zu den größten Hochmooren im Oberallgäu und ist Teil des europäischen Schutzgebiets Natura 2000: Gefährdete Tier- und Pflanzenarten sollen dort weiterhin einen Lebensraum haben.

Vier Kilometer geht es rund um ein wieder vernässtes Gebiet. Wir zweigen an der nächsten Möglichkeit (bei einer Aussichtsplattform) links ab, mitten durchs Moor. Abgestorbene Baumstämme ragen aus einem zum Weiher gewordenen Feuchtgebiet. Weiter hinten, wo der Boden wie ein Schwamm das Wasser schon aufgesaugt hat, wachsen auf grünem Grund Wollgräser, im Frühsommer blühen gelbe Wasserlilien. Ein Eldorado für Fotografen. Infos zum Moor gibt es auf Tafeln: Das Moor wächst nur einen Millimeter im Jahr. Es dauert 1000 Jahre, bis eine einen Meter hohe Torfschicht entsteht. Über einen Meter hoch war die Torfschicht im Werdensteiner Moos im 19. Jahrhundert. Dann ist Torf abgestochen, getrocknet und als Brennmaterial verheizt worden. Bis es zum großen gedanklichen Umschwung kam in den 1980er Jahren, denn Moorschutz ist auch Umweltschutz: Moore haben eine extrem hohe Wassersaufnahmefähigkeit und speichern Kohlenstoff. Der Bund Naturschutz renaturiert das Moorgebiet systematisch.

Die Wandertour bietet Natur und Tiere in ihrer ganzen Vielfalt

Frösche quaken dort, Buntspechte nisten im Totholz, Libellen jagen übers Wasser und Schmetterlinge flattern über Wollgrasblüten. 41 Tagfalterarten sind nachgewiesen: Vom Argus Bläuling bis zum Grünen Zipfelfalter. Drei Holz-Plattformen laden ein, das Moor von oben zu betrachten, es gibt auch einen Barfußpfad. Dort ist Fühlen mit den Füßen angesagt.

Ein paar hundert Meter weiter geht es links ab Richtung Eckarts über einen Wiesenpfad und durch ein Drehkreuz. Jetzt rechts Richtung Oberdorf laufen, vorbei an großen Wiesen und einer alten Eiche. Eine Bank darunter lädt zum Verweilen ein mit Blick auf ein Marterl: „Gott segne unsere Fluren“ ist mit weißer Farbe auf das dunkle Holz gepinselt. Wir kommen nach Ringgen, zurück zum Auto und freuen uns auf Teil zwei des Ausflugs: Baden im Niedersonthofener See.