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Gasthaus Fackler

18.05.2019

Die „Elsa“ ist Geschichte

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2 Bilder
Die Gastwirtsfamilie in den 50er Jahren von links mit Kreszentia Fackler, Elsa Heichele und Josef Fackler. Im Hintergrund das Gasthaus Fackler.

Eine alte Traditionsgaststätte im Villenbacher Ortsteil Hausen weicht einem neuen Dorfplatz

„Was g‘schied eigentlich mit d‘r ’Elsa’?“ Mit dieser Frage beschäftigten sich jahrelang nicht nur die Menschen im kleinen Ortsteil Hausen, sondern auch in der gesamten Region, nachdem mit Elsa Heichele die letzte Wirtin des Gasthauses Fackler im Jahre 2007 in ein Pflegeheim kam und dort auch am 1. November 2012 verstarb. Daraufhin waren die Türen der Gaststätte für immer geschlossen und die Gebäude vegetierten so dahin. Verständlich das breit gefächerte Interesse am Schicksal der Traditionsgastwirtschaft an der Landkreisgrenze, verkehrten darin doch viele Jahrzehnte Gäste aus allen Himmelsrichtungen, sowohl aus dem Zusam- und Donautal, als auch vermehrt aus dem angrenzenden Landkreis Augsburg. Nun ist die eingangs gestellte Frage beantwortet: Nach den Plänen der Gemeinde Villenbach soll an gleicher Stätte weiterhin ein Kommunikationstreffpunkt unter freiem Himmel durch einen Dorfplatz entstehen.

Aus der Chronik des Schützenvereins „Alpenrose“ Hausen geht hervor, dass die Gaststätte um das Jahr 1870 entstanden ist und von Johannes Lechner bis anno 1900 betrieben wurde. Danach gab es mit Andreas Link (bis 1911) und anschließend mit Ignaz Eisele zwei weitere Besitzer, ehe im Jahre 1925 die Familie Fackler eine lange Gastwirtstradition einläutete. Diese fand ihre Fortsetzung im Jahre 1940 mit der Heirat der beiderseits verwitweten Eheleute Josef Fackler und Kreszentia Heichele aus Lauingen, die aus erster Ehe ihre Tochter Elsa Heichele mit nach Hausen brachte.

Damals ahnte noch niemand, dass Tochter Elsa einmal eine Art Kultstatus in der ganzen Region erlangen würde. Als 1956 ihr Stiefvater und 1958 ihre Mutter verstarb, übernahm sie die Gaststätte. Ab dieser Zeit blühte dann auch der Schützenverein „Alpenrose“ auf, dem „Elsa“ aufs Engste verbunden war. Mehr als siebzig Jahre beherbergte die Gaststätte Fackler die Schützen von der Gründung an im Jahre 1929 bis zum Umzug ins neue Schützenheim im Jahre 1999. Das komplette kulturelle und gesellschaftliche Leben des kleinen Ortsteils spielte sich viele Jahre in dem Dorfgasthaus ab. Neben den üblichen Versammlungen fanden Weihnachtsfeiern, Schützenbälle, Silvesterfeiern oder Weinfeste statt. Zudem schätzten besonders auch die auswärtigen Gäste das Flair einer rauchigen, gemütlichen Wirtsstube und die ruhige und angenehme Art der Wirtin. Prominente Stammgäste wie Anton Meitinger, ehemaliger Inhaber der Wollbacher Brotfabrik (heute Edna), Bauunternehmer August Buggele aus Hennhofen oder Bürgermeister Pius Anwander aus Hegnenbach, frönten unter anderen jahrelang ihrer Schafkopfleidenschaft am Kartentisch.

„Treff mer uns bei d‘r Elsa!“ Ob zum Schießen oder „Schafkopfen“, „Watten“ und „Sechsundsechzig“ spielen. Diese tausendfach lapidar ausgesprochene Verabredung führte die Menschen des kleinen Ortes Hausen über Jahrzehnte zusammen. Nun ist nach dem Abriss des gesamten Gebäudekomplexes die „Elsa“ und das Gasthaus Fackler Geschichte und man trifft sich im Schützenheim, wo die alten Traditionen ihre Fortsetzung finden. Und hoffentlich auch einmal auf dem neuen Dorfplatz, um die Kommunikation im Ort an traditionsreicher Stätte weiter zu pflegen.

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