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Diskussion in Wertingen: Sternstunde mit unwürdigem Ende

Diskussion in Wertingen: Sternstunde mit unwürdigem Ende
Kommentar Von Benjamin Reif
25.06.2020

Die Diskussion im Wertinger Stadtrat war hochspannend. Dass eine Abstimmung verhindert wurde, ist dagegen unschön.

Der Marktplatz ist ein Thema, das ausnahmslos jeden Wertinger interessieren dürfte. Umso schöner war es, dieser Diskussion beizuwohnen, die eine Sternstunde der Kommunalpolitik war. In ihrer ersten inhaltlichen Sitzung diskutierte das neu zusammengewürfelte Gremium so frisch, lebendig, emotional und ideologiebefreit, wie kaum je in der jüngeren Vergangenheit. Hier war Herzblut im Spiel, und die Wertinger Bevölkerung im Blick.

Die Stadträte wurden dem komplexen Thema der Verkehrsberuhigung am Marktplatz damit gerecht, das kein Schwarz-Weiß-Denken zulässt. Jede Entscheidung hier hat positive wie negative Seiten und muss sorgfältig abgewogen werden. Friedrich Brändles provokante Frage nach der Notwendigkeit des Marktplatzes als Wertinger Herzstück tut der Diskussion ebenso gut wie die vielfältigen Argumente aus den Reihen der Konservativen. Dass Johann Popp, Alfred Schneid und Johann Bröll sich so aufgeschlossen für das Thema zeigen – und damit nicht für alle aus ihrer Fraktion sprechen, wie deutlich zu erleben war – ist ein Zeugnis für Pragmatismus und Offenheit. Auch Peter Seefrieds Argument, dass durch eine Sperrung die Verkehrsbelastung auf anderen, ebenfalls stark befahrenen Straßen wie der Hans-Wertinger-Straße noch zusätzlich steigt, sollte besprochen werden. Und die Wertinger SPD, vertreten nur noch durch Otto Horntrich, hätte eine viel prominentere Rolle in der Diskussion verdient. Die Sozialdemokraten bemühen sich seit Jahren um einen ganzheitlichen Blick auf den Wertinger Verkehr, wozu sie ein umfassendes Konzept ausgearbeitet haben.

Dieser tolle Meinungsaustausch hätte ein würdigeres Ende verdient gehabt, als dasjenige, das er bekam. Bei Willy Lehmeiers erfolgreichem Drängen auf Nicht-Abstimmung drängt sich der Eindruck auf, dass er eine Entscheidung verhindern wollte, um den Freien Wählern eine Schlappe zu ersparen. Mit den möglichen Stimmen aus dem Lager von CSU und CSW wäre es zumindest sehr spannend geworden.

Diskussion in Wertingen: Sternstunde mit unwürdigem Ende

Die Grünen haben sich schon wieder vor dem Bürgermeister kleiner gemacht, als sie es sind. Erinnerungen werden wach an die von ihnen geforderte Ausrufung des Klimanotstandes in Wertingen. Auch damals, im Juli 2019, haben die Grünen Lehmeiers Drängen nachgegeben und sich mit einer wachsweichen Absichtserklärung abspeisen lassen.

Demokratie ist kein Stuhlkreis mit Blöckflöte, bei dem ab und zu der Erzieher eingreifen muss, damit bloß alle versammelten Kinder glücklich sind. Die Stadträte müssen gefordert sein, Farbe zu bekennen und nicht nur zu diskutieren. Wäre der Antrag abgelehnt worden, hätte das ja nicht das in Stein gemeißelte Ende aller Gespräche bedeutet. Einen Arbeitskreis hätte man danach genauso bilden können.

Lesen Sie den dazugehörigen Artikel: Wird der Wertinger Marktplatz an Wochenenden autofrei?


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